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Penis am Freibad? Ist das Kunst? Oder muss das weg?

Elberitzbad-Mauer Penis am Freibad? Ist das Kunst? Oder muss das weg?

„Das geht gar nicht!“ sagen manche. „Das ist Kunst!“ finden andere. Am Elberitzbad ziert ein Werk die Wand, das für die eine Fraktion eindeutig ein Penis beim Eindringen und für die andere Seite dagegen frei interpretierbar ist – eine Trillerpfeife, ein Föhn ... Was auch immer es ist, es ist von ganz oben streng geschützt.

Penis, Trillerpfeife, Föhn ... Die Interpretationen zum Kunstwerk an der Delitzscher Freibadmauer gehen weit auseinander.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Delitzsch. Abstrakte Kunst ist immer eine gute Diskussionsgrundlage. Das beweist aktuell ein Graffito-Werk an der Außenmauer des Delitzscher Freibads. Um es gleich auf den Höhepunkt der Diskussion zu bringen: So mancher sieht im schwarzen Objekt schlicht einen Penis beim Eindringen in eine Vagina. Mancher auch einen beim Überstreifen eines Kondoms. „Das geht gar nicht!“ befinden Mütter im sozialen Netzwerk Facebook, wo das Kunstwerk hitzig diskutiert wird. Auch andere argumentieren: Gerade da, wo viele Kinder sich aufhielten, müsse „sowas“ doch nicht sein. Kinder sehen darin garantiert nicht das, was Erwachsene sehen, argumentieren wieder andere – die Interpretationen eines Erwachsenen seien immer anders als die der Kinder, deren Schutzbedürftigkeit so mancher beim Anblick des Werks ins Feld führt. Das Kunstwerk könnte doch auch eine Trillerpfeife oder einen Föhn mit Haargummi darstellen. Zudem müsse man für diese Art Kunst sonst viel Geld bezahlen und in Delitzsch sei sie nun kostenlos veröffentlicht, freut sich ein Facebook-User.

Delitzscher OBM nimmt es mit Humor

Locker, lässig und mit viel Humor nimmt es auch Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos): „Die Bildvorlage bildete eine Saftzentrifuge mit Kernabscheider. Dieses Gerät wurde 1981 im Rahmen eines MMM-Projektes (für die Jüngeren unter uns: Messe der Meister von Morgen) an der Polytechnischen Oberschule „Karl Marx“ in Delitzsch-Nord konstruiert“, schreibt er bei Facebook. „Eine Jugendbrigade der FDJ im VEB Ziehwerk Delitzsch griff dann diese Initiative auf, die, untersetzt von Plakaten eines Volkskunstkollektives der Volkshochschule, aus Metallhobelspänen der ersten CNC-Fräsmaschinen die Kerngetriebeachsen hergestellt haben“, munkelt der Stadtherr weiter und kommt zum Fazit, das sei ein Kunstwerk, wir hätten es hier mit einem authentischen Stück „realer sozialistischer Kunst im Kontext zur Produktion zu tun. Über 25 Jahren war es unter acht Farbschichten verborgen, jetzt mittels polnischer Restauratoren mühsam freigelegt.“

„Versaut ist, wer Versautes denkt“, erinnert auch ein User bei LVZ Nordsachsen. Tatsächlich liegt Anstößigkeit wohl immer im Auge des Betrachters. Ist das Graffito am Bad tatsächlich ein Penis, ist er ob seiner martialischen Erscheinung möglicherweise Kritik am Patriarchat oder gar dem deutschen Sexualstrafrecht? Die Gedanken sind frei ... Beitragen zum Interpretationsschluss könnte nur der Künstler selbst. Und so mancher glaubt auch zu wissen, wer genau er ist. Die LVZ hat versucht den „Verdächtigen“ persönlich und telefonisch zu erreichen – allerdings trotz vielfacher Anläufe leider vergebens. Vertraute in seinem Umfeld zweifeln daran, dass er es war. Das Werk am Freibad entspreche nicht seinem Stil.

Kunstfreiheit ist ein hohes Gut, auch in Delitzsch: Das Kunstwerk wurde nicht vorher bei der Stadt als Entwurf eingereicht. Die Freibadmauer ist frei von den Graffitikünstlern zu gestalten, sie müssen ihre Entwürfe nicht vorher abgeben. Für die Gestaltung an der Mauer gibt es keine zeitlichen oder inhaltlichen Einschränkungen. „Die Verwaltung möchte keine Zensur ausüben. Gleichwohl hat man in der Vergangenheit allzu anstößige Graffitis entfernen, also übermalen lassen.“ Das diskutierte Bild wird bleiben. „Die Stadtverwaltung sieht es als Kunst an beziehungsweise als künstlerische Freiheit und wird das Bild nicht übermalen lassen“, heißt es auf LVZ-Anfrage.

Von Christine Jacob

Delitzsch, Elberitzstraße 17 b 51.51804 12.33931
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