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Delitzsch Prozess in Eilenburg: Unbedachte Worte bringen Autofahrer in Bedrängnis
Region Delitzsch Prozess in Eilenburg: Unbedachte Worte bringen Autofahrer in Bedrängnis
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08:20 28.06.2017
Das Amtsgericht Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
Eilenburg

Manchmal hat ein schnell ausgesprochenes Wort eine ungeahnte Wirkung, zumal dessen Bedeutung genauso schnell missverstanden werden kann. So erging es Anfang des Jahres Edwin K. (Name geändert), als er nach einem von ihm verursachten Unfall sagte, er habe „gepennt“. Das hatte nun ein Nachspiel vor dem Eilenburger Amtsgericht.

Der 25-Jährige war auf der Bundesautobahn 9 in Richtung Leipzig unterwegs. In Höhe der Auffahrt Wiedemar überholte er mit seinem Pkw Suzuki einen auf der Mittelspur fahrenden anderen Pkw. Beim Wiedereinreihen in die Mitte fuhr er auf einen Skoda auf und beschädigte ihn erheblich. Auch der eigene Suzuki wurde in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich später herausstellte, war es ein wirtschaftlicher Totalschaden. Beide Fahrzeugführer konnten trotz der vollen Autobahn ihre beiden Autos auf dem Standstreifen zum Stehen bringen. Edwin K. soll ausgestiegen sein, habe die Schäden an den Autos betrachtet und immer wieder gesagt, er habe „gepennt“.

Einspruch gegen Strafbefehl

Die Staatsanwaltschaft Leipzig nahm diese spontane Aussage zum Anlass für die Feststellung, Edwin K. habe den Unfall infolge eines Sekundenschlafes verursacht. Staatsanwalt Ronny Duckstein warf ihm eine Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Körperverletzung vor. Gegen den entsprechenden Strafbefehl des Amtsgerichtes Eilenburg hatte Edwin K. jedoch fristgerecht Einspruch erhoben, eine Hauptverhandlung wurde angesetzt.

In der äußerte sich Edwin K. nun nochmals zum Unfallgeschehen. Insbesondere schilderte er, dass es keinen Ansatz von Müdigkeit gegeben habe. Er habe normal geschlafen, sei um 5 Uhr aufgestanden, um 6.30 Uhr auf Arbeit zu sein. Gegen 13.30 Uhr habe er die Fahrt nach Hause in die Nähe von Naumburg angetreten. Er konnte sich auch nicht erklären, wie es zum Unfall gekommen war. Jedenfalls soll der Angeklagte, so Beobachtungen, nicht besonders schnell unterwegs gewesen sein. „Vielleicht mit 120 Kilometer pro Stunde“, teilten Zeugen mit und berichteten, dass sich der Angeklagte nach dem Anhalten in einem Schockzustand befand.

Verteidiger: Unbewusste Aussage

Verteidiger Gisbert Kuhtz machte deutlich, dass die Aussage, er habe geschlafen, wenn überhaupt, unbewusst getroffen wurde. „Mein Mandant hat sich nicht müde gefühlt und es gab auch keine Anzeichen während der Fahrt, die einen Sekundenschlaf angekündigt hätten“, sagte der Rechtsanwalt.

Im ebenfalls beteiligten Unfallfahrzeug saßen neben dem Fahrer noch seine Frau und ein Kleinkind. Das Kind habe zwar nach dem Anstoß geschrien, sei aber nicht verletzt worden. Die Frau klagte drei Tage über Kopfschmerzen, stellte sich aber nicht unmittelbar dem Arzt vor. Erst später war sie bei einem Orthopäden im Behandlung. Sie selbst sah dabei allerdings keinen Zusammenhang mit dem Unfall.

Edwin K. wurde nach dem Unfall die Fahrerlaubnis Mitte Mai entzogen. Für einen Anlagenmechaniker, der deutschlandweit unterwegs ist, ein harter Schlag. Der Verlust des Arbeitsplatzes drohte. Auch deshalb ging Edwin K. in Einspruch.

Einspruch hat Erfolg

Mit Erfolg. Richterin Carmen Grell verurteilte Edwin K. nun zu einer Geldstrafe in Höhe von zehn Tagessätzen zu je 35 Euro und ahndete damit die fahrlässige Körperverletzung. Die Gefährdung des Straßenverkehrs sah sie nicht als erwiesen an. „Wenn es tatsächlich ein Sekundenschlaf gewesen sein soll, dann war der vorher nicht erkennbar“, schlussfolgerte die Richterin. Sie ging von einem Fahrfehler des jungen Mannes aus, der infolge von Unaufmerksamkeit passierte. Umgangssprachlich heißt das nichts anderes als er hat „gepennt“. Noch im Gerichtssaal bekam Edwin K. seinen Führerschein wieder und schien sehr erleichtert.

Von Ditmar Wohlgemuth

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