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Pflegerinnen wünschen sich mehr bezahlte Zeit für ihre Patienten

Pflegerinnen wünschen sich mehr bezahlte Zeit für ihre Patienten

Wenn Silke Seifert ihre Patienten besucht, hat sie stets beste Laune - zumindest äußerlich. "Wir wollen die Menschen schließlich aufrichten und sie nicht noch mehr belasten.

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Schwester Silke Siebert vom Pflegedienst Petra Tittmann wäscht einer vollpflegebedürftigen Patientin im Bett die Haare.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Wiedemar/Glesien. " Private Sorgen hätten dort nichts zu suchen, die kommen erst wieder nach Schichtende. Ein miesepetriges Gesicht kann man sich bei der 41-jährigen gar nicht vorstellen. Sie ist Altenpflegerin. Für sie ist es ein Beruf, den sie nur mit viel Herzblut ausüben kann. Ansonsten würde man ihn wahrscheinlich auch nicht lange ausüben können.

Seit 18 Jahren lebt Silke Seifert ihre Berufung. Sie hat sich von der Hilfskraft zur examinierten Altenpflegerin qualifiziert. Seit gut sieben Jahren gehört sie zum 14-köpfigen Team von Chefin Petra Tittmann, das wiederum seit 20 Jahren häusliche Alten- und Krankenpflege anbietet. Täglich müssen um die 150 Einsätze koordiniert und professionell absolviert werden. Sieben Patienten suchte Silke Siebert gestern in der Frühschicht bis 13.30 Uhr auf. Bei einem Teil ihres Tagespensums durfte diese Zeitung anlässlich des internationalen Tages der Krankenpflege dabei sein. Zeitdruck haben die Frauen des Pflegedienstes ständig. Die Vorgabe der Kranken- und Pflegekassen sind straff, der Spieltaum gering. In Hektik verfallen sie dennoch nicht, wissen sie doch sehr wohl, dass sie es mit Menschen zu tun haben, die ihre Hilfe brauchen, auch darauf angewiesen sind. "Vieles geschieht schon fast wie ein tägliches Ritual, an das sich die Patienten auch gewöhnt haben", erzählt Silke Seifert und scherzte nebenbei mit einem Mann, dem sie beim Aufstehen, der Morgentoilette und auch beim Frühstück hilft. Der 61-Jährige ist nach einem Schlaganfall vor acht Jahren zum Pflegefall geworden. Zunächst kümmerte sich die Tochter um den Vater, schaffte es dann aber nicht mehr. Die Pflegekraft und der Patient sind längst ein Team geworden, die Chemie stimmt. Bei so viel Nähe bleibt nichts verborgen. "Sympathie spielt bei dieser Arbeit eine große Rolle", räumte Silke Siebert ein. Gerademal 30 Minuten blieb sie, dann wurde sie schon wo anders erwartet. Eine 80-jährige Frau liegt seit einem Oberschenkelhalsbruch vor drei Jahren im Bett, ist vollpflegebedürftig. Der 79-jährige Ehemann ist rund um die Uhr für seine Frau da, die Rundumversorgung kann er dennoch nicht leisten. Er schätzt die Arbeit der Pflegerin außerordentlich. "Was sie leisten müssen, ist hoch anstrengend, körperlich und mental. Nur wer es erlebt, kann es tatsächlich wertschätzen." Den Blick für Details hat die 41-Jährige geschärft. Der Blumenstrauß zum Muttertag für die Patientin war ihr nicht entgangen. "Es ist schön, zu sehen, dass die Familie so zusammenhält", sagte sie. Sie kenne auch andere, schweigt aber diskret. Diskretion ist ohnehin angebracht, denn ziemlich oft wird die Pflegerin gleichsam in die Familie aufgenommen, bekommt Einblicke, die sehr privat sind.

Silke Siebert spricht viel, sagt alles an, was sie mit der Patientin macht, ist hochkonzentriert, versucht es der Frau so angenehm wie möglich zu machen. Beim Haarewaschen entspannen die Gesichtszüge der Kranken merklich. An minimalen Gesten merkt Silke Siebert, wie sie sich fühlt, geht liebevoll auf sie ein. 60 Minuten waren schnell vorbei. Den angebotenen Kaffee trank sie fast schon beim Verlassen des Raumes.

Der nächste Termin, ein Verbandswechsel, wurde schnell, dennoch mit aller Sorgfalt erledigt. Durchatmen kann sie nur kurz, während der Fahrt zum nächsten Patienten - obgleich ihre Gedanken schon dort sind. "Eigentlich sind wir alles", sagte sie. Pfleger, Seelsorger, Familienberater, auch mal Vermittler und Friseur und bestimmt noch mehr. Der Wunsch des Teams ist deshalb: "Mehr bezahlte Zeit für unsere Patienten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.05.2015

Ditmar Wohlgemuth

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