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Ordnungshüter auf zwei Rädern

Ordnungshüter auf zwei Rädern

Wenn an warmen Sommertagen Hunderte Badegäste an die Seen strömen, haben Frank Schmidt und Helmut Oppel reichlich zu tun. Sie sind touristische Hilfskräfte im Dienste der Gemeinde Rackwitz, sollen ein Auge auf Sicherheit und Ordnung haben.

Delitzsch. Ihre Ausstattung: Notizbuch, Kamera und Tourenrad. Rackwitz rüstet sich so für die zunehmende Rolle als Touristenmagnet.

Das Einsatzgebiet von Frank Schmidt und Helmut Oppel sind die schönsten Fleckchen auf Rackwitzer Flur: Schladitzer Bucht, Werbeliner See, überörtliche Radwege quer durch die Landschaft. Allesamt Orte zum Ausspannen, nicht nur im Sommer. Auch zu anderen Jahreszeiten kommen Wanderer, Jogger, Radler und Spaziergänger.

Bei den touristischen Hilfskräften allerdings ist von Ausspannen keine Spur. Je beliebter das Ausflugsziel, desto mehr sind die beiden gefordert. Vor allem verbal: „Aufklärungsarbeit ist das Wichtigste, was wir tun können“, erzählt Frank Schmidt. In Gesprächen weisen sie Besucher auf Regeln und Verstöße hin.

Insbesondere Hundehalter. „Es gibt anständige, aber leider auch viele, die sich nicht um Leinenzwang und Kot-Tütchen-Pflicht scheren“, sagt Helmut Oppel. „Entweder kennen sie die Gemeindeordnung nicht oder ignorieren sie.“ Nicht selten werde auch an Stellen gebadet, die bergbaubehördlich noch gar nicht freigegeben sind. Parksünder sind ebenfalls ein Dauer-Problem. „Da werden Autos am Feldrand, am Kieswerk oder irgendwo an der Durchgangsstraße abgestellt“, berichtet Oppel. Lieber werde ein Kilometer Fußmarsch in Kauf genommen, als die an der Schladitzer Bucht fälligen drei Euro Tagesparkgebühr zu zahlen.

Kommen die touristischen Hilfskräfte mit Worten nicht weiter oder sind die Ordnungsfrevler nicht anzutreffen, wird der Fotoapparat herausgeholt. Falsch parkende Fahrzeuge werden auf diese Weise direkt mit Bild ans Ordnungsamt gesandt. Hinzu kommen Fotos von Graffiti-Schmierereien, von Vandalismusschäden oder Müllablagerungen. „Wir hatten schon den Fall, dass eine komplette Küche auf dem Parkplatz an der Schladitzer Bucht entsorgt wurde“, schildert Frank Schmidt.

Der 51-Jährige und sein 58-jähriger Mitstreiter durchstreifen seit Dezember vergangenen Jahres im Auftrag der Rackwitzer Verwaltung das Gemeindegebiet. Über das Arbeitsmarkt-Modell Kommunal-Kombi sind sie angestellt – Bund, Freistaat, Landkreis und Kommune teilen sich in die Kosten.

„Ich habe mir das Modell beim Tourismusverein Leipziger Neuseenland abgeguckt, nachdem sich All-on-sea Hilfe suchend an uns gewandt hatte“, berichtet Hauptamtsleiterin Kathrin Gwozdz. Der Betreiber des Schladitzer Sees habe Unterstützung erbeten, weil die eigenen Mitarbeiter mit freilaufenden Hunden und unberechtigten Strandnutzern nicht mehr fertig wurden. „Wir wollen das Geschehen an den Touristenzielen nicht dem Selbstlauf überlassen, sondern in geordnete Bahnen lenken“, so Kathrin Gwozdz. Fünf Bewerber habe es für die zwei Hilfskräfte-Stellen gegeben, zwei erfüllten letztlich alle Bedingungen: längere Zeit arbeitslos, über 50, eine Affinität zu Sicherheit und Ordnung, ein Mindestmaß an Sportlichkeit.

Die Fitness-Bedingung kommt nicht von ungefähr: Mehr als 30 Kilometer legen die mobilen Wächter täglich zurück – mit dem Fahrrad, weil sie so am besten durchs Gelände kommen. Sie haben feste Kontrollrouten, gehen aber auch Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Ist schönstes Touristenwetter, schieben sie gemeinsame Schichten von 14 bis 20 Uhr; an ruhigeren Tagen ist einer vormittags und einer nachmittags unterwegs. Ein Ergebnis: Allein 300 Parksünder konnten die beiden

inzwischen melden. So mancher Ertappte nutzt nun doch den Ticketautomaten.

Und die erste Bilanz der Hauptamtsleiterin? „Das Modell lohnt sich auf ganzer Linie“, sagt sie. Frank Schmidt und Helmut Oppel hören‘s gern. Ihre Arbeitsverträge laufen noch zweieinhalb Jahre.

Kay Wuerker

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