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Nordsachsen: Vereine sorgen für Kulturleben auf dem Lande

Bürgerengagement Nordsachsen: Vereine sorgen für Kulturleben auf dem Lande

Nix los auf dem Land? Von wegen! Auf den Dörfern und in den Gemeinden kümmern sich Engagierte darum, dass etwas los ist, bieten Kultur abseits der Großstädte und gerade damit besonderen Charme. Die Motivation dahinter ist, etwas zu bewegen und den Leuten mehr zu bieten als einmal im Jahr ein Dorffest.

Im und um den Schlosspark Lampertswalde wird regelmäßig Kultur geboten (Archivfoto).

Quelle: Sven Bartsch

NORDSACHSEN. Ohne Verein nix los auf dem Lande. Das gilt auch für die Dörfer zwischen Oschatz, Delitzsch und Eilenburg. Engagierte Bürger kümmern sich dort, dass auf dem flachen Land auch die hohe Kultur Heimat hat, wie ein paar Beispiele deutlich machen.

Die Ortsvorsteherin erzählt Witze

Gerade erst hat Gisela Bamberg mal wieder einen Spaßabend hinter sich gebracht. Sie stellt sich dann einfach mal hin und erzählt ein paar Witze – nur eine von vielen Veranstaltungen, die der Kultur- und Heimatverein Hohenroda/Mocherwitz so über das Jahr organisiert. Die Palette reicht vom Tanz an der Mühle, dem Wahrzeichen des Dorfes Hohenroda im Norden Nordsachsens, über Kabarettabende bis zum einfachen Skatabend. Knapp 2500 Seelen zählt die Gemeinde Schönwölkau, der Ortsteil Hohenroda keine 500. „Wir wollen konkret für die kleinen Dörfer arbeiten“, berichtet Vereinskopf Gisela Bamberg. Die 63-Jährige ist Ortsvorsteherin in Hohenroda und davon überzeugt, dass man etwas bewegen kann, indem man die Menschen bewegt. So ein Verein existiere nie nur einfach für sich, sondern arbeite für alle. „Wir wollen möglichst viele Menschen im Dorf einbeziehen, die Gemeinschaft leben.“ Kulturarbeit auf dem Lande, das heiße auch, mal einen Seniorentreff anzubieten. „Oft braucht es nur eine Initialzündung“, ist Gisela Bamberg überzeugt. Sich treffen und schwatzen könnten die Senioren auch so, mit einem Verein als Organisator aber gehe es leichter.

Keine weite Fahrt bis Leipzig

Kultur zu bieten, wo man sie so nicht erwarten würde, das ist auch ein Ziel des Vereins Patronatskirche Wölkau Kunst und Kultur. Rund 1000 Gäste lockt der Verein jährlich in die „Kirche ohne Dach“ im Schönwölkauer Ortsteil Wölkau, mitten zwischen Eilenburg und Delitzsch. „Wir wollen die Leute für den ländlichen Raum begeistern, ihnen Kultur bieten“, betont Vereinschefin Sabine Sprechert. Es gehe darum, den Menschen eine schöne Zeit zu bereiten und das gleich um die Ecke und ohne die weite Anreise bis Leipzig oder Halle. Die Kultur kommt zu ihnen: Kabarett-Auftritte, Konzerte, Ausstellungen, „Rock&Lyrik“, Mundart-Abende und der Gellertabend zu Ehren des Aufklärungsdichters Christian Fürchtegott Gellert, der einst seine Spuren im Dorf hinterließ, gehören zum Repertoire. Dabei ist die Kirche ohne Dach nur wenige Monate im Jahr zu nutzen, Saisonauftakt wird stets im Mai gefeiert und Ende September ist schon wieder Schluss. Bis dahin ist die Kirche neben den Veranstaltungen immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Nach Anmeldung unter der Telefonnummer 0163 6077206 ist auch eine Besichtigung zu anderen Zeiten möglich.

Zusammenarbeit mit der Verwaltung

Ganz im Süden Nordsachsens, an der B 169, liegt Hof. Der Naundorfer Ortsteil hat nicht nur ein Renaissance- und ein Barockschloss, sondern auch einen rührigen Heimatverein. Der holt mehrmals im Jahr Kabarett, Konzerte und Vorträge aufs Dorf– und hält den Park in Schuss. Jüngstes Projekt ist die Beschilderung des Jahnatal-Radwegs, gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung und der Nachbargemeinde Ostrau. „Wir unterstützen die Verwaltung, dafür greift sie uns unter die Arme – diese Zusammenarbeit ist unerlässlich“, so die Vorsitzende Heike Pinkert. Weiteres Vorhaben ist die Errichtung zweier Info-Tafeln an den Ortseingängen, wo Touristen Wissenswertes zur Ortsgeschichte erfahren. „Das ist ein Projekt, das wir mit dem Erlös der 750-Jahr-Feier von 2014 umsetzen“,so Pinkert.

Mit Ausstellungen werden im E-Werk immer wieder schöne Anblicke geboten (Archivfoto)

Mit Ausstellungen werden im E-Werk immer wieder schöne Anblicke geboten (Archivfoto).

Quelle: Dirk Hunger

Lesebühne für Jedermann

Kleinkunst im kleinen Saal bietet das Jugend-, Kultur- und Umweltzentrum E-Werk ab 2017 in Oschatz. „In der Alten Schaltwarte haben gut 50 Personen Platz, das ist für Kleinkunst eine ideale Größe“ sagt Alexander Beck, Vorstandsmitglied im Trägerverein. Bereits 2015 startete mit dem „Open Micro“ eine Lesebühne für Jedermann. Geplant ist unter anderem ein nordsächsischer Comedy-Abend, bei dem mehrere Künstler die Chance bekommen, einen Teil ihres Repertoires vorzutragen. Darüber hinaus versteht sich das E-Werk als soziokulturelles Zentrum. Kreative Angebote wie Töpfern, Filzen, Handarbeiten oder das neueste Projekt, der Kulturgarten, stehen allen Generationen offen und sollen helfen, in Oschatz lebende Asylbewerber zu integrieren.

Erhalt des Schlossparks

Dieser Platz ist ein Schatz, folgerichtig kümmert sich der Verein „Schätze und Plätze“ um den Schlosspark in Lampertswalde, Ortsteil der Gemeinde Cavertitz. Nach einem Wechsel im Vorstand steht Gudrun Müller an der Spitze. Die neun Mitglieder stecken alle ehrenamtliche Kraft in den Erhalt des Parks mit der Roseninsel, Sträuchern, Hecken, Bäumen und dem Teich. „Das Gewässer ist unser Sorgenkind, hier muss dringend etwas getan werden“, so Müller. Der Vorstand hofft auf die Unterstützung der Gemeindeverwaltung und des Burgcafés. Weiteres Ziel ist es, das Kleinod des Dorfes zu beleben – zunächst mit Martinsfest und einem Konzert für Klangschale und Flöte im September. Einbezogen werden regionale Akteure wie der Chor der Musikschule Oschatz und der Musikverein Lampertswalde.

Von Christine Jacob und Christian Kunze

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