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Privatmuseum in Quering präsentiert Jan Ullrichs Zeitfahrrad

Privatmuseum in Quering präsentiert Jan Ullrichs Zeitfahrrad

Es ist ein Sammelsurium der besonderen Art und sucht in der Region seinesgleichen. Was Irene Dorn in den vergangenen Jahren zusammengetragen hat, lässt sich in dieser Vielfalt kaum beschreiben.

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Quelle: Wolfgang Sens

Quering. Es sind Dinge, die mit dem Radsport im weitesten zu tun haben, aber auch das Fahrrad an sich in den Mittelpunkt stellen. Dieser Tage kamen weitere Exponate zu dieser außergewöhn-lichen Schau in Quering (bei Delitzsch) hinzu, über die sie sich sehr freute, gleichzeitig machte der Moment sie aber auch traurig.

Erich Stammer, in Radrennfahrer-Kreisen anerkannte Leipziger Seniorensportler mit Weltmeistertitel, war im vergangenen November mit 89 Jahren verstorben. Obgleich er im hohen Alter war, hatte er noch so manches vor. Sein langjähriger Freund Wilfried Hammer, der ihn zu vielen Rennen begleitete, wusste beispielsweise, dass er gern noch in der Altersklasse Ü90 im Herbst dieses Jahres an den Start gegangen wäre und dann sicher auch Medaillenchancen gehabt hätte. "In diesem Alter gibt es kaum noch jemanden, der aktiv Rad fährt", hieß es. Leider kam es anders und für viele auch zu früh. Den langen Kampf gegen seine Krankheit verlor Ede, wie ihn seine Freunde nannten. Mehr als 200 Menschen nahmen an seinem Grab Abschied.

Die Witwe der Leipziger Radsportlegende, Annelies Bauer, kennt das private Fahrradmuseum in Quering bei Delitzsch. Sie überließ der Eigentümerin Irene Dorn einen Teil des Nachlasses ihres Mannes. "Ede hatte es, so habe ich gehört, vor seinem Tod entschieden", erklärte Irene Dorn in Übereinstimmung mit der Witwe. Es bestand eine jahrzehntelange, enge freundschaftliche, sportliche Beziehung zur Erich "Ede" Stammer. Er brachte sie zum Beispiel nach fast 40 Jahren Pause wieder in den Radrennsport, nahm sie auch 2003 zur Senioren-WM nach St. Johann mit. Dort hätte Stammer gern noch in der Ü90-Altersgruppe neue Rekorde gebrochen. Zugetraut haben es viele.

Künftig werden Stammers Zeitfahrrad, auch das Zeitfahrtrikot von St. Johann, die Sammlung bereichern. Zudem gibt es ein weiteres Rad, mit dem er in Leipzig nahezu täglich auf die Strecke gegangen war. Auch zwei Siegerpokale werden zu sehen sein. Als Zugabe brachte Annelies Bauer noch sieben WM-Medaillen mit, die ebenfalls von den Besuchern in Augenschein genommen werden können. Insgesamt hatte Stammer im Laufe seiner Karriere 106 Pokale gewonnen, darunter auch den Weltpokal. Dem Leipziger Seniorensportler war es wichtig, dass diese Dinge auch öffentlich gezeigt werden können, nicht irgendwo in einer Kiste liegen. "Die Familie überlässt uns die Sachen als Dauerleihgabe. Es war ein emotionaler Moment, als wir Ede Stammers Sachen in die Ausstellung integrieren konnten", weiß die 72-jährige Irene Dorn.

Zum Zeitfahrrad von Erich Stammer konnte dann auch sein Freund Wilfried Hammer eine Geschichte beitragen. "Mit dem ist noch Jan Ullrich im Team Telekom gefahren, das ist jetzt zehn, elf Jahre her. Eines Abends stand der Trainer vor Edes Tür und brachte das Rad einfach vorbei. Die haben doch jedes Jahr ein neues bekommen. Ullrich konnte darauf gut und gern verzichten." Ede Stammer nahm das Geschenk gern an, kaufen hätte er sich das Sportgerät nie und nimmer. Zwar wurden keine genauen Preis genannt, aber für einen Hobbysportler unbezahlbar. Seit dem ist Ede Stammer immer auf dieses Rad gestiegen, wenn es im Mehrkampf ums Zeitfahren ging.

Die Sammelleidenschaft hatte Irene Dorn 2001 erfasst, als sie von Bekannten ein Zweirad der Firma Wanderer in Thüringen erwarb.

Mittlerweile wird es aber eng auf dem ausgebauten Dachboden über dem ehemaligen Pferdestall. Wer sich die Schätze ansehen will, sollte rechtzeitig einen Termin über Dorns Rosenstübl in Quering vereinbaren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2015
Ditmar Wohlgemuth

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