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Promotionsteams loten am Werbeliner See die Stimmung aus

Infostände Promotionsteams loten am Werbeliner See die Stimmung aus

Das Landratsamt will mit einer Info-Offensive für die Situation am Werbeliner See und umliegenden Gewässern sensibilisieren. Promotionsteams wurden beauftragt, Flugblätter zu verteilen, Gespräche zu führen und Passanten zur Teilnahme an Umfragen zu ermuntern. Die Resonanz fällt durchwachsen aus.

Begegnung am Infostand (von links): Die Promoter Jakob Busse und Laura Klein mit den Passanten Steffen Schüssler, Kerstin Schüssler und Cindy Spring.

Quelle: Manuel Niemann

Delitzsch. Es ist nicht still am Werbeliner See. Ein Vierjähriger tollt mit seinem Bobbycar herum, auf dem Aphalt schnarren die Rollen eines Skateboards, das ein junges Mädchen über den Asphalt schiebt. Den Uferweg entlang, vorbei an einem Parkplatz. Ein Eiswagen wartet dort auf Kundschaft, für die Sorten, die noch nicht ausgegangen sind. Viele Ausflügler waren an diesem Tag schon vor Ort, wollten noch wenig die Sonne nutzen. Ein typischer Sommer-Sonntag am Werbeliner See.

Doch diesmal ist es anders. Mitarbeiter einer Agentur sind am Strand, die das Umweltamt Nordsachsen engagiert hat. Sie sollen, so die Idee, mit den Besuchern des Sees ins Gespräch kommen, verteilen Flugblätter. Es ist der Versuch, der Kontroverse ums Naturschutzgebiet die Schärfe zu nehmen. Für drei Wochenenden wurde das Promotionteam engagiert – freundliche Gesichter, die an mehreren Standorten am See den Dialog suchen.

Kritischere Töne bei Badewetter

Die erste Bilanz stimmt versöhnlich: Befürworter und Gegner des Naturschutzgebietes halten sich die Waage, erzählt Promoter Jakob Busse, der am auf Delitzscher Gemarkung am Nordstrand des Sees einen Aktionsstand betreut. „Letztes Wochenende war es kritischer.“ Da war mehr Badewetter. Doch diesmal sind mehr Spaziergänger unterwegs. Eine anonyme Umfrage, bei der die Seegäste über ihre Bedürfnisse Auskunft geben, zeigt die Stimmungslage. Die Natur zu bewahren, dieser Aspekt bekommt diesmal viele Kreuze. Die Woche zuvor hingegen dominierten die Wünsche nach einer Grill- oder Badestelle, zumindest hier am Nordufer.

Auch bei Brodenaundorf und am Zwochauer See gibt es Aktions- und Informationsstände. Völliges Unverständnis über das Naturschutzanliegen sei dort eher die Ausnahme. Die Agentur-Mitarbeiter treten bewusst neutral auf, ohne erhobenen Zeigefinger. Dass ein externes Promotionteam die Vor-Ort-Aktion betreut und nicht das Umweltamt selbst, ist kein Zufall.

Oft seien es die älteren Anwohner, die den Tagebau noch erlebt haben, die sich beklagen, ihnen würde etwas weggenommen. „Und das Badeverbot regt die meisten, vor allem die Delitzscher, auf“, konstatiert Jakob Busse. In den Gesprächen klinge das Gefühl an, dass hier über Köpfe hinweg entschieden werde. „Einen Vogel stört’s nicht, wenn man hier am Ufer baden geht“, vermutet Ulrich Grimm, der aus Plauen hergekommen ist. „Die Hunde sind da sicher ein größeres Problem.“

Kerstin Schüssler, ebenfalls von außerhalb angereist, schaut verwundert auf den Infostand. Sie und ihre Begleiter sind der Ausschilderung auf den Parkplatz am Nordufer gefolgt – die einzige, wie sie sagen, die auf den See hingewiesen habe. „Und dann sind wir gleich im Naturschutzgebiet gelandet.“ Am Stand wird die Gruppe von Laura Klein empfangen. Dort erfahren sie vom laufenden Prüfverfahren, ob der sensible Standort mit einer Badestelle vereinbar ist. „Kann man denn nicht wenigstens einen Strand zum Baden freigeben?“, fragt Kerstin Schüssler ein wenig ungläubig. Sie sei selbst in Berlin in der Tourismusbranche tätig und in dem bereits verkehrstechnisch erschlossenen Gebiet das Potenzial.

Infos zur Geschichte des Sees

Viel Gesprächsbedarf für die Promoter vor Ort. Sie klären auf, was am See möglich und was verboten ist. Daneben informieren sie mit einer Broschüre aber auch über die Geschichte des Sees als Überbleibsel des Braunkohletagebaus und die Dörfer, die diesem weichen mussten. Zudem erfahren die Besucher, welche Artenvielfalt das Gewässer bietet, wo Rad- und Wanderwege und der Naturlehrpfad verlaufen. Und dass am Westufer des Zwochauer Sees künftig wahrscheinlich offiziell das Baden freigegeben wird.

Die anonyme Umfrage läuft parallel. Maximal drei Minuten dauert es, den Fragebogen auszufüllen. Der fragt danach, wozu der Werbeliner, Grabschützer und Zwochauer See genutzt werden. Wie lange und wo genau man sich in dem weitläufigen Gebiet aufhält, womit man sich die Zeit vertreibt. Nicht zuletzt wird nach den Wünschen der Anwohner und Besucher gefragt.

Die Aktion wird am kommenden Samstag und Sonntag fortgesetzt. Laut Plan sind die hellblauen Info-Stände zwischen 10 und 16 Uhr besetzt.

Von Manuel Niemann

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