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Neujahrsempfang des Delitzscher Oberbürgermeisters

Neujahrsempfang des Delitzscher Oberbürgermeisters

Im Vergleich zu vorangegangenen Veranstaltungen ähnlichen Charakters war beim Neujahrsempfang des Delitzscher Oberbürgermeisters anno 2010 einiges anders. Diesmal fand das erste große Treffen von Repräsentanten des öffentlichen Lebens mit dem Stadtoberhaupt nicht an einem Sonnabendvormittag, sondern am Freitagabend statt.

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Die Bühne beim Neujahrsempfang im Bürgerhaus gehörte den Delitzscher Nordlichtern - hier einer Solistin des Ensembles.

Quelle: Manfred Lüttich

Delitzsch. Diesmal gab’s im Bürgerhaus in der Securiusstraße keine Fett- und Wurstbemmen, sondern Kartoffelsuppe und Kanapees, für die die Gastronomie des Hauses Lob von Fachleuten und Laien gleichermaßen erhielt. Diesmal ging Sekt, Bier, Wein und Wasser nahezu zeitgleich zu Boden, weil zwei unerwartete Böllerschüsse aus einer Konfetti-Kanone Dutzende Damen und Herren mit Gläsern in den Händen zusammenzucken ließen. Doch der Reihe nach. Mit rund 300 von knapp 400 geladenen Gästen war das Bürgerhaus ordentlich, aber nicht besser als im Vorjahr gefüllt. Vielleicht hatte ja mancher befürchtet, er könne ob der omnipräsenten Altschneemassen keinen Parkplatz finden. Die Sorge war unbegründet, denn emsige Schaufel-Trupps der Servicegesellschaft hatten den Tag über Klarschiff vor dem Gebäude gemacht. An der Saaltür warteten mit OBM Manfred Wilde (parteilos) und dessen Gattin Ina die Gastgeber, zwei Schritte später blickte das Volk in das freundliche Lächeln von Rosenkönigin Franziska Arlt, Türmerstochter Elisabeth Wernicke und Schülertürmerstochter Maria Stawenow. Das (Schweden-)Signal zum Auftakt gaben die Töchter des Türmers zwar nicht gemeinsam, dafür aber hintereinander. Es sollte nicht die einzige musikalische Einlage des Abends bleiben. Denn vor und nach der knapp 25-minütigen Rede des Oberbürgermeisters, die Rück- und Ausblick vereinte (Lesen Sie dazu auch nebenstehenden Kasten), machten die Nordlichter aus der Mittelschule Delitzsch-Nord das, was sie am besten können: Leute mit musikalischer Performance begeistern und eben noch erstarrte Mienen erhellen. Verwaltungschef Wilde war dermaßen überwältigt vom Können der Kinder und Jugendlichen, dass er Nordlichter-Erfinderin Sylva Markert zunächst als das Nonplusultra einer Pädagogin bezeichnete, die Lehrerin („Sie könnten meine Tochter sein“) sodann inniglich umarmte und mit Blumen dekorierte. Eine Szene, die auch deshalb unter die Haut ging, weil die zuvor von Wilde mit Lob überschütteten Kids („Danke für die Lebenslust, die Ihr uns gezeigt habt“) die Geste mit lautem Jubel begleiteten. Vergessen in diesem Moment die bei-den Donnerschläge aus der Konfetti-Kanone, die viele völlig unvorbereitet traf und manche Krawatte nass werden ließ. Schwächen zeigten die gesanglich, choreographisch und akrobatisch exzellenten Nordlichter eigentlich nur beim Intonieren der deutschen Nationalhymne. Die Musik-Spur aus den Saal-Lautsprechern war eindeutig langsamer als das, was den amtierenden und ehemaligen Mittelschülern in Fleisch und Blut übergegangen ist. Kurz vor dem finalen „Blüh im Glanze“ waren Auditorium und Chor dann endlich beieinander.Im Geiste vereint waren Frank-Uwe Wolf, der neue Ortschef der Partei Die Linke, sowie die Café-Betreiber Louise und Dieter Glowka beim Plausch übers Wetter an einem der Stehtische. Wie der in die Tage gekommenen weißen Pracht beizukommen sei? „Der gute Herr Wilde sollte schleunigst all seine Mannen aussenden und den Schnee von gestern am besten noch heute aus der Stadt karren lassen. Für unsere alten Menschen ist der Gang über den Markt weiterhin ein Abenteuer mit viel zu großem Risiko“, sagte Louise Glowka, derweil der Gatte einen Winter-Subbotnik der gesamten Delitzscher Bürgerschaft vorschlug. Dem mochte sich Linkspolitiker und DCV-Karnevalist Wolf grundsätzlich anschließen. Er steuerte noch ein besonderes Modell zur Steigerung des kollektiven Verantwortungsbewusstseins bei. „Jeder sollte einen laufenden Meter Schnee in Patenschaft nehmen.“An Patenschaft dachten Helga und Siegfried Schönherr weniger, als sie ins Bürgerhaus pilgerten, vielmehr an Geburt. Die älteste Tochter der Zahnärztin und des SPD-Fraktionsvorsitzenden erwartet in diesen Tagen ihr zweites Kind. Das Handy durfte bei den Schönherrs deshalb nicht fehlen. Während der Veranstaltung blieb die gute Nachricht aus dem rheinischen Köln indes aus. Wir drücken die Daumen, dass das mit dem Brüderchen für Franco (2,25 Jahre) klappt. Oder wird’s ein Schwesterchen? „Wir wissen es nicht“, sagte Helga Schönherr. „Wir wissen nur, dass das Kind ein Nordrhein-Westfale wird. Lässt sich bis zur Niederkunft nicht mehr ändern“, fügte der demnächst zweifache Opa, von Hause aus Professor für künstliche Intelligenz an der HTWK Leipzig, scherzhaft hinzu.Demographisch betrachtet liegt Mathias Plath im Soll. Die Kinder des Delitzscher CDU-Chefs sind drei und sechs Jahre jung. Der 33-Jährige ist froh, „dass die beiden aus dem Gröbsten raus sind. Ich kann mir momentan jedenfalls nicht vorstellen, noch mal von vorne anzufangen.“Scharf auf Nachwuchs ist der Doberschützer Bürgermeister Roland Märtz sehr wohl. Bis über beide Ohren in seine schöne Frau Isabel (43) verliebt, würde sich der 50-Jährige über ein Baby freuen. Er gebe sich auch größte Mühe, lege diese Entscheidung aber in die Hand Gottes. „Mit irgendwelchen Pillen oder ärztlicher Hilfe kommt so etwas nicht in Frage. Wenn es passiert, passiert es. Wenn nicht, sind Isabel und ich auch so glücklich.“Damit zur schönsten Nebensache der Welt nach dem Kinder-Kriegen. Delitzschs Kripo-Chef Ulrich Haberlag ist und bleibt ein eingefleischter Lok-Fan, hat sogar seine Frau Heike, Kriminalistin in Eilenburg, von der Faszination Fußball überzeugt. Zuletzt jedoch habe die Liebe zu den Blau-Gelben aus Leipzig-Probstheida etwas gelitten, „weil ich den Rauswurf von Rainer Lisiewicz bis heute nicht nachvollziehen kann“. Doch mit dem jetzigen Trainergespann Uwe Trommer und Maik Kischko könne er sich wieder identifizieren, erzählte der Erste Kriminalhauptkommissar. „Nicht aber mit der Zeit unter Jörg Seydler. Da habe ich meine Besuche im Stadion runtergeregelt.“Die nahe Zukunft geregelt hat Bernd Hintersdorf. Der langjährige Bauamtsmitarbeiter ist gerade auf die berufliche Zielgerade eingebogen. Im Juni wird er 65, dann endet sein Engagement für den kommunalen Hochbau. „Ich freu’ mich auf die Zeit als Pensionär. Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Die Konjunkturpaket-II-Projekte sind noch nicht durch“, sagte der Sachgebietsleiter Technischer Bereich.

Dominic Welters/Frank Pfütze

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