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Wer rettet den Feldhamster im Raum Delitzsch? Bauern locken die Anreize kaum

Tier des Jahres 2016 Wer rettet den Feldhamster im Raum Delitzsch? Bauern locken die Anreize kaum

Es ist das einzige Vorkommen von Feldhamstern in Sachsen und es liegt südwestlich von Delitzsch. Die Population ist nach wie vor sehr klein, die Gefahr des Aussterbens groß. Eine Kooperation wird sich bis zum Jahr 2020 weiterhin darum kümmern, dass der Fortbestand des Hamsters gesichert ist.

Der Feldhamster- das Tier des Jahres 2016 - ist weiter gefährdet. Einzige Population in Nordsachsen ist sehr klein.
 

Quelle: dpa

Nordsachsen.  Er kann maximal 35 Zentimeter groß werden, hat ein buntes Fell mit schwarzem Bauch und wiegt höchstens so viel wie eine halbe Tüte Mehl. Der Feldhamster ist das Tier des Jahres 2016. Bereits zum zweiten Mal hat er es dazu gebracht – schon 1996 wurde der nachtaktive Nager ausgewählt. Der Nabu-Landesverband Sachsen sieht darin ein Zeichen, dass diese äußerst gefährdete Tierart weiterhin Aufmerksamkeit und vor allem Schutz braucht. In den Roten Listen Deutschlands und Sachsens wird der Feldhamster als vom Aussterben bedroht geführt, und die Naturschützer teilen nach wie vor diese Einschätzung.

Vor allem eine intensive Landwirtschaft, aber auch immer frühere Erntetermine, Pestizide und natürlich auch moderne Landmaschinen machen es dem Feldhamster schwer, ausreichend Nachwuchs großzuziehen.

 Das letzte sächsische Verbreitungsgebiet der Feldhamster liegt südwestlich von Delitzsch, den nördlichen Rand bilden dabei die Ortschaften Doberstau, Zschernitz und Storkwitz, im Süden ist es Glesien. Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nordsachsen ist aber auch die dortige Population der Feldhamster „in der Individuenzahl immer noch zu gering“, der Zustand instabil. Das Naturschutzinstitut Leipzig hat die Besiedlungsdichte in den vergangenen Jahren ermittelt. Zahlen liegen derzeit für die Jahre 2007 bis 2011 vor. Demnach gab es durchschnittlich auf den von Feldhamstern bewohnten Flächen im Delitzscher Raum nur etwa 0,5 Baue auf einem Hektar. „2008 und 2009 gab es auf einzelnen Feldern noch eine Besiedlungsdichte von mehr als zwei Bauen pro Hektar“, erklärte Thomas Krönert. 2011 lag die höchste ermittelte Baudichte bei nur noch 0,9 Bauen pro Hektar. „Das war aber nur auf einem von insgesamt 39 begangenen Feldern“, so Krönert.

Er führt den Rückgang auf einzelnen Schlägen vor allem auf ungünstige Fruchtfolgen zurück, es wurden dort Zwiebeln, Mais und Rüben angebaut. Der Feldhamster ernährt sich aber vor allem von Getreidekörnern, Halmen, Kräutern, Möhren oder Kartoffeln.

„Die Umsiedlung von Einzeltieren hat die Population nicht zusätzlich geschwächt“, teilte die nordsächsische Naturschutzbehörde mit. 2001 war es in der Gemarkung von Wiedemar zu einer beispiellosen Umsiedlungsaktion von Feldhamstern gekommen. 146 Tiere wurden auf einer etwa 16 Hektar großen Ackerfläche, die für die Erweiterung des Gewerbegebietes vorgesehen war, gefangen und umgesetzt. Eine Kontrolle des Nabu ein Jahr später hatte ergeben, dass „die Umsiedlung erfolgreich verlaufen“ ist. Doch darauf kam es nicht vordergründig an, es ging um die Schaffung nachhaltiger Lebensbedingungen für die Feldhamster. 2008 kamen mehrere Partner zusammen, um das Projekt zur Rettung des Feldhamsters ins Leben zu rufen. Neben dem Nabu Sachsen beteiligen sich daran das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, der Regionalbauernverband Delitzsch und auch der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen. Die Kooperation wurde bis in das Jahr 2020 verlängert. Ziel ist es unter anderem, betroffene Landwirte mit dem Projekt vertraut zu machen, sie für eine hamstergerechte Bewirtschaftung zu gewinnen. Das heißt für die Landwirte, Hamsterstreifen anzulegen, möglichst spät einen Stoppelumbruch auf den Getreidefeldern vorzunehmen, auch Zwischenfrüchte anzubauen. Die Zahl der beteiligten Unternehmen stieg in den vergangenen Jahren, hat jetzt ein Dutzend erreicht. Der Nabu geht davon aus, dass derzeit etwa 1000 Hektar hamsterfreundlich bewirtschaftet werden. Freiwillige Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen werden den Landwirten prämiert beziehungsweise Mehrkosten entschädigt.

Krönert geht jedoch davon aus, das diese Anreize „offensichtlich zu wenig lukrativ“ sind. „Wir sind erst am Anfang eines Weges einer Integration von Artenschutzmaßnahmen in die moderne Landwirtschaft“, glaubt auch Heike Weidt vom Landschaftspflegeverband.

Von Ditmar Wohlgemuth

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