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Delitzsch Plauderei an Luthers Tafel
Region Delitzsch Plauderei an Luthers Tafel
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15:39 21.09.2009
Rainer Gohde alias Martin Luther weist im Delitzscher Schlosskeller auf seine Tischgesellschaft, die er mit seiner Gattin Katharina von Bora, gespielt von Ilona Knobbe, köstlich unterhält
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Delitzsch

Seit 1. September sind die beiden Schauspieler mit ihrem Verein Theatergesellschaft Dübener Heide offiziell Pächter des Schlosskellers und gemeinsam mit dem Schlosswache-Wirt Rico Eichler wollen sie die Delitzscher in dieser Kleinkunststätte zweimal im Monat getreu dem Motto „Lach mal wieder“ unterhalten. Zur Premiere hatten sie ein Stück ausgewählt, das in das Ambiente des Delitzscher Schlosses ausgezeichnet passt und das die beiden Mimen schon oft aufgeführt haben. Den streitbaren Tischreden des Dr. Martin Luther setzten Knobbe und Gohde den Dialog mit seiner Gattin Katharina von Bora, genannt Herr Käthe, entgegen. Knobbes Part lehnte sich dabei an Christiane Brückners Textsammlung „Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden, ungehaltener Frauen“ an. Das Ganze kam, wie an einer Tafelrunde üblich, in sehr lockere und zwangloser Form daher, Zwischenrufe waren ausdrücklich erwünscht, so dass dieses „Programm nie identisch ist, weil es vom Publikum mitgestaltet wird und wir improvisieren“, erklärte Gohde.

Und während sich die Besucher an Speis und Trank des vom Gesinde des Lutherschen Hauses servierten Fünf-Gänge-Menüs labten – Letzteres servierten, ebenfalls im historischen Gewand, Eichler und seine Mitstreiter aus der Schlosswache – wurden sie zwischen den Wortduellen Martinius’ und seiner „Hausherrin“ hin- und hergerissen. Der Doktor verkündete Weisheiten wie: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist und red, was wahr ist“, und Katharina erinnerte ihren Gatten: „Für die Ehepflicht gilt, wer des Feuers haben will, muss den Rauch auch leiden“. Dem Maler Cranach warf die von Bora vor: „Dich hat er größer und mächtiger gemalt, als du bist, und mich hat er dürftiger gemalt, als ich bin. Da sieht man es wieder einmal, werden später die Leute sagen, in einer Ehe kann immer nur einer gedeihen“.

Zwischendurch fütterten die Schauspieler ihr Publikum mit allerlei Fakten rund um die historischen Figuren. Beispielsweise, dass auf Luther das Berliner Testament zurückgeht, weil er festlegte, das seine Frau das ganze Vermögen erben sollte, um Streitigkeiten mit den Kindern auszuschließen.

Doch auch die Besucher waren bei dem zweieinhalbstündigen Gelage gefordert, denn die mittelalterlichen Tischsitten mit Latzumhang statt Servietten sowie lediglich mit Messer und Löffel als Besteck – Gabeln waren seinerzeit als Teufelswerkzeuge verpönt – hatten es durchaus in sich. Zumal haperte es anfangs mit dem Lateinischen. Luthers Trinkspruch „Prosit, so nützt es der Gesundheit“ lockerte aber schnell die Kehlen zu Tische, und als schließlich noch Witze kursierten, war Kurzweil garantiert.

„Ich bin begeistert von dieser mittelalterlichen kulinarischen Zeitreise und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Die Delitzscher sollten solche Angebote vielmehr nutzen“, sagte Carola Bork zum Premierenprogramm. Auch Doreen Koch gefiel der Nachhilfekurs in Sachen Geschichte gut. „Die Schauspieler haben es schön rübergebracht.“ Wie die Löbnitzerin hoffen Gabriele Stappenbeck aus Delitzsch, sie war zum ersten Mal bei einer Veranstaltung im Schlosskeller, und ihr Begleiter Uwe Schwarzkopf aus Köthen, dass sich das Ensemble in Delitzsch etablieren möge. Gohde gab in seinem Schlusssatz bezüglich der Zukunft einen optimistischen Ausblick: „Es sieht alles schwarz aus. Ich sage aber, Zuversicht auch hier im Schlosskeller.“ Am 26. September folgt „Irren ist menschlich“ – freche und erotische Lieder, Chancons und schwarzer Humor.

Von Thomas Steingen

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