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Delitzsch Prozess in Leipzig zu tödlichen Messerstichen im Asylheim Delitzsch
Region Delitzsch Prozess in Leipzig zu tödlichen Messerstichen im Asylheim Delitzsch
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16:09 21.03.2016
Der Angeklagte Abdullah F. am Montag im Gerichtssaal. Er äußerte Bedauern über die Bluttat.   Quelle: André Kempner
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Leipzig/Spröda

 Imed G. hatte keine Überlebenschance. Die 19 Zentimeter lange Klinge durchbohrte Brustkorb und Herz, ein zweiter Messerstich traf die linke Niere. Minutenlang versuchten die herbeigerufenen Rettungssanitäter, den 27-jährigen Tunesier wiederzubeleben – vergebens. Die Bluttat im Asylbewerberheim Delitzsch-Spröda machte am 1. September 2015 Schlagzeilen. Noch in der Tatnacht war ein Marokkaner als Tatverdächtiger festgenommen worden. „Ich bedaure sehr, was passiert ist“, ließ der Beschuldigte gestern über seinen Verteidiger ausrichten. „Es war ein Fehler.“

Auftakt im Totschlagsprozess. Vorerst vier Verhandlungstage hat sich das Landgericht Leipzig Zeit genommen, um die Ereignisse aufzuklären. Immerhin: Abdullah F., der Angeklagte, zeigte sich gestern geständig. Seine Schilderungen im Rahmen einer schriftlichen Einlassung deckten sich weitgehend mit der Anklageschrift. Es hatte Streit gegeben an jenem 1. September kurz nach Mitternacht. Es ging um Sex und ums Geld. Abdullah F. hatte gerade wieder ein gut gefülltes Portemonnaie. Am Vormittag hatte er im Landratsamt in Delitzsch das Budget für den nächsten Monat abgeholt. Geld, mit dem unter anderem Kleidung und Verpflegung bezahlt werden sollen. Abdullah F. und Imed G. hatten sich zum gemeinsamen Trinken auf dem Hof der Asylunterkunft verabredet, F. brachte Bier und Wodka mit. Die Lebenswege der beiden Nordafrikaner hatten sich in Spröda gekreuzt. Sie kannten sich noch nicht lange, kamen jedoch – so berichteten Zeugen – gut miteinander klar. Die Männer waren fast gleichaltrig, Imed G. allerdings größer und stärker.

Zwei Stiche mit dem Küchenmesser

Irgendwann an dem Abend kam das Thema auf die Frauen. „Ich sagte, dass ich Lust hätte“, erklärte Abdullah F. Und der Tunesier habe angeboten, für hundert Euro eine deutsche Frau zu besorgen. „Doch ich lehnte ab. Da schlug er mir mehrmals mit der flachen Hand ins Gesicht und dann mit einer Flasche auf den Kopf.“ Laut Staatsanwaltschaft war der Schlag so heftig, dass die Flasche zerbrach und F. eine blutende Wunde über dem linken Ohr erlitt. Daraufhin lief der Marokkaner ins Haus, holte ein Küchenmesser, stach auf den Kontrahenten ein. Zweimal, mit Wucht. Dann lief er weg.

Wie konnte das passieren? Direkte Augenzeugen kamen vor Gericht bislang nicht zu Wort – offenbar gibt es sie nicht. Abdullah F. und Imed G. hatten allein draußen gesessen, im Halbdunkel der Hofbeleuchtung. Mehrere Mitbewohner und ein Wachmann, die wenig später hinzukamen, konnten nur unzureichend den Zustand des mutmaßlichen Messerstechers beschreiben. War er verwirrt, ängstlich, betrunken? Letzteres definitiv: Er hatte knapp zwei Promille Alkohol im Blut. Doch er konnte normal gehen, sich artikulieren. „Ich fühlte mich in meiner Ehre gekränkt, weil ich geschlagen wurde“, erklärte der 28-jährige Beschuldigte. „Es ist aus dem Ruder gelaufen, ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.“

Alkoholsucht seit der Jugend

Aus dem Ruder gelaufen scheint die Hälfte seines Lebens. Als achtes Kind in einer Großfamilie besuchte er nie eine Schule, trank bereits als Jugendlicher exzessiv Alkohol, nahm Haschisch und Kokain. Auf der Suche nach Arbeit floh er 2012 nach Frankreich, dann nach Italien, Schweiz, Deutschland. Alkohol und Drogen blieben seine Begleiter. „Ich möchte Deutsch lernen und eine Therapie machen“, sagte F. vor Gericht. In erster Linie jedoch geht es in seinem Fall um Haft. 5 bis 15 Jahre drohen ihm. Der Prozess wird im April mit weiteren Zeugenanhörungen fortgesetzt.

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