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Delitzsch Opfer aus Delitzsch ermittelt Täter auf eigene Faust
Region Delitzsch Opfer aus Delitzsch ermittelt Täter auf eigene Faust
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09:11 12.04.2016
Denis Commichau hat alle gestohlenen Sachen wieder. Quelle: Foto: Ditmar Wohlgemuth
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Delitzsch

Ob Denis Commichau diesen Morgen und die darauffolgenden 24 Stunden je vergessen kann, steht noch nicht fest. Was er erlebte, hat ihn traumatisiert. Einbrecher hatten sein Haus gezielt ausgesucht und ausgeraubt. Eine Heimkinoanlage, der Fernseher, auch eine Playstation und noch andere elektronische Geräte waren weg. Das Bargeld verschwand ebenso wie zwei Stangen Zigaretten. „Sie können sich vorstellen, wie es einem geht, wenn man früh um 7 Uhr von der Schicht nach Hause kommt und die Tür steht auf“, erzählte der Schichtleiter in einem Leipziger Gießereibetrieb.

Zudem musste er fürchten, dass die Einbrecher womöglich noch im Haus sind. Trotz „Herzflattern“, wie er sagte, habe er das Wohnzimmer mit offener Küche betreten und sofort gesehen, was los war. Und weil er keinesfalls „ein Opfer“ sein wollte, nicht tatenlos abwarten wollte, unternahm er etwas auf eigene Faust. Das Ergebnis: Nach 24 Stunden waren die gestohlenen Sachen fast ausnahmslos und unbeschädigt wieder da.

Denis Commichau ist kein Angsthase

Wie es dazu kam, klingt schon etwas abenteuerlich, ist nicht unbedingt zum Nachahmen gedacht. Die Aktion hatte in diesem Fall aber ein gutes Ende. „Ohne meine Freunde wäre das nicht gegangen“, sagte der 31-Jährige, der alles andere als ein Heißsporn, aber auch kein Angsthase ist. Noch heute fühlt er sich „nicht ganz wohl“ in den eigenen vier Wänden. Er achtet mehr denn je auf jedes Geräusch, hat alles penibel sauber gemacht, sogar desinfiziert. Ein regelrechter Putzwahn habe ihn angetrieben. Heute ist von dem Einbruch nichts mehr zu sehen. Beeindruckt hat er ihn dennoch und er ist weiterhin präsent.

Als er der Polizei den Einbruch anzeigte, nahm die sofort die Ermittlungen auf, sicherte Spuren. „Da war auch ein Joint auf dem Fußboden“, erinnerte sich Denis Commichau. Der sollte später in seinen eigenen Nachforschungen eine besondere Rolle spielen. „Einer der Polizisten erzählte, dass die Elektronik bestimmt schon über die Grenze, vielleicht auch verkauft ist“, erinnerte sich der 31-Jährige, der allein im Haus wohnt. „Das wollte ich so nicht hinnehmen. Das sind meine Sachen, von meinem Geld gekauft, alles selbst erarbeitet.“ Der Joint, aber auch die gestohlenen Zigaretten, nährten in dem jungen Mann einen Verdacht.

Bestohlener kannte den mutmaßlichen Einbrecher

Es musste jemand gewesen sein, der sich im Haus auskennt und der in der Drogenszene unterwegs ist. „Früher mal ein Freund, heute nur noch Tatverdächtiger“, sagte Commichau. Den Personenkreis der mutmaßlichen Täter konnte er so immer mehr reduzieren und „baute richtig Druck auf“. Bis es schließlich zu einem ominösen Termin auf einem Parkplatz kam. Per Boten, feigerweise benutzte der Täter dafür eine junge Frau, wurden die gestohlenen Sachen übergeben, sie lagen im Kofferraum. Der Bestohlene kennt den mutmaßlichen Einbrecher. „Ein Deutscher, ein Delitzscher, kein Ausländer.“ Denis Commichau hat in dem Zusammenhang eine Botschaft: Leute, passt aufeinander auf. Reagiert, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Wachsame Nachbarn sind besser als jede Elektronik. Lasst Euch nicht einschüchtern.

„Natürlich bin ich stolz auf mich, dass ich ohne Polizei meine Sachen wieder habe. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem.“ Er als auch die Nachbarschaft haben jetzt reagiert – mit Alarmanlagen. Keiner weiß, ob die Einbrecher noch mal zuschlagen. „Ich bin jedenfalls nicht unvorbereitet“, sagte der jungen Mann, der einen Umzug zwar kurzzeitig in Betracht zog. Commichau hat den Tatverdächtigen bei der Polizei angezeigt. Die Ermittlungen laufen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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