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Delitzsch Neuer Chef der Unteroffizierschule in Delitzsch im Interview
Region Delitzsch Neuer Chef der Unteroffizierschule in Delitzsch im Interview
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00:36 28.05.2018
Kommandowechsel in der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch: Im März übernahm Oberst Axel Hermeling (vorn rechts) den Chefposten von Oberst Peer Luthmer (vorn links). Im Interview blickt er nun auf seine ersten Monate in Nordsachsen zurück. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Oberst Axel Hermeling (55) ist seit Mitte März Chef der Unteroffizierschule des Heeres (USH) in Delitzsch, der einzigen in Deutschland. Seit 1. Juli 1982 ist er Soldat, hat in der Wehrpflichtzeit die Ausbildung zum Unteroffizier absolviert und ist dann in die Offizierslaufbahn eingestiegen. Im Interview spricht er nun über die Herausforderungen in Delitzsch, über den stetigen Wind in der Region und darüber, dass er demnächst wohl auf Fahrradtour durch die Umgebung gehen wird.

Haben Sie sich schon in Delitzsch eingelebt?

Ja, ich denke, ich habe mich hier schon gut eingelebt. Ich bin auf viel Positives gestoßen und kann sagen: Ich fühle mich hier wohl. Es fällt wirklich sehr wohl auf, dass die Verbindung zum Oberbürgermeister, zur Stadt, eine sehr gute ist. Sie ist eine deutlich engere, als ich sie bislang in anderen Garnisonsstädten erlebt habe. Der Oberbürgermeister hat mich schon zur Fahrradtour durch die nähere Umgebung eingeladen. Ich werde dies gern wahrnehmen.

Oberst Axel Hermeling. Quelle: Wohlgemuth

Waren Sie früher schon einmal in der Region?

Ja, tatsächlich, ich war es. Und zwar vier Tage nach Öffnung der Grenzen im Raum Wolfen-Bitterfeld. Da lag ein Artilleriebataillon. Ich bin deshalb besonders erstaunt, was aus der Region geworden ist. Das Umfeld ist tatsächlich, wenn man es so bezeichnen darf, Ferienland.

Welchen Eindruck haben Sie von der Kaserne und von der USH? Wie schätzen Sie den Standort, das Personal auch die Infrastruktur ein?

Der Standort Delitzsch mit der USH hat mich sehr positiv beeindruckt. Er ist viel größer, als man es allgemein aus der Truppe, aus der ich nun mal komme, wahrnimmt. Es werden hier über die Zeitfolge eines Jahres gesehen viel mehr Menschen ausgebildet, als man es außerhalb der Unteroffizierschule offenbar weiß. Es ist die größte Ausbildungseinrichtung im deutschen Heer. Ich glaube sogar sagen zu können, dass es hier viel besser ist als der mediale Ruf in der Bundeswehr. Ich glaube auch, dass das Team, das in Teilen hier schon sehr lange ist, eine sehr, sehr gute Arbeit leistet, die aber außerhalb der USH zu wenig auffällt und wertgeschätzt wird.

Was können Sie daran ändern?

Wir sind schon dabei. So versuchen wir, den einen oder anderen höheren Dienstgrad zu uns einzuladen, um auch für die Truppe transparent zu werden. Wir wollen zum Beispiel mal einen Divisionskommandeur hierherholen, der seine künftigen Feldwebel, die dann ja bei ihm Dienst tun, in der Ausbildung sieht.

Was möchten Sie noch verändern?

Vor allem möchte ich, dass die drei Feldwebel- und Unteroffizieranwärterbataillone in Altenstadt, Celle und Sondershausen in die Großfamilie USH eingebunden werden. Sie gehören ja seit 2016 zu uns, sind uns unterstellt. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wenn uns das gelungen ist, dann ist es Ausbildung zum Unteroffizier aus einer Hand. Die Ausbildung selbst habe ich von meinem Vorgänger super übernommen. Da gibt es eigentlich nichts dran zu ändern. Das muss nur auf diesem Niveau weiterlaufen. Die Ausbildungspläne stehen. Veränderungen in der Ausbildung werden uns sicher aufbefohlen. Wenn uns die Trendwende Ausbildung, von der Verteidigungsministerin ausgerufen, erreicht, wird sicher das eine oder andere zu verändern sein. Mit der Unteroffizierausbildung stehen wir bis 2019 aber klar auf Kurs.

Sehen Sie Ihren Einsatz in Delitzsch als die größte Herausforderung in Ihrer militärischen Karriere an?

Das Highlight eines normalen Truppenoffiziers, und ich bin ein solcher, ist dort, wo er führen kann. Höher als hier habe ich noch nie geführt, deshalb fühle ich mich hier auch riesig wohl. Auch so vielen Menschen habe ich noch nie vorgestanden. Insofern ist das schon ein Highlight meiner Karriere. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Schule übernehmen durfte. Es war auch nicht selbstverständlich. Ich werde mindestens drei Jahre hier sein. Ich könnte mir aber auch tatsächlich vorstellen, bis zum Ende meiner Dienstzeit, es sind noch knapp zehn Jahre, hier zu bleiben. Arbeit wäre genug da und Spaß macht es mir riesig. Aber es gibt tatsächlich auch eine gravierende Herausforderung. Die Trendwende Personal bringt uns ausbildungstechnisch ans Limit. Das Limit wird bestimmt durch Betten- und Küchenkapazität. Wir brauchen dringend neue Unterkünfte, auch mehr Küchenkapazität. Deren Bau muss priorisiert nach vorn gezogen werden. Wir brauchen sie dringend jetzt, nicht erst 2028. Wir haben einen Durchlauf von etwa 11 500 Soldaten pro Jahr in der USH.

Werden Sie nach Delitzsch ziehen?

Erstmal nicht. Das hat aber rein familiäre Gründe. Die Region hier finde ich toll, sie ist gut. Das einzige, was mich ernsthaft stört, ist der Wind. Der ist permanent da. Ich habe zudem den Eindruck, hier explodieren momentan die Mieten. Und hier haben wir ein Problem. Wir haben viele Pendler und der Mietzuschuss stimmt nicht mehr. Er ist nicht mitgewachsen, er muss angepasst werden.

Von Ditmar Wohlgemuth

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