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Roitzschjoraer Gartenanlage macht weiter – trotz Überflutungen

Schadensbeseitigung Roitzschjoraer Gartenanlage macht weiter – trotz Überflutungen

Auf 96 000 Euro bezifferte ein Gutachten die Schäden in der Gartenanlage Muldetal in Roitzschjora nach der Flut 2013. Nur kurzzeitig dachten die Kleingärtner ans Aufgeben. Allerdings wissen die Hobbygärtner auch, dass sie im Polder Löbnitz liegen und der bei Gefahr geflutet werden kann.

Axel Wohlschläger, Helmut Herrmann, Stephan Seide und Marco Hammermann (von links) auf dem sanierten Hauptweg in der Gartenanlage Muldetal in Roitzschjora.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Roitzschjora. Die Gartenanlage Muldetal in Roitzschjora ist vermutlich die am meisten von Naturkatastrophen heimgesuchte in ganz Nordsachsen. Ihre Mitglieder aber sind standhaft. Bereits 2002 im August erwischte es die Anlage mit den damals 68 Parzellen, als die Jahrhundertflut über sie hereinbrach. 2013 kam der nächste K.o.Schlag. Wieder war es das Muldewasser, das monatelang in den Gärten stand. 2015 traf den Gartenverein auch noch ein Tornado, der schlimme Verwüstungen hinterließ. „Untergegangen sind wir nie“, sagt Stephan Seide, Vorsitzender seit Ende 2013. „Aber die Vereinsauflösung war trotzdem schon mal ein Thema“, räumt er ein. Vor allem, als die dreckige Brühe der zweiten Flut bis zu dem Dächern der Gartenhäuser stand, die Verzweiflung am größten war und quasi erneut von vorn angefangen werden musste. „Die wenigsten Pächter waren versichert, mussten die Schäden meist selbst tragen. Einige wollten und konnten es nicht mehr“, erinnert sich der Vize-Vorsitzende Marco Hammermann. „Gut ein Drittel der Mitglieder haben wir damals verloren, es waren vor allem ältere“, so Seide.

Mittlerweile habe sich der Mitgliederbestand aber wieder stabilisiert, aus den 68 Parzellen sind 54 geworden, wovon gerade mal vier noch frei sind. „Es ist die nahezu perfekte Lage der Anlage, die dem Verein die Attraktivität gibt“, urteilt Helmut Herrmann vom Kreisverband Leipzig der Kleingärtner Westsachsen. „Die Ruhe, die Nähe zur umgebenden Natur, das Wasser des Alten Muldearmes.“

Spenden haben geholfen

Doch es habe jede Menge Mühe und Geld gebraucht, bis die Anlage wieder so aussah, wie sie sich jetzt präsentiert. „Ein Gutachten beziffert etwa 96 000 Euro Schaden“, erklärt Seide. Dort sind aber nur jene Schäden notiert, die das Vereinseigentum und öffentliche Bereiche der Anlage betrafen. Was die Pächter selbst investieren mussten, wurde bislang noch nicht zusammengetragen. Für den Verein war die Summe utopisch hoch. Mit zahlreichen Spenden brachte der Verein knapp 18 000 Euro zusammen. Letztlich gereicht hat es für die bauliche Absicherung des Vereinshauses, es drohte einzustürzen, und für die Anschaffung eines Stahlblechcontainers für Werkzeuge und Material. Für die Schwemmgutberäumung hatte schnell die Gemeinde gesorgt. Die Gemeinde war es dann auch, die im Rahmen der Flutschadensbeseitigung das Gelände der Anlage genau unter die Lupe nahm und konkrete Maßnahmen planen ließ. Im Zuge dessen ist jetzt der Hauptweg wieder instandgesetzt worden. Er wird jetzt mit einem Schlagbaum gesperrt, nur Berechtigte haben Zufahrt. „Früher wurde hier mit hoher Geschwindigkeit durchgefahren“, erzählt Seide. Doch nun seien deutlich mehr Kinder in der Anlage, die geschützt werden müssen. Verschwunden sind in dem Zuge auch Stellflächen, die sich unmittelbar am Ufer des Alten Muldearmes befanden. „Damit wird jetzt der Gewässerschutzstreifen eingehalten“, erklärt Axel Wohlschläger (CDU). Neue Parkmöglichkeiten für die Vereinsmitglieder sind auf den Flächen zweier ehemaligen Gärten entstanden. Am Wochenende wird der Parkraum trotzdem knapp. Zusätzliche Carports könnten Abhilfe schaffen.

Tafelgärten könnten entstehen

Für die noch freien Parzellen könnte sich Seide eine Nutzung als Tafelgärten vorstellen. Gespräche sind derzeit im Gange. Die Roitzschjoraer Anlage ist im übrigen auch eine, die über einen eigenen Sportplatz verfügt. Allerdings müssen die Kleingärtner weiterhin damit rechnen, überflutet zu werden. Die Anlage liegt im Polder Löbnitz. „Vor einem Hochwasser, wie es statistisch alle 25 Jahre auftritt, sind sie sicher“, bemerkte Wohlschläger. Im Falle eines höheren Pegels würde der Polder geflutet.

Von Ditmar Wohlgemuth

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