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Rolli-Club feiert 14. Geburtstag nach durchwachsenen Zeiten

Rolli-Club feiert 14. Geburtstag nach durchwachsenen Zeiten

Über Krankheiten reden? Hier nicht! Mit dem Schicksal hadern? Bitte nicht! Im Selbstmitleid ertrinken? Alles, nur das nicht! Ja, eine eiserne Regel haben sie beim Rollitreff des Diakonischen Werks: "Man kann hier wirklich alles, nur nicht jammern", sagt Gabriele Möritz.

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Zwei Freundinnen und starke Frauen: Gisela Müller (links) und Gabriele Möritz sind die Chefinnen des Rolli-Clubs.

Quelle: Christine Jacob

Die 61-Jährige ist die Chefin des Rolli-Clubs. Die Gruppe, die im September ihren 14. Geburtstag feiern wird, ist mehr als Selbsthilfe: "Wir sind eine verrückte Truppe", ist Gabriele Möritz überzeugt. In der Tat. Gejammert wird nicht. Lieber wird mal ein Witz oder ein eben nur vermeintlich dummer Spruch wie "Wir sitzen hier ja eh nur dumm rum" gerissen. Die Krankheiten oder Unfälle, die sie in den Rollstuhl gebracht haben, machen die Mitglieder des Treffs nicht zum Thema. "Klar, am Anfang spielt es beim Kennenlernen mal eine Rolle, aber sonst nicht", betont Gisela Müller, die Vize-Chefin, "es gibt so viele andere Dinge im Leben, über die man reden kann." Die Familie, Kinder, Enkel, Freunde. Der Rollstuhl, die Behinderung? Das ist am Ende einfach nur das verbindende Element.

"Viele Menschen glauben offensichtlich, dass wir nicht lachen oder Spaß am Leben haben dürfen", hat Gabriele Möritz erfahren. Seit fast 35 Jahren sitzt sie im Rollstuhl. Eine seltene und fortschreitende Rückenmarkserkrankung hat sie dorthin gebracht und den eigentlichen Lebensplan zunichte gemacht. Aber Leben ist eben das Ungeplante. "Ich wollte eigentlich Ärztin werden, hier bin ich jetzt eben auch mal Seelendoktor", sagt die ansteckend fröhliche und energische 61-Jährige. Und denkt wieder einmal in erster Linie nicht nur an sich, sondern ihre bald 60-jährige Freundin und Mitstreiterin Gisela Müller: "Ihre Krankheit ist ja sogar noch seltener, aber sie ist stark." Seit Kindertagen kennen sich die beiden nun schon, ergänzen sich.

25 Mitglieder zählt ihr Rolli-Club inzwischen, dabei sitzen acht Mitglieder tatsächlich im Rollstuhl. "Wir hatten mal 15 Rollis, aber viele sind gestorben", bedauert die Delitzscherin. Die Angehörigen aber bleiben dem Treff treu. Dennoch: Der Mitgliederschwund ist das, was die meisten Sorgen bereitet. "Vielleicht denken viele, dass wir ein Club nur für Alte oder nur für Religiöse sind, weil wir zur Diakonie gehören", vermutet die Leiterin, "aber das ist nicht so." Zudem hätten viele Betroffene Berührungsängste.

So war es auch bei Christel Waschk, die aufgrund einer Krankheit seit 2003 im Rollstuhl sitzt. "Ich hatte Angst, hierher zu kommen", erzählt die 54-Jährige, "jetzt weiß ich, dass diese Angst Blödsinn war. Ich hätte viel eher kommen sollen." Am Ende war es ihre Pflegeschwester, die sie in die Gruppe brachte. Missen will sie die nicht mehr. "Es ist wirklich lustig und bringt Abwechslung in meinen Alltag." Und es tue gut, mal nicht vordergründig nur über das Thema Rollstuhl zu sprechen. Wenngleich die Behinderung eine Rolle spiele: "Aber hier bekommt man zum Beispiel Tipps, welcher Zahnarzt auf Rollstuhlfahrer eingerichtet ist", lobt die Delitzscherin.

Beratung und Austausch sind Gabriele Möritz und Gisela Müller für ihre Club-Mitglieder wichtig. Und sie wollen sich einbringen, immer wieder Missstände im Umgang mit Behinderten oder im Delitzscher Stadtbild aufzeigen. "Wir sehen unsere Arbeit auch als Lobby-Arbeit", sagt Gabriele Möritz. Zu diesem Zweck hatte sie 1986 bereits eine Rolligruppe gegründet und war auf offene Ohren gestoßen. Als aber ihr Mann kurz nach der Wende schwer erkrankte, musste die Delitzscherin das Herzensprojekt erst einmal aufgeben. 1999 entstand dann der Rollitreff. Fast aber mussten sie - an dieser Stelle dürfen ihre Krankheiten Thema sein - wieder aufgeben. Es seien vor allem die drei Helferinnen und guten Seelen Ruth Krüger, Elke Sattler und Kerstin Schnelle gewesen, die den Mut zum Weitermachen gaben. "Was uns jetzt noch fehlt sind vor allem junge Mitglieder, jeder ist willkommen", hofft Gisela Müller auf neue Vereinsmitstreiter.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2013

Christine Jacob

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