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Delitzsch Nitrat im Grundwasser? Entwarnung für Hausbrunnen in Delitzsch
Region Delitzsch Nitrat im Grundwasser? Entwarnung für Hausbrunnen in Delitzsch
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00:21 23.09.2017
Podiumsdiskussion der Grünen mit Dr. Andreas Musolff, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Wolfgang Günther umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im sächsischen Landtag, und Dr. Bernhard Wagner, Geschäftsführer Wassergut Canitz (v.l.). Quelle: Ditmar Wohlgemuth
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Delitzsch

Mit dem Pauschalurteil, die Landwirtschaft sei grundsätzlich Verursacher für den Nitrateintrag in das Grundwasser, konnte und wollte Bernhard Wagner, Geschäftsführer des Wassergutes Canitz, nichts anfangen. Das machte er dann auch mehrfach im Verlauf der Podiumsdiskussion, zudem die Landtagsfraktion der Grünen am Dienstagabend in das Delitzscher Bürgerhaus eingeladen hatte, deutlich. Moderiert wurde die Veranstaltung vom umweltpolitischen Sprecher der Fraktion Wolfram Günther. Als weiteren Gesprächspartner hatte sich Günther den Wissenschaftler und Hydrogeologen Andreas Musolff vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung geholt.

Nitrat – ein Pflanzennähstoff

Das Thema Nitrat im Grundwasser könne einem nicht ganz unberührt lassen, erklärte Wolfram Günther zunächst. Erst recht nicht in Sachsen, wo in den vergangenen Jahren zehn Brunnen, die der Trinkwassergewinnung dienten, geschlossen werden mussten, weil der Nitratgehalt zu hoch war. „Nitrat an sich ist auch nicht gefährlich. Es dient den Pflanzen als Nährstoff. Wie immer geht es um die Menge, die dann auch für den Menschen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen könnte“, betonte Günther.

Problematisch ist die Menge

Diesen Gedanken griff der Wissenschaftler Musolff auf. Demnach sei eine hohe Nitratbelastung im Trinkwasser vor allem für Kleinkinder und Schwangere „problematisch“, weil die Sauerstoffaufnahme und der Transport durch das Blut erschwert würde. Ob Nitrat tatsächlich krebserregend sei, ist aus seiner Sicht noch nicht nachgewiesen. Er riet vor allem Betreibern von privaten Brunnen, regelmäßig das Wasser analysieren zu lassen.

Delitzscher Brunnen unter Grenzwert

Gäste der Diskussionen wie Jörg Bornack und Reinhard Zänker aus Delitzsch bestätigten, dass sie genau das wiederholt machen würden, sich aber bislang keine Probleme andeuteten. Die Messergebnisse hätten ergeben, dass der Nitratgehalt deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm je Liter liegt. Die europäische Nitratrichtlinie gibt diesen Wert vor. Da er offenbar bei 18 Prozent der bundesdeutschen Messstellen überschritten wurde, ist Nitrat im Grundwasser zu einem öffentlich diskutiertem Thema geworden.

„Aber wer ist schuld?“, fragte sich auch Bernhard Wagner. Der promovierte Agraringenieur befasst sich seit Jahren mit Nährstoffflüssen im Boden und deren Auswirkungen auf das Grundwasser. Er sieht nicht nur einen Verursacher und würde deshalb gern mit mehreren Fingern auf „die Schuldigen“ zeigen. Darauf komme es aber nicht an. Vielmehr sieht er die Notwendigkeit, sich mit der aktuellen Situation zu beschäftigen und Wege zu finden, den Nitrateintrag nachhaltig zu reduzieren. Das gelinge beispielsweise mit gerechtem, ökologischen Landbau, so wie ihn das Wassergut Canitz betreibe. In den über 300 Messbrunnen auf dem Gelände des Wassergutes würden Nitratwerte von 10 mg/l registriert. Aus dem Gebiet beziehen die Leipziger Wasserwerke ihr Wasser.

Ressource Wasser erhalten

Aus seiner Sicht sei es ohnehin schwer, Schuldige oder Verursacher hoher Nitratwerte im Oberflächen und Grundwasser festzustellen. Bis beispielsweise überschüssiges Nitrat von den Feldern im Grundwasser ankommt, vergehen je nach Bodenbeschaffenheit bis zu 30 Jahre. Andreas Musolff bestätigte diesbezüglich, dass es bundesweit noch kein hydrologisches Modell gebe, wonach Strömungen nachvollzogen werden könnten. Von wo das Wasser zu den entsprechenden Messstellen strömt, sei damit nicht präzise nachweisbar. Er erklärt aber auch, dass sich die Qualität des Oberflächenwassers deutlich verbessert habe und nannte dafür die neu errichteten, qualitativ hochwertigen Kläranlagen. Aus seiner Sicht sei ein signifikanter Trend, dass das Grundwasser höheren Nitratbelastungen ausgesetzt sei, nicht erkennbar. Feststehe aber, dass die Grundwasserneubildung deutlich langsamer stattfindet. Noch gebe es in Deutschland die Ressource Wasser in ausreichender Menge. „Sie auch für die folgenden Generationen zu erhalten, ist unsere gemeinsame Aufgabe“, betonte abschließend der Grünen-Politiker Wolfram Günther.

Von Ditmar Wohlgemuth

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