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Delitzsch Ortsgespräch: Lemsel sucht Anschluss und sich selbst
Region Delitzsch Ortsgespräch: Lemsel sucht Anschluss und sich selbst
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09:31 01.11.2016
Herzliche Zusammenkunft auf dem Dorfplatz vorm Gasthof: Marco Weila, Klaus Schubert, Uwe und Cathrin Leuthold, Edmund Boegel (von links). Quelle: Kay Würker
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Lemsel

Was ist eigentlich los auf dem Lande? Was wird geredet im Dorf? Was bewegt die Menschen? Die LVZ-Serie Unterwegs in ... zeigt es.

Lemsel? Na klar, das ist der Ort von den Plakaten. Ü-30-Disco alle zwei Wochen im alten Gasthof. Wenn dort die Hütte bebt, sind die Straßen zugeparkt, erhöht sich die Zahl der Köpfe im Dorf für ein paar Stunden um rund die Hälfte. In Lemsel, keine Frage, lässt es sich tanzen. Und leben? Wie ist der Rhythmus im Ort, wenn die Disco-Boxen schweigen? „Wunderbar ruhig und naturnah“, schwärmen Cathrin und Uwe Leuthold. Mal abgesehen von den Flugzeugen, die bei Ostwind nervig über die Dächer kurven. Doch zumeist lasse sich das aushalten. Kein Vergleich zum Trubel der größeren Städte ringsum, aus denen der Großteil der Neu-Lemseler in den vergangenen Jahren hergezogen ist. „Wir sind wegen der Idylle hier“, ergänzt Marco Weila. „Wir haben die Rehe hinterm Gartenzaun, die Seen gleich um die Ecke und trotzdem nur einen kurzen Weg bis Leipzig, Delitzsch oder zur Autobahn.“

Hilfe für Radfahrer

Ja, Lemsel liegt ziemlich zentral. Trotzdem wird beim Ortsrundgang mit den Einheimischen Kummer laut. Denn gerade Radfahrern, von denen es hier viele gibt, nützt die zentrale Lage wenig. Auf den Überlandstraßen ist Schluss mit Beschaulichkeit, wird’s gefährlich. Richtung Zschortau führt zwar alternativ der alte Kirchweg übers Feld, doch die Piste ist schlammig und uneben. „Wir betteln seit Jahren, dass der Kirchweg hergerichtet wird“, schildert Klaus Schubert. Noch ärgerlicher ist aus Sicht der Anwohnerrunde die mangelnde Verbindung Richtung Schladitzer See. „Dabei steht der Ausbau eines Rad- und Gehweges schon lange in den Plänen von LMBV und Landkreis“, erinnert Schubert. Edmund Boegel, CDU-Gemeinderat aus Lemsel, zeigt auf den neuen Loberlauf, der sich idyllisch durchs Grün schlängelt: „Hier entlang, das wäre die ideale Wegstrecke. Nur rund ein Kilometer fehlt uns zum Anschluss ans überörtliche Radwegenetz.“

Gaststätte fehlt

Auf diesem Wege wäre Lemsel auch von außen besser erreichbar. Und dann würde, so mutmaßen die Anwohner, sich vielleicht auch wieder eine Gaststätte im Ort lohnen, die nicht nur zweimal im Monat zum Tanz öffnet. Solch ein Lokal fehlt, genauso wie Interessengemeinschaft, die früher den Adventsmarkt vorm Gasthof organisierte. Auch die Gespräche übern Gartenzaun haben abgenommen: Die Hecken sind jetzt höher, viele Alteingesessene verstorben, die Jüngeren arbeiten auswärts. Den Leuten im Dorf fehlt ein Treffpunkt zum Klönen und Verweilen. „Schön wäre auch, wenn wir den Dorfteich wieder als Festort nutzen könnten, wo früher unsere Frühlingsfeuer stattfanden“, sagt Uwe Leuthold. Doch dafür wäre erst mal ein Freischnitt durch den Betriebshof der Gemeinde nötig. Das Gewässer ist zugewuchert – wie im Übrigen auch so manches Schnittgerinne an den Straßen. „Trotz aller Schönheit hier ringsum: Das Dorf muss seine Identität wieder neu finden“, urteilt Edmund Boegel. Nach dem Abriss des historischen Rittergutes und dem Verfall der alten Schmiede ist das umso nötiger.

Bisher erschienen: Wölkaus Nachrichten-Zentrale, Kanalbau in Hohenprießnitz

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Von Kay Würker

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