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Nordsachsen: Jeder zehnte Rettungswagen kommt zu spät

Statistik Nordsachsen: Jeder zehnte Rettungswagen kommt zu spät

Im Fall des Falles sind die Retter mit Krankenwagen und Notarztfahrzeug meist pünktlich vor Ort – doch in jedem zehnten Fall werden die Vorgaben nicht eingehalten.

Vorgabe von zwölf Minuten wird bei den Rettern in Nordsachsen nicht immer eingehalten. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Nordsachsen. Im Landkreis Nordsachsen wurden die sogenannten Hilfsfristen im Jahr 2013 in 90,5 Prozent aller Notfälle, im Jahr 2014 in 90,3 Prozent und im ersten Halbjahr 2015 in 90,9 Prozent aller Notfälle eingehalten. „Auch wenn das keinesfalls zufriedenstellend ist, aber mit diesem Ergebnis rangieren wir im Freistaat Sachsen auf einem der vorderen Ränge unter allen Trägern im Rettungsdienst“, erklärte die nordsächsische Ordnungsdezernentin Angelika Stoye auf Anfrage.

Die sogenannte Sächsische Landesrettungsdienstplanverordnung schreibt Hilfsfristen von zwölf Minuten für die Notfallrettung vor. Das ist jener Zeitrahmen, in dem ein Rettungsmittel, das erste Fahrzeug, am Ereignisort eintreffen soll. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hatte jüngst erklärt: „Die planerische Vorgabe zur Hilfsfrist wird von den Trägern des Rettungsdienstes grundsätzlich erfüllt.“ Der Grünen-Fraktionschef im sächsischen Landtag, Volkmar Zschocke, hatte von Ulbig dafür Belege verlangt. Grundsätzlich gilt die Vorgabe erfüllt, wenn bei 95 Prozent aller Notfälle die Hilfsfristen eingehalten werden. Der Innenminister konnte sie nicht vorlegen und verwies darauf, dass für 2013 und 2014 keine belastbaren Angaben gemacht werden könnten.

„Wir führen täglich eine Statistik, die von der Landesdirektion Sachsen zweimal im Jahr abgefordert wird“, teilte Angelika Stoye mit. Im Sachgebiet Rettungsdienst ihres Dezernates werden täglich jene Einsätze analysiert, bei denen die Rettungsfristen nicht eingehalten werden konnten. Darüber würden auch die zuständigen Leiter Rettungsdienst informiert und eine Stellungnahme verlangt. Es erfolge eine Auswertung. „Jedoch können Witterungsbedingungen, Straßensperrungen mit langen Umleitungen, aber auch geschlossene Bahnübergänge dazu führen, dass die tatsächliche Erfüllung unter der planerischen Größe liegt“, erläuterte Stoye. Zudem sei auch die „Duplizität von Notfalleinsätzen“ nicht planbar. Das heißt: Wenn mehrere Notfälle gleichzeitig oder mit zeitlicher Verzögerung gemeldet werden, aber die zur Verfügung stehen Rettungsmittel alle im Einsatz sind, gelingt es ebenfalls nicht, die zwölf Minuten einzuhalten.

Bereits vor vielen Jahren habe der Landkreis Nordsachsen ein weites Netz von Fahrzeugstützpunkten errichtet. Damit wollte man vor allem im weiten ländlichen Raum die rettungsdienstliche Versorgung sichern. Die sieben Hauptrettungswachen im Landkreis erhielten zusätzlich acht Außenstellen, wie zum Beispiel die im Wiedemarer Feuerwehrgerätehaus in unmittelbarer Nähe der Bundesautobahn 9. „Mit dieser Strategie konnte die Einhaltung der Hilfsfristen sprunghaft von damals 75 Prozent auf 88 Prozent gesteigerte werden“, teilte die Ordnungsdezernentin mit. Für weitere Maßnahmen, um die Quote weiter zu erhöhen, sei der jeweilige Leistungserbringer im Rettungsdienst zuständig. Dabei ginge es vor allem um innerbetriebliche Regelungen.

Alle zwei Jahre werde im Detail geprüft, ob die vorhandene Fahrzeugdichte im Rettungsdienstbereich den gesetzlichen Vorgaben und dem Bedarf entspricht. „Der Bedarf wird im Bedarfsplan für den Rettungsdienst festgeschrieben“, erläuterte die Dezernentin. Er werde wiederum vom Kreistag beschlossen und von der Landesdirektion Leipzig genehmigt.

Innenminister Ulbig kündigte an, nicht vor Jahresfrist mit belastbaren Hilfsfristanalysen aufwarten zu können. Für Zschocke ist das ein „unhaltbarer Zustand“, weil Ulbig damit seine Pflicht als Aufsichtsbehörde verletze.

Von Ditmar Wohlgemuth

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