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Rackwitzer laden Flüchtlinge zum Kennenlern-Treffen ein

Rackwitzer laden Flüchtlinge zum Kennenlern-Treffen ein

Rackwitz/Delitzsch. In Delitzsch sind derzeit Flüchtlingsgeschichten zu sehen. Das Missionswerk Missio führt Schülern die Schicksale in einer mobilen Ausstellung auf dem Gelände des Beruflichen Schulzentrums vor Augen.

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Spontanes Gruppenfoto mit Rackwitzern am Ende der Veranstaltung: Die Asylsuchenden wollten eine Erinnerung an diesen Abend.

Quelle: Kay Würker

. Nicht multimediale, sondern persönliche Begegnungen gab es unterdessen am Mittwochabend in Rackwitz. Mehr als 40 Asylbewerber und Flüchtlinge, die derzeit im Ort untergebracht sind, gehören seit Monaten zum Straßenbild. Wirklichen Kontakt zwischen den Neuen und den Einheimischen gab es bislang kaum. Stattdessen reichlich Unsicherheiten auf beiden Seiten. Die Gemeindeverwaltung wagte nun zusammen mit zahlreichen Helfern den Schritt vom Nebeneinander zum Miteinander. Sie lud zu einer Informationsveranstaltung speziell für die Flüchtlinge ein - und holte diverse Akteure aus dem Dorf hinzu. Was mit vorsichtigem Herantasten begann, endete rund zwei Stunden später als gesellige Runde mit Späßen und Scherzen.

Gekommen waren viele der Syrer, Eritreer und Somalier, die in Wohngruppen im Apartmenthotel im Neubaugebiet leben. Treffpunkt: die Sporthalle an der Grundschule. Nach und nach fanden sich die jungen Männer ein, ein bisschen zögerlich, sichtlich gespannt, was und wer sie da wohl erwartet. Und es warteten einige: Vertreter des Sportvereins TSV, der Kirchgemeinde Podelwitz-Wiederitzsch, des Landratsamtes, der Gemeindeverwaltung. Auch Sozialarbeiter, Polizei und Gemeinderäte. Manches Gesicht war den Asylsuchenden schon vertraut. Das des ortsansässigen Arztes zum Beispiel, der plötzlich diverse neue Patienten ohne Deutsch- und Englischkenntnisse hat, was einige Probleme mit sich bringt. Oder das von Simone Maass. Eine gute Frau, lobte einer der Eritreer. Sie sei die erste gewesen, die ihnen einen Ball für den Bolzplatz gegeben habe. Seitdem spielen viele von ihnen regelmäßig auf dem Areal, allerdings unter sich.

"Wir sind ein großer Verein, bei uns gibt es nicht nur Fußball", erzählte TSV-Vorsitzender Heinz Böhmer in versammelter Runde. "Wer macht denn auch andere Sportarten? Volleyball? Tischtennis?" Die Hände gingen hoch, Heinz Böhmer ermunterte zum näheren Kennenlernen bis hin zur Vereinsmitgliedschaft. Möglich wurde das freilich nur durch einen Dolmetscher. Moez Fehri, gebürtiger Tunesier und seit 1997 in Deutschland, übersetzte nicht nur ins Arabische, sondern hatte streckenweise auch die Rolle des launigen Moderators inne. Der 48-Jährige ist als Sachbearbeiter beim Landratsamt angestellt, hat in der Behörde täglich mit Übersetzungen zu tun. Allerdings musste sich auch Fehri unter den Asylbewerbern Hilfe organisieren: Einige verstehen weder Englisch noch Arabisch, sondern nur Tigrinisch, eine der neun Nationalsprachen Eritreas.

Wo es emotional wurde, waren jedoch Gesten vielsagender als Worte. Es wurde gelacht, applaudiert. Oder sich zum Zeichen der Zustimmung erhoben - zum Beispiel als Mitglieder der Kirchengemeinde zum religionsübergreifenden Arbeitseinsatz in Podelwitz einluden. Auch Bürgermeister Manfred Freigang (UWR) erntete Zusagen stehenden Fußes, als er informierte, dass sich "der Betriebshof über Hilfskräfte freuen würde, die aus Lust und Zeitvertreib einfache Tätigkeiten übernehmen". Wer Fragen habe, sei im Rathaus stets willkommen, betonte er.

Willkommen sind laut Gemeindeverwaltung im Übrigen auch Einheimische, die Fragen zur Unterbringung von Flüchtlingen haben. Statt der Diskussionen in Internetforen solle der offene Dialog gepflegt werden. Dieser Mittwochabend indes war allein für die Asylsuchenden gedacht. Dieses Treffen habe eine Menge gebracht, resümierte Freigang. Das nächste soll folgen, voraussichtlich in drei, vier Monaten.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2015
Kay Würker

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