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Nordsachsens Ex-Landrat spricht über neue Aufgaben und Probleme

Interview Nordsachsens Ex-Landrat spricht über neue Aufgaben und Probleme

Am 27. August erlebte Michael Czupalla (CDU) nach 25 Dienstjahren seinen letzten Arbeitstag als Landrat von Nordsachsen. Pläne über seine Zukunft ließ er bisher stets offen. Wir sprachen mit dem 65-Jährigen über seine neue Aufgabe, seinen Hochdruckreiniger, das familiäre Miteinander und die Flüchtlingskrise.

Am 27. August erlebte Michael Czupalla (CDU) nach 25 Dienstjahren seinen letzten Arbeitstag als Landrat von Nordsachsen

Quelle: Dirk Hunger

Nordsachsen. Am 27. August erlebte Michael Czupalla (CDU) nach 25 Dienstjahren seinen letzten Arbeitstag als Landrat von Nordsachsen. Pläne über seine Zukunft ließ er bisher stets offen. Nun soll er am 3. Dezember zum Chef des Sächsischen Normenkontrollrates bestimmt werden. Wir sprachen mit dem 65-Jährigen über diese Aufgabe, seinen Hochdruckreiniger, das familiäre Miteinander und die Flüchtlingskrise.

Wie geht es Ihnen, wie fühlen Sie sich im Ruhestand?

Ich mag das Wort nicht.

Nein, das Wort Rentner mögen Sie nicht.

Das auch nicht. Mir geht es sehr gut, wie Sie sehen.

Nach dem 27. August ging es beruflich von 110 auf fast 0. Wie kommen Sie inzwischen damit klar?

Das stimmt so nicht, ich habe schon immer gesagt, dass ich noch etwas anderes machen werden. Ich hatte genügend Zeit, mich darauf einzustellen. Ich kann alleine und frei entscheiden, was ich tun will. Und ich habe zu tun.

Haben Sie die Entscheidung, aufzuhören, schon einmal bereut?

Nein. Es war meine Entscheidung, dazu stehe ich. Der Übergang ist nahtlos geglückt, Kai Emanuel ist ein hervorragender Landrat, das Haus ist gut aufgeräumt, die Führungsmannschaft ist noch an Deck. Ich bin sehr zufrieden, obwohl die Aufgaben momentan alles andere als einfach sind.

Was machen Sie so den lieben langen Tag?

Das kommt darauf an. Mein Terminkalender ist immer noch sehr gut gefüllt. Ich arbeite an einer neuen Zeitschiene. Bin jedoch immer noch Frühaufsteher. Ich habe jetzt mehr Zeit für private und häusliche Dinge. Macht auch Spaß.

Ihre Frau hat mit einer to-do-Liste gedroht. Gibt es die inzwischen?

Die habe ich abgeschafft, bevor sie eingeführt werden konnte. Ich weiß, wann die Terrasse gekärchert und der Rasen gemäht werden muss, habe mich auch handwerklich weiterentwickelt. Ich kann ja nun alles selber machen.

Klingt nicht gerade begeistert und schon fast ein bisschen nach Sehnsucht nach dem Landratsamt ?

Ich freue mich immer wieder, wenn ich Einladungen bekomme, die ich auch gerne wahrnehme. 25 Jahre im Amt kann man nicht ablegen wie ein Kleidungsstück. Es gibt immer wieder Termine, die ich mit Partnern abstimme.

Stichwort Partner, wie läuft es so zu Hause?

Ich bringe mich mit Freude ein. Außerdem geht meine Frau einer anspruchvollen Arbeit nach. Das funktioniert prima.

Die LVZ hat dieser Tage berichtet, dass Sie Chef des Sächsischen Normenkontrollrates werden. Das klingt kompliziert, langweilig und bürokratisch. Was steckt dahinter?

Der Ministerpräsident hat mit mir gesprochen und auch der Justizminister. Der Normenkontrollausschuss soll spürbare Entlastung für die Bürger, für Wirtschaft und Verwaltungen bringen. Es ist eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe. Momentan lese ich mich in das Thema ein und bereite die konstituierende Sitzung am 3. Dezember vor.

Wie muss man sich die Arbeit dieses Rates in der Praxis vorstellen?

Über die praktische Arbeit müssen wir noch reden, das erfolgt in den Gremien. Dem kann ich nicht vorgreifen. Wir haben beispielsweise Mitspracherecht bei Gesetzen und sollen Bürokratie abbauen, Meinungen aus der Gesellschaft einbringen und für Kostentransparenz und -ersparnis sorgen.

Sie waren auch als Kreisvorsitzender der CDU im Gespräch. Wäre das nicht auch eine sinnvolle Aufgabe für Sie als Landrat a. D. gewesen?

Ganz klares Nein! Dieses Kapitel habe ich abgeschlossen. Partei und Kreisverband sind gut aufgestellt. Es gibt einen Generationswechsel, der unterstützt werden muss. Wenn ich gefragt werde, helfe ich. Ansonsten stehe ich für Aufgaben nicht mehr zur Verfügung.

Mit wie viel Sorge betrachten Sie die aktuelle Flüchtlingssituation und die Attentate in Paris?

Wir haben einiges aufzuholen. Ich bin erschüttert. Europa ist gefährlicher geworden. Wir brauchen Ergebnisse und nicht nur kluge Reden darüber, was passieren soll und gemacht werden muss.

Was muss passieren und gemacht werden?

Europa braucht einheitliche Gesetze. Menschen in Not muss geholfen werden. Allen voran Kai Emanuel und Dezernentin Angelika Stoye leisten im Landkreis hervorragende Arbeit. Wer in dieses Land kommt, muss die Gesetze akzeptieren und einhalten. Sonst können wir keine Akzeptanz in der Bevölkerung erwarten. Die deutschen Gesetze sind nicht verhandelbar. Wir vergessen einige Werte. Das provoziert eine Situation, die nicht mehr vermittelbar ist.

Das heißt?

Die Bundeswehr hat in der vergangenen Woche 60. Jahrestag gefeiert, fast ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Das kann nicht sein, das ist traurig. Dort sind unsere Kinder und Enkelkinder, die schicken wir rund um den Erdball und die Beachtung ist fast null. Wir dürfen neben der Flüchtlingsproblematik, so dramatisch das auch ist, nicht vergessen, dass es auch ein normales Leben gibt, das weitergeht.

Interview: Frank Pfütze

Stichwort: Normenkontrollrat

Sachsen will als erstes Bundesland einen Normenkontrollrat einrichten. Das Gesetz wurde am 30. Juli 2014 verkündet. Das sechsköpfige Gremium soll nach dem Vorbild des Nationalen Normenkontrollrats künftige geplante gesetzliche Vorhaben der Landesregierung – Gesetze, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften – vor Erlass ob ihrer Folgen und Auswirkungen überprüfen. Es gehe um eine frühzeitige genaue Vorstellung, welche Kosten Bürgern, Unternehmen und Verwaltung durch eine Umsetzung entstehen würden. Damit könnten nachteilige und später zutage tretende Nebeneffekte erkannt und vermieden werden. Der Sächsische Normenkontrollrat ist berechtigt, in dem für seine Aufgabenerfüllung erforderlichen Umfang Anhörungen durchzuführen und Gutachten in Auftrag zu geben sowie der Staatsregierung Sonderberichte vorzulegen. Die Behörden des Freistaates Sachsen leisten dem Sächsischen Normenkontrollrat Amtshilfe. Die konstituierende Sitzung findet am 3. Dezember statt. Vorsitzender soll der ehemalige Landrat von Nordsachsen, Michael Czupalla, werden.

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