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Delitzsch Neue Exposition im Barockschloss Delitzsch zur Geschichte des Stuhls
Region Delitzsch Neue Exposition im Barockschloss Delitzsch zur Geschichte des Stuhls
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14:27 22.02.2018
Probesitzen in der neuen Sonderschau im Barockschloss Delitzsch: Museumsleiter Jürgen Geisler mit seinen Mitarbeitern Mathias Graupner und Cathleen Quarg (von links). Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Die SonderausstellungEngel – geflügelte Boten“ ist Geschichte. Nach einer kurzen Umbauzeit ist im Museum Barockschloss Delitzsch nun eine neue Sonderschau unter dem Titel „Stuhlbesessen. Geschichte – Funktion – Design“ bis zum 29. April zu sehen. Diesmal rückt das Museumsteam das in Mitteleuropa am häufigsten genutzte Sitzmöbel in den Mittelpunkt. „Anliegen ist es, das Sitzen allgemein dazustellen, aber auch die Gestaltung der Stühle seit Beginn bis in die Moderne zu zeigen“, sagt Museumschef Jürgen Geisler. Denn das Sitzen auf Stühlen, was für uns heute selbstverständlich ist, gibt es erst seit etwa 150 Jahren. War es im Christentum zunächst nur der hohen Geistlichkeit vorbehalten, während die Gemeinde und Mönche meist stehend den Gottesdiensten beiwohnten, brachte erst die Reformation die Kirchenbestuhlung für die ganze Gemeinde. Geisler zählt mit dem französischem Hof ein weiteres Beispiel auf: „Der König saß in einem Sessel mit Armlehne, die in der Hierarchie tiefer Gestellten hatten Stühle mit Rückenlehne und die in der Rangordnung noch weiter unter Platzierten saßen an der Tafel auf einer Art Kissen.“ Auch das Mittelalter kannte noch keine Stühle im bürgerlichen Wohnraum. Die Menschen kauerten auf niedrigen Schemeln oder saßen auf Bänken.

Mensch wird zum „Dauersitzer“

Mit wachsendem Reichtum des Bürgertums ab Mitte des 15. Jahrhundert eroberte der Stuhl als alltäglicher Gebrauchsgegenstand die Bürgerhäuser. So wie die Industrie in der Lage war, Stühle günstig anzubieten, entwickelte sich der Mensch allmählich zum „Dauersitzer“.

Für jedes Tun und für jede Funktion gibt es nun passende Sitzmöbel: Bürostühle, Auto- und Klappsitze, Kinder- oder Zahnarztstühle, Ersatzbänke, Dreh- oder Arbeitsstühle. Diese Entwicklung will die Ausstellung verdeutlichen.

Berufsbilder für Stuhlproduktion

Dazu ist der Ausstellungsraum im Schloss völlig anderes gestaltet worden. Auf zwei treppenförmig angeordneten Ebenen werden die Exponate präsentiert. Im Raum stehen diesmal nur vereinzelt Vitrinen. In diesen werden Stühle gezeigt, die nur bildlich überliefert sind. Aber auch die Darstellung der Berufsbilder, die für die Stuhlproduktion erforderlich sind, finden sich hier wieder.

Zirka 60 der ausgestellten Stück, stammen aus der Sammlung des Magdeburger Chirurgen Dr. Andreas Mahlfeld, der rund 400 Stühle aller Art besitzt. „Ohne ihn wäre die Ausstellung nur schwer möglich“, sagt Geisler. „In seiner Sammlung konnte ich wie in einem Katalog auswählen.“

Besucher sollen ausprobieren

Um die Mittelsäule im Raum sind ebenfalls Stühle platziert. Sie sind nicht alltäglich, und die Besucher sollen ausprobieren, wie man darauf sitzt. Aber auch das Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau hat einige Exponate beigesteuert. Diese verkörpern den Bauhausstil. So ein alter Pilotensitz aus einer Junkersmaschine oder ein typischer Stuhl aus einem Wartebereich eines Flughafens. „Die Bauhäusler verstanden sich als Meister und Gesellen und gestalteten Entwürfe für die Industrie. Die Produkte mussten praktisch, zweckmäßig und preiswert sein“, erklärt Geisler. Wobei Entwürfe von damals in abgewandelter Form heute noch produziert werden. Zusehen ist auch ein sogenannter rot-blauer Stuhl, den der niederländische Designer Gerrit Rietveld um 1920 entworfen hat. Der Stuhl besteht aus 13 Vierkanthölzern und zwei Latten aus Buche. Die Sitzfläche und die Rückenlehne sind aus Schichtholz. Dies begünstigt eine industrielle Fertigung. Der Delitzscher Tischlermeister Andreas Binroth hat ein paar dieser Stühle nach Literaturvorlagen gebaut. Einen davon kann das Museum zeigen. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Von Thomas Steingen

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