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OBM-Kandidaten ohne Angst vor Burn-out und Bürgerkontakten

OBM-Kandidaten ohne Angst vor Burn-out und Bürgerkontakten

Ein Chefsessel, vier Kandidaten - es dürfte am Sonntag spannend werden. Die Delitzscher wählen ihren Oberbürgermeister für die nächsten sieben Jahre. Im Moment läuft der Wahlkampf auf höchster Stufe, fast täglich sind die Bewerber im Stadtgebiet auf Infotour: André Soudah (SPD), Olaf Quinque (Freie Wähler), Thomas Kind (Linke) und Amtsinhaber Manfred Wilde, der als parteiloser Einzelkandidat antritt und von der CDU unterstützt wird.

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Vier Kandidaten fürs höchste Amt im Delitzscher Rathaus (von links): Thomas Kind, Olaf Quinque, André Soudah, Manfred Wilde.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde holte die Vier am Montag an einen Tisch, veranstaltete ein Podiumsgespräch im Schalom-Begegnungszentrum. Der Leiter des Hauses, Matthias Mittmann, gestaltete den Abend als witzig-wortgewandter Moderator.

Er hatte ein ganzes Bündel Fragen mitgebracht. "Wir wollen die Kandidaten kennenlernen. Wie sie im Alltag leben, was sie bewegt", sagte Mittmann. Zusammengefasst: Es gibt gewisse Ähnlichkeiten im Quartett der potenziellen Rathauschefs. Drei von ihnen nannten große Sportler als Vorbilder in ihrer Jugend, lediglich Manfred Wilde verwies auf einen Südamerika-Forschungsreisenden. Allesamt sehen sie das Oberbürgermeisteramt als Schnittstelle von Politik und Bürgern, sie schwören auf den direkten Dialog mit der Einwohnerschaft. Das spiegelt sich auch in den Slogans auf den Plakaten wider: Manfred Wilde verspricht ein "Miteinander für Delitzsch", Olaf Quinque präsentiert sich als "der Delitzscher", stellt "Stärke durch Bürgernähe in Aussicht". Auch der Kandidat der Linken macht's persönlich: "Delitzsch wählt Kind". Und André Soudah verkündet "neuen Schwung für Delitzsch".

Tatsächlich war Soudah derjenige, der einen kämpferischen Schwung in die Podiumsrunde brachte. Immer wieder forderte er von Manfred Wilde das Mikro ab, um dessen Aussagen zu kommentieren oder zu kontern. Reibungspunkt waren weniger die allgemeinen politischen Grundsätze, sondern Detailfragen. Zum Beispiel die von Matthias Mittmann: Er erinnerte an die Familiensportler in seiner Kirchgemeinde, die seit Jahren versuchen, den Sportplatz an der Diesterwegschule zu nutzen, doch von der Stadtverwaltung keinen Transponder für die elektronische Schließanlage bekommen. Wilde verteidigte die Amtsentscheidung, verwies auf einen Ersatzsportplatz in der Nähe, Soudah quittierte das als "bürokratischen Schwachsinn". Quinque stimmte in die Schelte ein: Die Nutzbarmachung des Ersatzsportplatzes sei vermutlich aufwändiger als der Zusatz-Transponder.

Differenzierte Ansichten gab es auch zur Seniorenfreundlichkeit der Delitzscher Altstadt. Bekanntermaßen will die Stadtverwaltung noch in diesem Jahr Querungsmöglichkeiten für Rollatoren schaffen, glatte Bahnen ins Kopfsteinpflaster einbringen. Was Wilde als klaren Erfolg im Ringen um Barrierefreiheit sieht, beurteilte Soudah als kurzsichtige Stadtpolitik: "Da wird zweimal Geld in die Hand genommen. Einmal für die Sanierung des Pflasters und später noch mal, um es zu glätten."

Als größtes Problem der Stadt sieht der Sozialdemokrat allerdings, "dass Delitzscher auf der Suche nach einem Arbeitsplatz wegziehen müssen". "Wir hatten 2014 mehr Zuzug als Abwanderung", hielt Wilde dagegen. Thomas Kind sieht einen Brennpunkt vor allem in der Zukunft der beiden Oberschulen und des Freizeitbades. "Wir müssen Lösungen finden und diese auf breiter Basis und transparent diskutieren", betonte der Linke. Olaf Quinque hält insbesondere die kommunale Finanzlage für die Achillessehne der Stadt. "Wir müssen etwas tun, damit wir langfristig den freiwilligen Bereich erhalten und ausbauen können", so der Kandidat der Freien Wähler.

Und was würde er tun mit einer unverhofften Million Euro?, fragte Matthias Mittmann. "Eine Stiftung für die Kinder- und Jugendarbeit gründen. Es fehlt an Sozialpädadogen", so Quinque. Thomas Kind würde die Baustellen Elberitzbad und Oberschulen anschubfinanzieren. Soudah hätte Sport und Sozialarbeit im Fokus, Wilde würde Schulden tilgen, "weil weniger Kreditlast mehr Spielraum an anderen Stellen ermöglicht".

Leider ist die Million nur fiktiv. Den OBM-Wahlsieger hingegen begrüßt nach der Siegesparty die Realität. Angst vor einem Burn-out hat allerdings keiner der Bewerber. Auch das wurde am Montagabend klargestellt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.06.2015
Kay Würker

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