Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Park-Kollaps an Schladitzer Bucht: Badewillige sind kaum zu bremsen
Region Delitzsch Park-Kollaps an Schladitzer Bucht: Badewillige sind kaum zu bremsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 01.09.2016
Die Schladitzer Bucht ist vor allem bei Badewilligen aus dem Leipziger Norden beliebt. Quelle: Alexander Bley
Anzeige
Rackwitz

Wenn es richtig heiß ist, werden die Badewilligen zur Naturgewalt. Mehr als Zehntausend Menschen strömten am vergangenen Wochenende an die Schladitzer Bucht, eroberten auf der Suche nach Parkplätzen alle Nischen und Winkel, ignorierten Verbotsschilder, blockierten Rettungswege. Park-Kollaps am Erholungsort. Gemeindeverwaltung, Polizei und Buchtbetreiber denken nun neu über Lösungen für die Zukunft nach. Und sind schon am Samstag wieder gefordert: Erstmals wird die Schladitzer Bucht komplett gesperrt sein. Ganztägig. Lediglich die öffentlichen Rundwege bleiben zugänglich. Ein Leipziger Großunternehmen hat das Areal für eine Firmenveranstaltung reserviert.

Erwartet werden rund 2000 Mitarbeiter. „Alle unsere Wassersportangebote wie auch der Strandbereich wurden gebucht“, erklärt auf Nachfrage Michael Glaser, Geschäftsführer des Buchtbetreibers All-on-sea. „In dieser Größenordnung ist das ein Novum.“ Bei dem Großkunden handelt es sich um die Deutsche Post DHL Group, die ihr jährliches Sommerfest diesmal an die Bucht verlegt hat. „Der gemietete Standabschnitt ist ein schöner Ort in der Region, der zudem in der Nähe unseres DHL Hubs gelegen ist“, heißt es aus der Pressestelle. Die Veranstaltung ist intern.

Sperrungen am Samstag

Trotzdem kommt die Öffentlichkeit nicht daran vorbei: Mutmaßlich Hunderte Badegäste werden am Samstag vor Sperrschildern stehen. Zwar soll es Durchsagen im Verkehrsfunk geben, doch mit Andrang ist trotzdem zu rechnen, schließlich steht eines der letzten warmen Sommerwochenenden bevor. „Wir werden verkehrliche und organisatorische Maßnahmen ergreifen“, sagt Steffen Schwalbe (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Rackwitz, auf deren Gemarkung die Schladitzer Bucht liegt. Unter anderem sollen Ordner vor Ort sein, die informieren und den Besucherverkehr weglotsen.

Ein hartes Stück Arbeit. Das jedenfalls lässt die Erfahrung vom vergangenen Wochenende erwarten. Da waren die Badewilligen kaum zu bremsen. Unter anderem wurde die Zufahrt vom Kreisverkehr zum See, die für Rettungsfahrzeuge frei gehalten werden soll, zum Nadelöhr – trotz Parkverbots. „Als ich am Sonntag hinkam, war bereits eine Straßenseite zugestellt. Und während ich dort Verwarngelder erteilte, wurde auf der anderen Seite munter weiter geparkt“, schildert Marina Kamm vom Ordnungsamt der Gemeinde. Die Aussicht auf Knöllchen – wegen der Behinderung von Einsatzfahrzeugen 25 Euro teuer – schreckte nicht ab. „Ich wurde von einigen Leuten nur gefragt, was das kostet. Und dann hieß es: Kein Problem, wir zahlen das und bleiben hier.“ So mancher Autofahrer sei auch am Rande des Kreisels stehengeblieben, um auf eine Parkgelegenheit zu warten. Marina Kamm rief die Polizei, damit der Verkehr auf der Kreisstraße nicht völlig zum Erliegen kommt. 90 Prozent der Knöllchen gingen an Fahrzeuge aus Leipzig.

650 Stellflächen plus Überlaufparkplatz

Ein Ausnahmewochenende, doch kein Einzelfall. „An Wochenenden mit 33 Grad und mehr ist der Ansturm immens“, sagt Michael Glaser. Erfahrungsgemäß zwei, drei Mal pro Saison komme das vor, zuletzt am 10. Juli. „In aller Regel kommen wir mit unseren 650 Stellflächen gut aus, und bei Bedarf öffnen wir noch einen Überlaufparkplatz. Doch wenn es wirklich zu viel wird, müssen wir die Zufahrtsstraße kurzzeitig sperren. Außerdem versuchen wir, die Autofahrer weiterzuleiten. Die Rettungswege müssen frei bleiben, das ist oberstes Gebot.“

Mehr Parkplätze! Das fordern viele Gäste von Gemeinde und Betreiber. Potenzielle Überlaufflächen gäbe es noch. „Die Bucht verträgt aber nur eine bestimmte Zahl an Besuchern. Noch mehr Parkplätze bedeutet noch mehr Gäste, dann kann von Naherholung keine Rede mehr sein“, warnt Steffen Schwalbe. „Wir können nicht die Hitzewochenenden zum Maß aller Dinge machen“, sagt auch Michael Glaser. Für Übernachtungsgäste allerdings müssten definitiv noch mehr Parkmöglichkeiten geschaffen werden.

Nach probaten Lösungen wird noch gesucht. Ein härteres Durchgreifen gegen unverfrorene Autofahrer ist dem Vernehmen nach aber schon sicher: Die Gemeinde lässt künftig auch abschleppen.

Von Kay Würker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Eilenburger Arbeitsgruppe April 1945 gibt nicht auf. Das Schicksal der Besatzungen abgestürzter alliierter Flugzeuge aufzuklären, hat sie sich zum Ziel gesetzt. Derzeit recherchieren die Mitglieder der Gruppe zu zwei Abstürzen in Serbitz und Reibitz. Sie suchen auch weitere Hinweise.

31.08.2016

Der Delitzscher Omnibusbetrieb Auto-Webel hat seinen Fahrplan umgestellt. Mit einigen Verbesserungen. So werden die Ortsteile nun im Stundentakt angefahren. Neu ist zudem die Verbindung bis zum Klinikum St. Georg Leipzig.

31.08.2016

Wannewitz ist mehr als eine Schweineaufzucht-Anlage. Der Schönwölkauer fällt allein schon damit aus dem Rahmen, dass zwei Kfz-Werkstätten ihre Heimat im kaum 100 Leute starken Dorf haben. Aber ansonsten hat Anonymität um sich gegriffen, fehlt so manchem der Zusammenhalt.

09.03.2017
Anzeige