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Rackwitz redet über Abriss und Sanierung

Leerstand Rackwitz redet über Abriss und Sanierung

Die Gemeinde Rackwitz feilt an Zukunftsideen für ihren Wohnungsmarkt. Konkret geht es darum, die Leerstandsquote von derzeit 30 Prozent in den kommunalen Quartieren abzusenken. Ein Wohnungswirtschaftliches Konzept liegt seit Kurzem vor – und liefert detaillierte Analysen, Prognosen und Kostenschätzungen, die zur Entscheidungsgrundlage werden sollen.

Die Blöcke in der Schladitzer und Buschenauer Straße wurden 2013 abgerissen.

Quelle: Alexander Bley

Rackwitz. 404 Wohnungen im kommunalen Bestand. Das Immobilienportfolio der Gemeinde Rackwitz ist, gemessen an ihrer Größe, ziemlich umfangreich. Der Großteil sind Plattenbauten im Neubaugebiet, hinzu kommen Häuserzeilen in der Friedens- und Hauptstraße. Doch das Eigentum bereitet Sorgen: Rund 30 Prozent steht leer. Und der überwiegende Teil ist in einem derart schlechten Zustand, dass er als aktuell nicht vermietbar gilt. Die Gemeinde steht deshalb am Scheideweg: Abwarten? Abreißen? Sanieren?

Entscheidungshilfe soll das Wohnungswirtschaftliche Konzept (WoWiKo) sein, das jetzt im Entwurf vorliegt. Die Gemeinde hat es vom Leipziger Stadtplanungsbüro u.m.s. erarbeiten lassen. Der Zustand der Häuser und Wohnungen, das Alter der Mieter, die Sanierungs- beziehungsweise Abrisskosten – all das wurde analysiert. Professor Jan Schaaf, Geschäftsführer bei u.m.s., stellte das Dokument im Gemeinderat vor. Und machte kein Hehl daraus, wie ernst die Lage ist: „Der Leerstand hat inzwischen wieder das Niveau wie vor dem Abriss der Wohnblöcke in der Schladitzer und Buschenauer Straße. Das ist katastrophal.“

Investitionsstau macht zu schaffen

Der Investitionsstau macht zu schaffen. 94 der aktuell 120 leerstehenden Wohnungen befindet sich in Zustand drei: Nur nach grundlegender Sanierung sind sie wieder vermietbar. Zustand eins – sofort vermietbar – weisen nur vier Quartiere auf. Angesichts der teils betagten Mieter in den Kommunalwohnungen geht u.m.s. davon aus, dass ohne Zutun innerhalb der nächsten fünf Jahre weitere 51 Wohnungen verwaisen. „Diese sind dann wegen zumeist langjähriger Mietverträge ebenfalls in einem Zustand, der kaum Neuvermietungen zulässt“, schilderte Schaaf.

Nichtstun scheidet insofern aus. Die Stadtplaner empfehlen der Gemeinde die Offensive. Und stellen drei Szenarien zur Auswahl. Umfassende Sanierungsmaßnahmen im kommunalen Bestand gibt es in jedem Fall: zeitgemäß, ohne Luxus, refinanzierbar mit etwa 5,50 Euro Kaltmiete. Unterschiede gibt es beim Abriss. Die zentrale Frage dabei: Werden in den nächsten Jahren die Blöcke in der Loberstraße 6a-d und 8a-d mit insgesamt 80 Wohnungen abgebrochen? Dieser Schritt wäre für die Gemeinde der kostengünstigste. Für den Abriss stünde eine hundertprozentige Förderung in Aussicht. Einschließlich der Sanierungskosten für die verbleibenden Kommunalwohnungen müsste die Gemeinde mit etwa 5,1 Millionen Euro Ausgaben rechnen, davon 4,2 Millionen Euro Eigenmittel. Die Alternative wäre ein Teilabriss: Die Loberstraße 6 wird um zwei Geschosse reduziert und saniert, nur die Nummer 8 verschwindet komplett. Gesamtkosten: rund 5,7 Millionen Euro, davon 5,1 Millionen aus der Gemeindekasse. Variante drei wäre noch einmal rund eine Million Euro teuer: der Kompletterhalt beider Blöcke samt Modernisierung.

Auch Aufbau-Genossenschaft ist betroffen

Wobei die Sanierungskosten in dieser Rechnung am stärksten zu Buche schlagen. Das bereits laufende Pilotprojekt im Märchenweg 1a-d dient als Vorlage: Etwa 875 000 Euro sind für die Rundum-Erneuerung aufzubringen. Bei Abrissen schlagen hingegen die Ausgaben für den Umzug von Mietern zu Buche, die Kosten fürs Freilenken. So weit ist die Gemeinde allerdings noch nicht. „Wir reden hier von Zukunftsoptionen für die nächsten acht Jahre, noch nicht von der Umsetzung.“ Auch Anette Pittschaft von der Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau betont, dass vor 2019 nichts abgerissen wird. Im Falle des Privatvermieters geht es um die Blöcke Buschenauer 3a-d und 4a-c mit insgesamt 70 Wohneinheiten. „Die Mieter werden von uns rechtzeitig informiert. Und wir finden für jeden eine Lösung.“

Von Kay Würker

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