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Prachtmeile istein Fugendesaster

Prachtmeile istein Fugendesaster

Schön ist anders. Ausgerechnet die Delitzscher Einkaufsmeile ist damit treffend beschrieben. Nicht nur Anwohner und Geschäftsleute in der Breiten Straße ärgern sich über den Zustand - auch die Kundschaft nervt der Anblick von Pflaster, das auseinanderklafft und bucklig wirkt, sich in der Mitte hebt und an den Rändern in Spurrinnen auszufransen scheint.

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Die Breite Straße in ihren schlechten Zeiten - das Pflaster ist geprägt von ausgespülten Fugen. Auch wenn - nach Entstehen des Bildes und LVZ-Anfrage - gerade frisch Sand und Co. zum Füllen verteilt wurde, dauert es wohl nicht allzu lange, bis die Straße wieder so aussieht.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Erst seit die Straße Anfang 2011 für den Verkehr freigegeben wurde, verschlechtere sich das Pflaster zusehends, ärgern sich die Anrainer. Davor war die Straße nur eins und als solche auch gedacht - eine Fußgängerzone. Durch die Lieferverkehr und eine zeitlang der Citybus rollen durfte. Durch Freigabe für den Autoverkehr sollte das Altstadt-Areal Belebung erfahren, ging der Vorstoß von der Verwaltungsspitze gen Werbegemeinschaft. Nach einjähriger Testphase wurde entschieden, die Meile dauerhaft für den Verkehr offen zu lassen. Vehikel bis 3,5 Tonnen dürfen durchrollen, verkehrsberuhigend nur in Schrittgeschwindigkeit. Dass das nicht immer so klappt, beobachtet Norbert Rindsland täglich. Am Anfang der Straße betreibt er sein gleichnamiges Modehaus und feiert in diesen Tagen das 24-jährige Bestehen. Er kennt die Straße als reine Fußgänger- ebenso wie als noch recht frische Verkehrszone: "Die Öffnung hat die Straße spürbar belebt." Er wünsche sich, dass die Straße offen bleibt - jedoch bereite ihm der Zustand Sorgen, meldet er beispielsweise bei der Stadt immer wieder lockere Steine, die dann schnell repariert würden. Regelmäßiges Blitzen von Verkehrssündern und Sanden der Fugen wünscht sich der Händler. Auch Detlef Schwuchow, er betreibt am anderen Ende der Straße ein Fotostudio, spricht einerseits von spürbarer Belebung der Straße - andererseits wurmt auch ihn der bauliche Zustand.

Dass die Straße so aussehe, habe aber entgegen der Wahrnehmung von Passanten und Anrainern nichts mit baulichen Mängeln zu tun, argumentiert die Stadtverwaltung. "Die Fahrbahnoberfläche in der Breiten Straße hat sich nach erneuter Überprüfung nicht deutlich verschlechtert", so Ulli Klausch, Sachgebietsleiter Kommunalbau. Die Veränderungen würden auf "Gebrauchsspuren" nach zehnjähriger Nutzung beruhen. Vielmehr handle es sich bei den Beobachtungen von Anrainern um optische Täuschungen: "Die Ebenheitsmessungen ergaben keine Abweichungen außerhalb des Toleranzbereiches." Durch das vor einem Jahrzehnt eingebaute glatte, allseitig behauene Natursteinkleinpflaster werde die Ausspülung der Fugen "durch die geringe Verzahnung der Seitenflächen" begünstigt. "Aufgrund der im Jahr der Inbetriebnahme 2005 gewählten Pflasterart Korb- beziehungsweise Segmentbogen wird dies noch verstärkt", räumt der Fachmann ein. Dadurch komme es auch zur optischen Täuschung der "vermeintlichen" Spurrinnenbildung. Das merke man schon dann, wenn man die Straße einmal in Richtung Stadtkirche blickend betrachtet und einmal in Richtung Breiter Turm schaue. Im ersten Fall gibt es das Ärgerpflaster, andersrum schaut es besser aus. Bauliche Maßnahmen an der Breiten Straße seien momentan nicht geplant. Die Absplittung und Fugenfüllung wird in etwa sechsmonatigen Abständen und entsprechend des Fugenbildes nach Bedarf vorgenommen, das ist kürzlich passiert. Entgegen der bisherigen Praxis solle das Material aber bindiger mit deutlich höherem Feinkornanteil sein. Die letzte Fugenverfüllung gab es 2014.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2015
CHRISTINE JACOB

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