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Delitzsch Rackwitz entscheidet sich für den Weg der Sanierung und des Abrisses
Region Delitzsch Rackwitz entscheidet sich für den Weg der Sanierung und des Abrisses
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00:18 16.12.2016
Im Rackwitzer Neubaugebiet wird der Block Märchenweg 1 a-d als Pilotobjekt saniert. Weitere sollen bis 2019 folgen. Quelle: Wolfgang Sens
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Rackwitz

Der Gemeinderat von Rackwitz hat sich mit einem Grundsatzbeschluss über wohnungswirtschaftliche Maßnahmen im Stadtumbaugebiet zum kommunalen Wohnungsbestand bekannt. Damit stellen sich die Abgeordneten einem sehr sensiblen Thema, das neben Sanierungen von Blöcken auch den Abriss von Gebäuden umfasst.

404 kommunale Wohnungen stehen zu Buche. Der Großteil sind Plattenbauten im Neubaugebiet, hinzu kommen Häuserzeilen in der Friedens- und Hauptstraße. Doch wie berichtet, bereitet das Eigentum Sorgen: Rund 30 Prozent steht leer. Und der überwiegende Teil ist in einem derart schlechten Zustand, dass er als aktuell nicht vermietbar gilt. Die Gemeinde steht deshalb am Scheideweg: Abwarten? Abreißen? Sanieren?

Um eine Entscheidungshilfe zu finden beauftragte sie deshalb das Leipziger Stadtplanungsbüro u.m.s., Mieterstruktur, Zustand der Wohnungen sowie betriebswirtschaftliche Aspekte zu untersuchen. „Ziel dieser konzeptionellen Untersuchung war die Schaffung einer Entscheidungsgrundlage, insbesondere vor dem Hintergrund einer Vermietungsstrategie sowie der mittelfristigen Investitionsplanung“, erklärt Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos). Drei Szenarien wurden dabei in Betracht gezogen – Sanierung, Teilabriss und Komplettabriss.

Wachsender Leerstand

Die Ergebnisse der Untersuchung sprechen eine deutliche Sprache. Aufgrund der statistischen Angaben zur Lebenserwartung wurde prognostiziert, dass sich der Leerstand in Rackwitz von derzeit 120 Wohnungen bis zum Jahr 2021 um 51 auf 171 erhöhen wird. Das entspricht in etwa vier Plattenbauten. Betroffen sind im gleichen Maße Wohnungen der Gemeinde und der Delitzscher Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau. Und jede leer stehende Wohnung verursacht im Jahr Kosten in Höhe von 600 Euro. „Derzeit sei zwar eine leichte Tendenz an Zuzügen zu spüren, aber allein damit seien die leeren Wohnungen nicht zu belegen. „Unser Ziel ist es, und das ist schon eine Herausforderung, die 51 hinzukommenden mit Zuzügen auszugleichen“, so Schwalbe weiter.

In seinem mehrheitlich gefassten Beschluss hat der Gemeinderat nun den wohnungswirtschaftlichen Fahrplan für die Jahre bis 2020 festgelegt. Demnach sind von 2017 bis 2018 Objekt- und Wohnungssanierungen in der Buschenauer Straße 2 und Loberstraße 2 vorgesehen. 2018 bis 2019 folgt dann die Sanierung Loberstraße 1 und 3. Das derzeit laufende Pilotprojekt Märchenweg 1 a-d dient als Vorbild. „Um Familien attraktive Wohnbedingungen anbieten zu können, wollen wir die Zusammenlegung von Wohneinheiten prüfen, denn es gibt durchaus Anfragen nach größeren Wohnungen“, sagt der Bürgermeister.

Mietniveau festgelegt

Beschlossen wurde auch, dass bei Neuvermietungen von sanierten Wohnungen das Mietniveau mindestens 5,50 Euro pro Quadratmeter betragen soll. Lagenachteile wegen Geschosszahl oder Ausstattung will die Gemeinde bei der Grundmiete berücksichtigen.

Wie bereits angekündigt, wird sich die Gemeinde aus wirtschaftlichen Gründen aber von den Blöcken Loberstraße 6 und 8 trennen. Sie sollen im Zeitraum 2018 bis 2020 abgerissen werden. Für den Abriss liegen der Gemeinde bereits Fördermittelbescheide vor. „Den Abriss werden wir aber vorsichtig und vor allem mit den Mietern vorbereiten“, versichert Schwalbe. Mit dem Grundsatzbeschluss hat die Gemeinde ihre Vermietungsstrategie zunächst darauf ausgerichtet, Mieter in freie Wohnungen umzulenken, um die Voraussetzungen für einen Abriss zu schaffen.

Von Thomas Steingen

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