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Pfarrer Christian Führer liest in Brinnis

Pfarrer Christian Führer liest in Brinnis

Brinnis. Am Sonntagabend war Christian Führer, Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche und jetzt im Ruhestand, zu Gast in Brinnis. Er las aus seinem Buch und berichtete über die Tage, an denen 1989 Zehntausende für die friedliche Revolution auf die Straße gingen.

. Der Gemeindekirchenrat in dem Ortsteil von Schönwölkau hatte ihn eingeladen. Dort wird an der Instandsetzung des Gotteshauses gearbeitet. Und die Lesung war mit einer Spendensammlung für dessen Restaurierung verbunden.

Christian Führer gestand zu Beginn: „Ich bin von Haus aus überhaupt kein Bücherschreiber". Doch der Verlag habe ihn seit 2007 gedrängt, seine Erlebnisse aufzuschreiben. Und ursprünglich sollte es in der Publikation nur um die Ereignisse von 1989 gehen. Es kam anders. Der Untertitel seines Buches „Wir sind dabei gewesen" verrät, dass sich auch das Leben des Autoren widerspiegelt, das vom Christsein geprägt ist. Die frühen Jahre zeichnete der Autor dann zunächst auch mit Erinnerungen und tiefsitzenden Erlebnissen nach, wie er sie in seinem Buch aufgeschrieben hat. Dazu gehören die toleranten Eltern, die in der Pfarrersfamilie das Evangelium vorlebten, sein Entschluss mit zwölf Jahren ebenfalls Pfarrer zu werden, die frühe Erkenntnis, welch großes Vertrauen die Kirche bei den Menschen auch im Sozialismus genoss. Sein Lebensweg als Kind, Jugendlicher und Student bis er bereits mit 25 Jahren die erste Pfarrstelle antrat, war der spannende Erzähler-Einstieg in der voll besetzten Brinniser Kirche. In diesen Ort des Segens sei er gern gekommen, unterstrich der Pfarrer im Übrigen, lägen ihm doch die Dorfkirchen sehr am Herzen.

1980 wurde Christian Führer an die Leipziger Nikolaikirche berufen und hielt sie offen für alle. Keine Tabu-Themen in der politischen Diskussion, Protestbewegung gegen die Mittelstreckenraketen-Stationierung, Friedensgebete ab dem 20. Dezember 1982, die es bis heute gibt, Gesprächskreis für Ausreisewillige, Konzerte alternativer Gruppen ließen die Leipziger Nikolaikirche und Pfarrer Führer bald ins Fadenkreuz der Obrigkeit geraten. „Aber der Glaube war größer als die Angst", sagte er. Ab dem 8. Mai 1989 gab es Volkspolizeiabsperrungen auf dem Nikolaikirchhof, „Doch immer mehr Leute kamen, trotz der Polizeiketten."

Am 7. Oktober wurden vor der Kirche Hunderte niedergeknüppelt. Zwei Tage später sagte der Pfarrer an die Botschaft Jesu und die Bergpredigt anknüpfend: „Nehmt die Gewaltlosigkeit mit auf die Straßen und Plätze". 70 000 ziehen am 9. Oktober um den Leipziger Ring mit den Sätzen „Keine Gewalt" und „Wir sind das Volk" – die friedliche Revolution ist nicht mehr aufzuhalten. „Es war ein Wunder biblischen Ausmaßes, als die Menschen nach dem Marsch auf dem Ring wieder in den Kirchhof kamen. Und es war eine unerhörte Erleichterung, dass nicht geschossen worden war. Am Abend dachte ich, die DDR ist nicht mehr dieselbe wie am Morgen", so Christian Führer, der es sehr gut verstand, seine Lesung lebendig und mit direkten persönlichen Worten so zu gestalten, dass die Ereignisse von 1989 beeindruckend wach worden.

Frank Güntzel vom Gemeindekirchenrat Brinnis dankte dem Pfarrer im Ruhestand für sein Kommen und die Vorstellung seiner Autobiografie „Und wir sind dabei gewesen". Den anderthalb Stunden langen Vortrag hatten Christiane Hentsch und Juliane Partzsch musikalisch begleitet. In den Spendenkörben, mit denen für den Erhalt des Gotteshauses gesammelt wurde, lagen zum Schluss 617 Euro, berichtete gestern Frank Güntzel.

Lutz Schmidt

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