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Delitzsch Patronatskirche Wölkau: Saison in Gefahr
Region Delitzsch Patronatskirche Wölkau: Saison in Gefahr
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13:05 20.04.2018
Auch im Inneren zeigen sich Schäden und neue Aufgaben. Quelle: Patronatskirche Kunst&Kultur Wölkau eV
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WÖLKAU

Eigentlich hätte alles wie jedes Jahr laufen sollen. Die Einladungen zur Saisoneröffnung in der Patronatskirche in die Post, das Programm von Ausstellung über Lesung und Gellertabend bis Rock&Lyrik angefügt, auf Rückmeldung der geladenen Gäste gewartet und Saisoneröffnung gefeiert. Eigentlich ist ein Wort, das es eigentlich nicht gibt. Die Saisoneröffnung in der beliebten Kirche – rund 1000 Gäste kommen von Mai bis September – ohne Dach ist in Gefahr. Bauschäden machen dem Verein Patronatskirche Wölkau Kunst und Kultur Sorgen.

Überraschung im Ausstellungsraum

Bei einem der letzten Kontrollgänge lag die unschöne Überraschung mitten im Ausstellungsraum der Kirche ohne Dach: Auf der Südseite ist am Turm ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Putz ab- und ins Kirchenschiff gefallen. Nicht einmal die Wetterseite also hat es erwischt, was den Vereinsleuten besonders zu denken gibt. Das Landratsamt als Eigentümer des Gebäudes und der Verein führten vor wenigen Tagen eine Begehung durch, ein Sachverständiger entdeckte noch ein paar mehr kritische Stellen. Den Teufel an die Kirchenwand gemalt, könnte mehr herabfallen und im schlimmsten Falle mal einem Gast auf den Kopf fallen. Oder Putzbrocken treffen die Glasabdeckungen über den Ausstellungsstücken, die dann splittern und wiederum jemanden verletzten könnten. „Damit ist die Saisoneröffnung in drei Wochen mehr als in der Schwebe“, sagt Vereinsvorsitzende Sabine Sprechert. Die vergangene Woche mit dem Mühlenpreis ausgezeichnete Wölkauerin und ihre 30 Mitstreiter im Verein kümmern sich seit 20 Jahren um die Kirche – und um die Kultur. Veranstaltungen von Kabarett bis Konzert, Ausstellungen, Projekte, Lesungen gehören zum Repertoire. Geöffnet für die Besucher ist die Kirche immer von Mai bis September, wenn kurz nach dem Tag des offenen Denkmals Saisonabschluss gefeiert wird. Eigentlich hätte der Verein am 7. Mai auch seinen Geburtstag feiern wollen. Doch guten Gewissens könne und wolle man vorerst niemanden zu diesem Termin einfach so in die Kirche lassen. Eventuell muss die Eröffnung verschoben werden.

Sponsoren und Handwerker gesucht

Oder ein Wunder geschieht. So undenkbar ist das nicht. Zirka 1000 Euro würde es kosten, die Putzstellen auszubessern. Der Verein ist auf der Suche nach einem Unternehmen beziehungsweise nach Handwerkern, die das trotz der drängenden Zeit und sicher volle Auftragsbücher noch stemmen könnten. Wer kann, der sollte sich unter der Nummer 0163 6077206 beim Verein melden. Zudem benötigt der Verein Spenden, um die Arbeiten schnell in die Wege zu leiten. Doch auch wenn das Problem am Putz erledigt ist, warten weitere bauliche Aufgaben. Auch der Stuck ist stark sanierungsbedürftig – rund 7000 Euro würde das kosten.

Spendenkonto

Spenden an Patronatskirche Wölkau, Volksbank,
IBAN: DE 128609555540176700238,
BIC: GENODEF1DZ1

Warum hat die Kirche kein Dach?

Der Rittmeister Christoph Vitzthum von Eckstädt ließ die Kirche in den Jahren 1680 bis 1688 im barocken Stil erbauen, zu Beginn des Jahres 1688 wurde sie dann eingeweiht. Problem von Anfang an waren nicht befriedigend gelöste bautechnischen Probleme. Ursache sind wohl ungünstige Baugrundverhältnisse und eine nicht optimale Konzeption der Mauerwerkskonstruktion und der Gewölbe, heißt es auf der Vereinshomepage.

Schon kurz nach Einweihung gab es einige Reparaturen an der Kirche. Bereits 1704 sollen sich Risse gezeigt haben, die einer Reparatur bedurften. 1836 waren verstärkt Risse im Gewölbe zu verzeichnen, 1844 musste die Kirche geschlossen werden und konnte erst elf Jahre später neu eingeweiht werden. Das endgültige Aus kam 1969. Das Dach stürzte ein und die Kirche wurde zur Ruine. Ab 1992 folgten Sicherungsarbeiten, Rekonstruktionen und Sanierungen, bis schließlich vor 20 Jahren dank des Vereins ein neuer Kulturraum entstanden war. Die Kirche ohne Dach ist einzigartig in Nordsachsen.

Von Christine Jacob

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