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Nordsachsen: Jugendweihe oder Konfirmation?

Feier Nordsachsen: Jugendweihe oder Konfirmation?

Viele Teenager in Nordsachsen feiern in diesen Tagen Jugendweihe oder Konfirmation. Doch was bedeuten diese Feiern eigentlich für die Jugendlichen? Und warum haben sie sich dafür entschieden? Wir haben diese Fragen Zoe Przinosch aus Delitzsch und Tilman Michalczyk aus Bad Düben gestellt.

Schritt ins Erwachsenendasein.

Quelle: dpa

Nordsachsen. Diesen Tag wird sie nicht mehr vergessen: ein ganzer Saal in Feststimmung, Aufregung in allen Ecken, die Freunde herausgeputzt und in Schale geworfen. „Es war wirklich sehr schön“, sagt Zoe Przinosch über ihre Jugendweihe. Im April gehörte sie zu den ersten in dieser Saison, die die Veranstaltung im Kalender hatten. Insgesamt rund 100 Delitzscher Jugendweihlinge feierten an diesem Tag mit ihr gemeinsam, darunter Zoes fast komplette Klasse aus der Artur-Becker-Oberschule. Es gab Musik, Tanz und große Worte. Und viele Blumensträuße natürlich. Das Zoe teilnimmt, stand nie in Frage. „Das hat doch Tradition.“

Zoe Przinosch

Zoe Przinosch

Quelle: Wolfgang Sens

Und was ist jetzt anders für die 14-Jährige? Hat sich ihre Lebenswelt durch die Jugendweihe verändert? Nein, sagt Zoe, es ist nicht auf einmal alles neu. Aber der Anfang ist gemacht. „Jetzt kommt eben die Zeit, in der man mehr Pflichten hat, wo einem mehr zugetraut wird“, sagt die Delitzscherin. Klar, als große Schwester einer Fünfjährigen hatte sie auch vorher schon eine besondere Rolle. Aber das war noch nicht so dicht dran am Erwachsensein. „Ich glaube, was jetzt kommt, fühlt sich anders an. Erwachsener eben. Das wird sich mit der Zeit noch entwickeln.“

Die ersten Reaktionen hat sie schon erfahren. Die Lehrer in der Schule fragten, ob sie die Jugendweihe-Absolventen nun siezen sollen. „Die meisten haben das aber abgelehnt. Ich auch. Ich finde das zu unpersönlich.“ Wichtiger sind ihr ohnehin andere Dinge: „Dass man selbstständiger behandelt wird, nicht mehr so kindlich.“ Sie werde wohl in nächster Zeit mehr im Haushalt helfen, überlegt Zoe. Ansonsten habe sich im Umgang mit den Eltern noch nichts geändert.

Reicher geworden ist die 14-Jährige zunächst an Ideen, wie sie sich erwachsen präsentieren kann. Freudestrahlend zeigt sie ihr neues Kleid. „Das habe ich mit meiner Mutter schon lange vor der Jugendweihe gekauft“, erzählt sie. Schon Monate vorher fieberte sie dem Ereignis entgegen, belegte einen Kosmetikkurs des Jugendweiheverbandes, tauschte sich mit den Freundinnen aus. „Zieht man zu dem Ereignis hohe Schuhe an, ein langes oder kurzes Kleid? Darüber haben wir viel geredet.“ Und dann endlich der große Tag: Gleich früh ging’s zum Friseur, aufwendiges Herrichten, alles sollte stimmen. Und nachmittags die große Feier in Familie.

Die Erinnerungen an die ereignisreichen Stunden kann Zoe nun greifen: Videoaufnahmen, zig Bilder, ein großes Jugendweihebuch, viele Geschenke. In ihrem Zimmer hat sie einen Platz dafür. Nüchtern betrachtet, ist sie an jenem April-Samstag nur einen Tag älter geworden. Doch im Herzen war’s ein großer Schritt nach vorn.

Jugendweihe oder Konfirmation? Tilman Michalczyk sah sich vor der Wahl, obwohl die Lebensgeschichte des 14-Jährigen den logischen Schluss vorzugeben schien. „Ich bin ja getauft und ins Christentum aufgenommen“, sagt der Bad Dübener, der den Diakonischen Kindergarten besuchte, später in der Evangelischen Grundschule lernte. Dass die Entscheidung für das kirchliche Fest fiel, daran hatten die Eltern durchaus ihren sanften Anteil, lässt der Blondschopf, der in der Kurrende singt und Klavier spielt, erkennen. So oder so – auf einen Fakt setzt er an solch einem Tag: „Die Feier in Familie, dass alle wieder da sind, das ist mir wichtig.“ Und natürlich – die Geschenke gehören auch dazu. Einen eigenen Fernseher würde er sich gern kaufen. Gefeiert wird in der Gutsscheune Schwemsal. In großer Runde, mit drei weiteren Konfirmanden.

Tilman Michalczyk

Tilman Michalczyk

Quelle: Wolfgang Sens

Tilman ist einer der Jugendlichen, die Jörg Uhle-Wettler am Pfingstsonntag letztmalig in seiner Funktion als Dübens evangelischer Pfarrer konfirmiert, bevor er im Sommer an den Magdeburger Dom wechselt. In den letzten zwei Jahren hat er den 50-Jährigen kennen und schätzen gelernt. Bibelunterricht und Beten – Begriffe wie diese eilten aus Erzählungen Gleichaltriger dem Konfirmandenunterricht voraus. „Es war viel lockerer und lässiger, hat Spaß gemacht. Er war immer mit viel Enthusiasmus dabei“, sagt der Rinckart-Gymnasiast, der gemeinsam mit seinen Eltern Grit und Jürgen Michalczyk und zwei jüngeren Geschwistern in der Kurstadt lebt. Über politische Themen sprachen sie, der Pfarrer erzählte aus seiner Kirchenarbeit, natürlich spielten Christentum, Gebete und der Weg zu Gott eine Rolle. Die positive Ausstrahlung in der Gruppe hat dem Pfarrer gefallen, erzählt Tilman. Und dass er und die anderen ihre Meinung offen vertreten haben. Gut in Erinnerung ist die Fahrt aufs Schloss Mansfeld im Januar. Zaubershow, Gelände-Spiel, Ausflüge – das und mehr hat gefallen.

Und der große Tag selbst: Der Style ist wichtig, klar. Die Klamotten hat er sich selbst ausgesucht. Leger. Jeans, Sakko, Sportschuhe. Erwachsen macht ihn das nicht auf einen Schlag. Das weiß Tilman. „Ich fühle mich noch nicht erwachsen. Alles ist ganz normal.“ An die Eltern hat er den Wunsch, dass sie ihm helfen, „wenn ich mal was Unpassendes mache.“

Grit und Jürgen Michalczyk haben ihrem Sohn und seinen Geschwistern den Weg zum christlichen Glauben von klein auf aufgezeigt und ermöglicht. Tilman kann ihn nun weitergehen. Die Entscheidung überlassen sie ihm. Gemeinsam mit dem Sohn haben sie den Konfirmanden-Spruch gewählt: „Dennoch bleib ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand“ (Psalm 73,23).

Von Kay Würker/Kathrin Kabelitz

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