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Pakistanischer Flüchtling stiehlt und fährt schwarz

Justiz Pakistanischer Flüchtling stiehlt und fährt schwarz

Wegen insgesamt 16 einzeln begangener Straftaten über einen Zeitraum von anderthalb Jahren musste sich am Eilenburger Amtsgericht jetzt eine pakistanischer Flüchtling verantworten. An viele Taten will er sich nicht mehr erinnern können. Das Gericht hörte jedoch Zeugen, die die Anklagepunkte untermauerten. Zehn Monate auf Bewährung lautete die Strafe.

Das Amtsgericht Eilenburg
 

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch/Eilenburg.  Er ist 28 Jahre alt, ohne Berufsabschluss und Flüchtling aus Pakistan. Sein Zuhause, wenn man es denn so nennen darf, ist das Flüchtlingsheim im Delitzscher Ortsteil Spröda. Saalem M. hat ein riesen Problem. Er trinkt gern, ist alkoholabhängig, auch Drogen nahm er bis vor kurzen noch regelmäßig zu sich. Das wurde ihm immer wieder zum Verhängnis. Mittlerweile tut er das nicht mehr, weil er es nicht kann. Der Grund ist einfach: Er sitzt derzeit eine Haftstrafe ab. Er hatte eine Geldstrafe nicht bezahlt und musste deshalb in die Justizvollzugsanstalt einziehen. Insofern war es für das Eilenburger Amtsgericht diesmal nicht so schwer, seine ladungsfähige Anschrift zu ermitteln. Saalem M. musste sich kürzlich erneut wegen zahlreicher Straftaten verantworten. Beamte führten den jungen, eher schüchtern wirkenden Mann mit Handschellen in den Gerichtssaal. Neben ihm hätte eigentlich ein Landsmann sitzen müssen. Auch ihm wurden Taten, vor allem das Handeln mit Drogen, vorgeworfen. Er ist abgetaucht und für die Behörden nicht auffindbar. Saalem M. versteht wenig deutsch, sprechen geht noch schlechter. Aber er versucht es, beantwortet die Fragen zur Person, dann aber muss der Dolmetscher übersetzen. Das geht den gesamten Verhandlungstag so. Auch die Staatsanwältin Susanne Gasch muss beim Verlesen der Anklagen, fünf einzelne Hefter sind zusammengekommen, immer wieder unterbrechen. Saalem M. folgt dem Ganzen fast emotionslos. Es dauert eine ganze Weile, bis all das aufgezählt ist, weswegen der Pakistani angeklagt wird. Die Taten reichen bis ins Jahr 2014 zurück. Allein in 20 Fällen, das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, ging es um den Erwerb der Droge Marihuana. Später wird er es bestreiten und sich auf sieben diesbezügliche Taten festlegen.

Angeklagter mit Gedächtnislücken

Als Amtsrichterin Carmen Grell in die Beweisaufnahme einstieg und die einzelnen Vorwürfe dem Angeklagten vorhielt, stellten sich in den meisten Fällen seltsame Gedächtnislücken dar. „Ich kann mich nicht erinnern“, sagte Saalem M. Er habe jeden Tag, als er noch in Freiheit war, Alkohol getrunken. „Ich konnte ohne Alkohol nicht einschlafen.“ Er habe Alkohol gebraucht, weil er unglücklich über die Zustände ist, unter denen er sich befand.

Dass ihm der ungewollte Entzug offenbar gut tat, bemerkte auch ein Polizeibeamter, der als Zeuge aussagte. „Ich hätte ihn fast nicht wieder erkannt, er sieht besser aus“, sagte er. Der Beamte hatte Saalem M. beim gemeinschaftlichen Diebstahl eines Fahrrades am Unteren Bahnhof in Delitzsch erwischt. Im Zusammenwirken mit besagtem Landsmann, der unauffindbar ist. Die Taxifahrer hatten die beiden Männer nicht mitnehmen wollen, weil sie sehr stark angetrunken waren. „Irgendwie mussten wir aber nach Spröda kommen, ich wollte kein Fahrrad stehlen, wollte sogar verhindern, das der andere es tat“, sagte Saalem M. aus. Glaubhaft klang das wenig. Die Beobachtung des Beamten waren andere.

Mehrmals beim Diebstahl erwischt

Mehrere Male wurde der Angeklagte auch beim Diebstahl in Supermärkten in Leipzig erwischt. Angestellte der Unternehmen erkannten ihn wieder. Jedes mal handelte es sich zwar um geringe Werte, aber jedes Mal war es auch Alkohol, den er sich ohne zu bezahlen beschaffen wollte. An all das hatte Saalem M. keine Erinnerungen mehr. Auch die Zugfahrten, die er ohne gültigen Fahrschein mehrfach antrat, scheinen bei ihm völlig gelöscht zu sein. Auch sein Anwalt Wolfgang Haag aus Delitzsch konnte bei seinem Mandanten keine Erinnerungen wecken.

Richterin Grell stellte bei einigen Delikten die Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. In 16 Fällen kam sie jedoch zu einem Urteil und fasste es zusammen. Saalem M. muss sich jetzt zehn Monate lang bewähren, darf in dieser Zeit auf keinen Fall strafrechtlich in Erscheinung treten. In Kürze wird er nach Spröda zurückkehren. Dort kommt es darauf an, die Hände von Alkohol und Drogen zu lassen. Welche Auswirkungen das Urteil auf seinen Statuts als Flüchtling hat, wurde vor Gericht nicht erörtert.

Von Ditmar Wohlgemuth

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