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Delitzsch Nordsachsens Bauern halten an Glyphosat fest
Region Delitzsch Nordsachsens Bauern halten an Glyphosat fest
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22:45 04.12.2017
Landwirtschaft in Nordsachsen, auch im Landkreis wird Glyphosat verwendet. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
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NORDSACHSEN

Glyphosat – ein absolutes Reizwort nicht nur in diesen Tagen, aber erst recht seit dem Alleingang des Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) und der Verlängerung der Zulassung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel. Die Öffentlichkeit schäumt. Doch wie sehen das die Landwirte hier in Nordsachsen? Was wäre denn, wenn es das Total-Herbizid ab morgen nicht mehr gibt?

Verbot ohne erhoffte Folgen?

Ein totales und schnelles Verbot von Glyphosat lasse sich gar nicht umsetzen, glaubt Jörg Reihe, der Chef der Hohenrodaer Agrargenossenschaft bei Delitzsch. Und wenn, habe dies nicht die Folgen, die sich mancher Grüner vielleicht wünsche: „Es würde hinterher nicht weniger gespritzt als jetzt“, glaubt der Landwirt, nur seien dann eben andere und einzelne Wirkstoffe im Einsatz. Die Agrargenossenschaft setzt Glyphosat im Frühjahr und im Sommer jeweils vor Mais- und Rapspflanzung ein. Bei einem Verbot des Glyphosat würden, so glaubt Reihe, andere und teurere Mittel auf den Markt kommen, die das Mittel direkt und preisintensiver ersetzen.

Der Oschatzer Martin Umhau dagegen glaubt, dass es ein sogenanntes neues Total-Herbizid wie etwa Glyphosat nicht geben wird, „da die Wirkmechanismen der Natur nicht politischen und emotionalen Diskussionen folgen“, so der Landwirt.

Jörg Reihe ist der Leiter der Agrargenossenschaft Hohenroda. Quelle: Christine Jacob

Ein Verbot von Glyphosat hätte laut beiden Bauern zur Folge, dass verstärkt massivere und häufigere Bodeneingriffe wie etwa Pflügen und Grubbern erfolgen müssten. „Ob das am Ende durch Kraftstoffverbrauch und Verschleiß für die Öko-Bilanz immer Sinn macht, ist auch fraglich“, betont Jörg Reihe. „Auch müssten häufiger und vermehrt einzelne Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe eingesetzt werden. Dies bringt etwa eine stärkere Erosion, einen stärkeren Nährstoffabtrag sowie weniger Bodenlebewesen mit sich“, ergänzt Martin Umhau.

Nicht mehr mit der Hacke aufs Feld

„Es würde bei einem Glyphosat-Verbot nicht so sein, dass die Bauern wieder mit der Hacke aufs Feld ziehen und wie im Mittelalter arbeiten“, sagt auch Jörg Reihe, „denn für soviel Öko-Landbau gibt es auch nur ein sehr kleines Klientel, das bereit wäre für solche Produkte entsprechend mehr zu zahlen. Die Masse der Konsumenten trägt das gar nicht.“

Martin Umhau ist Landwirt in Oschatz. Quelle: Stefan Klarner

So sei die Panikmache vor Glyphosat nicht gerechtfertigt. „Viele schaukeln sich da hoch“, sagt der Hohenrodaer. In vielen Köpfen geistert medial unterstützt das Bild des Bauern umher, der morgens aufsteht und sich als erstes überlegt, wie er am besten Tiere quälen und Menschen vergiften kann. Abgesehen davon, dass dieses Negativ-Image absolut haltlos sei, würden die Landwirte ja obendrein schon aus Kostengründen vermeiden, allzu große Mengen von Glyphosat auszubringen, meist würde auch noch mit Zitronensäure gestreckt. Zudem gelten gerade in Deutschland strengste Verbraucherschutzregeln und Zulassungsbeschränkungen. „Glyphosat ist genauso gefährlich, wie viele im Haushalt gebräuchliche Reinigungsmittel. Es gibt keinerlei ernstzunehmenden wissenschaftlichen Beweis für eine potenzielle von Glyphosat ausgehende Gefahr“, sagt Martin Umhau. „Schaut man sich die Studien genau an, wird deutlich, dass man zum Beispiel 1000 Liter Bier auf einmal trinken müsste, um Schaden vom Glyphosat zu nehmen. Das macht kein Mensch“, warnt Jörg Reihe vor Panikmache.

Preise steigen mittelfristig

Auf lange Sicht aber stehen die Zeichen ja wohl doch auf Glyphosat-Verbot. Mit mittelfristig steigenden Nahrungsmittelpreisen ist dann laut Martin Umhau zu rechnen. „Ein Verbot von Glyphosat wird eine Verteuerung der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland mit sich bringen. Da Glyphosat weltweit angewendet wird, wird sich ebenso die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft verringern.“ Des Weiteren würde an einem der besten Standorte für Landwirtschaft weltweit auf möglichen Ertrag zulasten der Ärmsten einer weltweit steigenden Bevölkerung verzichtet. „Die Abschaffung eines bewährten Wirkstoffes aufgrund emotionaler Diskussionen wird jederzeit möglich und zu schaffen sein. Damit ist jedoch weder der Umwelt noch dem Verbraucher, noch den Anforderungen einer weltweit wachsenden Bevölkerung gedient“, betont Martin Umhau.

Von Christine Jacob

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