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Preußen verpassen dem Delitzscher Rathaus sein heutiges Äußeres

Preußen verpassen dem Delitzscher Rathaus sein heutiges Äußeres

Noch bis zum 25. Oktober ist im Barockschloss Delitzsch die Sonderausstellung "Unter neuer Herrschaft - Konsequenzen des Wiener Kongresses von 1815" zu sehen. Sie verdeutlicht, welche Auswirkungen der auf die Kleinstadt Delitzsch hatte, als diese 1815 mit dem nördlichen Teil des Königreiches Sachsen an Preußen ging.

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Oben im Giebeldreieck des Delitzscher Rathauses thront Justitia als Zeichen eines Ortes der Rechtssprechung. 1849 zog das Kreisgericht in das Gebäude ein. Das Haus wurde deshalb aufgestockt und hat seither seine Form.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Vieles, was die Preußen seinerzeit einführten, ist heute noch spürbar. "Typisch für die Preußenzeit sind die Stempel", sagt Ausstellungsmacher Mathias Graupner, denn bevor ein Beamter tätig wurde, musste der Bürger, wenn er ein Anliegen hatte, sogenanntes Stempelgeld zahlen, so wie heute beim Beantragen eines Personalausweises." Aber auch im Stadtbild spiegelt sich die Preußenzeit wider.

Ein Beispiel ist das Delitzscher Rathaus, das es in seiner jetzigen Form erst seit 1849 gibt. Im Delitzscher Häuserbuch vermerkt Manfred Wilde, dass das Gebäude Markt 3 bis 1456 ein Bürgerhaus war, das der Rat zur Erweiterung des Rathauses ankaufte. 1474 wurde nach dem Zukauf von drei weiteren Grundstücken mit dem Bau eines zweistöckigen Rathauses begonnen. Dieses blieb dann baulich bis 1849 nahezu unverändert.

Die dann eintretenden Veränderungen stehen im Zusammenhang mit der 1816 eingeführten preußischen Gerichtsverfassung. Die Stadt verlor damit grundlegende Rechte bei der Ausübung der Gerichtsbarkeit. Die Funktion des Stadtrichters fiel ersatzlos weg. Die Rechtsprechung wurde sozusagen verstaatlicht. Zur Verfolgung von Strafsachen wurden an den Landgerichten Inquisitoriate gebildet. In der Sonderausstellung erfährt der Besucher, dass diese Behörde Fälle bearbeitete, "die über eine vierwöchige Haftstrafe, Geldstrafen von 50 Talern oder leichte körperliche Züchtigung hinausgingen". Das für Delitzsch zuständige Inquisitoriat befand sich im heutigen Gefängnisgebäude auf dem Eilenburger Schlossberg.

Als Folge der revolutionären Ereignisse von 1848 traten dann weitere Änderungen in der Gerichtsverfassung der preußischen Provinz Sachsen in Kraft. Die Oberlandesgerichte wurden in Appellationsgerichte umgewandelt. 15 Kreisgerichte, darunter das in Delitzsch und Eilenburg, gehörten ab 1849 zum Zuständigkeitsbereich des Appellationsgerichts Naumburg. Sowohl Bitterfeld als auch die Stadt Delitzsch bewarben sich als Standort für das Kreisgericht. Den Zuschlag erhielt letztlich Delitzsch, weil die Stadt der künftigen staatlichen Behörde kostenlose Diensträume im Rathaus angeboten hatte. Ob möglicherweise auch Geld geflossen ist, sei unbekannt, sagt Museumsmitarbeiter Mathias Graupner. Nachgewiesen ist jedoch, dass nach Erteilung des Zuschlages 1849 der Umbau das Rathaus begann, indem man das Gebäude um zwei Etagen aufstockte. Dadurch bekam es seine bis heute erhaltene äußere Form mit der spätklassizistischen Fassade. In der Chronik von Delitzsch 1702 bis 1934 sind die Handwerksmeister aufgelistet, die den Bau ausführten.

Die Stadt hatte nach dem Umbau nur die neue vierte Etage und die Seitengebäude für die Verwaltung zur Verfügung. Die im Giebeldreieck dargestellte Justitia erinnert bis heute an diesen Ort der Rechtssprechung. Im Rathaus waren auch das Polizeiamt und das dazugehörige Gefängnis untergebracht. In der Ausstellung ist auf der Tafel "Polizeiverwaltung in Delitzsch" nachzulesen, dass mit dem Umbau des Rathauses 1849 eine neue Wachstube im Erdgeschoss links neben dem Haupteingang errichtet wurde.

Begleitend zur Ausstellung im Schloss wird die LVZ in einer kleinen Serie weitere Orte, Gebäude und Gegenstände vorstellen, die von der Preußenherrschaft in unserer Region zeugen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.06.2015
Thomas Steingen

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