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Delitzsch Nicht jeder Betroffene begreift Delitzscher Anti-Vandalismus-Projekt als Chance
Region Delitzsch Nicht jeder Betroffene begreift Delitzscher Anti-Vandalismus-Projekt als Chance
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06:00 30.03.2017
Karina Bittner, Silvana Schmiedl und Tina Riegel (von links) gehören zum Team von Hendrik Weigert (links), das sich im DRK-Anti-Vandalismusprojekt um Sauberkeit auf Bahnhöfen und an Haltestellen kümmert. Quelle: Thomas Steingen
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Delitzsch

Viele Menschen verbinden in diesen Tagen den Frühling mit Glücksgefühlen. Für Hendrik Weigert und sein Team bedeuten die wärmeren Temperaturen viel Arbeit. „Es geht wieder richtig los, die Graffiti-Sprayer werden zunehmend aktiver“, sagt der Leiter des Anti-Vandalismus-Projektes, das der DRK-Kreisverband Delitzsch gemeinsam mit dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig und der Deutschen Bahn durchführt. Weigert betreut und leitet darin ausbildungs- und arbeitslose Jugendliche zwischen 18 und 27 Jahren an. Die jungen Leute reinigen auf Bahnhöfen und an Haltestellen im Landkreis Nordsachsen unter anderem Wände, Glascheiben und Türen von Graffiti und Aufklebern.

So auch im Tunnel, der am Unteren Bahnhof Delitzsch die Fahrsteige verbindet. „Heute ist es wieder besonders schlimm, übers Wochenende haben die Sprayer richtig zugeschlagen. Alle Fahrstuhltüren und Wände sind beschmiert“, sagt Silvana Schmiedl, die erst seit vier Wochen zur Truppe gehört. Sie ist dankbar, dass sie diese Chance erhalten hat. Karina Bittner, die schon fünf Monate dabei ist, hat sie auf das Projekt aufmerksam gemacht.

Nach Ausbildung arbeitslos

Die beiden jungen Frauen kennen sich von der Ausbildung zur Beiköchin. Doch zu einer dauerhaften Beschäftigung haben es beide bisher nicht geschafft. „Im zweiten Ausbildungsjahr bin ich schwanger geworden“, berichtet Silvana Schmiedl. Nach der Baby-Pause hat sie ihre Ausbildung zwar zu Ende gebracht, aber die Prüfung nicht bestanden. Über das Jobcenter sei sie in verschiedene Maßnahmen vermittelt worden, aber nie in einen richtigen Job. Das Hotel, in dem sie zwischenzeitlich eine Anstellung fand, habe ihr wieder gekündigt, weil ihr Kind zu oft krank gewesen sei, so die 27-Jährige weiter. In ihrer jetzigen Tätigkeit, die ihr Spaß macht, sieht sie die Chance wachsen, doch noch eine richtige Arbeit zu finden – „am liebsten in einem Hotelberuf“.

Auch die 24-jährige Karina Bittner hat sich für das Projekt entschieden, um Ordnung und Struktur in ihr Leben zu bringen. „Hier habe ich eine sinnvolle Aufgabe, sitze nicht zu Hause rum und bin unter Leuten“, beschreibt sie ihre Motivation. „Und vielleicht merken die Verursacher solcher Schmierereien an unserer Arbeit, was sie eigentlich anrichten“, pflichtet Sivana Schmiedl ihr bei. Außerdem findet sie es schön, dass sie etwas Geld verdient, auch wenn es nur ein Euro die Stunde sei.

Hoffen auf Mundpropaganda

Während Karina Bittner vom Jobcenter auf das DRK-Projekt hingewiesen worden ist, blieb dieses Angebot ihrer Freundin zunächst verborgen. Das sei ein Problem, räumt Mike Teutschbein vom DRK in Delitzsch ein. Denn viele, die für ihre berufliche Integration besondere soziale und praxisorientierte Unterstützung brauchen, würden von den Angeboten nicht oder nicht mehr erreicht. „Sie wollen und können diese teils nicht mehr in Anspruch nehmen oder haben sich vollständig zurückgezogen“, so Teutschbein. Solche Jugendliche möchte das DRK aber erreichen. Das Beispiel von Karina und Silvana zeigt, wie es gehen kann. Teutschbein richtet seinen Appell aber weiter und bittet all jene, die Fälle kennen, wo derartige Unterstützung angebracht sei, auf das Programm aufmerksam zu machen.

Das tut Tina Riegel seit Längerem auf ihrer Facebook-Seite. Die 25-Jährige ist schon mehrere Monate im Projekt. Auch sie hat diesen Schritt nie bereut, auch wenn es sie maßlos ärgert, wenn Haltestellen total verschmiert sind. Viele aus ihrem Bekanntenkreis würden aber sagen, für einen Euro die Stunde stünden sie nicht jeden Tag früh auf. „Das ist Faulheit“, kommentiert sie diese Einstellung.

Von Thomas Steingen

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