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Delitzsch Rudy würde es mögen: Lissaer Label vereint Bewegung und Musik
Region Delitzsch Rudy würde es mögen: Lissaer Label vereint Bewegung und Musik
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15:01 04.05.2018
Künstlerin Conny Kanik und die Sportmanagerin Anja Kunick (rechts) stehen gemeinsam hinter dem Musiklabel RudyWouldLikeIt, das sie in Lissa gegründet haben. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
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Lissa

Wer kennt Lissa, den 500-Einwohner-Ort im Westen des Landkreises Nordsachsen? Lissa machte in den vergangenen Jahren vor allem wegen des Frauenfußball-Teams von sich reden. Hier entstand eines der ersten überhaupt in Nordsachsen. Nun hat Lissa auch ein Musiklabel: RudyWouldLikeIt heißt die Marke, unter welcher der Vertrieb musikalischer Werke in Gang gesetzt wurde. Ein Name, der soviel bedeutet, wie „Rudy würde es mögen“. Aber für alle, die mit der digitalen Welt aufgewachsenen sind, assoziiert er außerdem: Jener geheimnisvolle Rudy würde auch ein „Daumen hoch“ unter eine Facebook-Seite, ein „Like“ also, setzen. Insgesamt fünf CDs, Musik für Kinder und für Erwachsene, sind bisher unter dem Label abzurufen. Und irgendwie scheint sich jener Rudy nicht allein für Musik, sondern auch für Sport zu begeistern.

Premiere in der Kulturfabrik

Hinter dieser Geschichte stecken Conny Kanik und Anja Kunick. Ihre Namensverwandtschaft: Zufall. Alter: 38 und 43 Jahre. Beruf: Schauspielerin, Sängerin die eine, Sportmanagerin die andere. Und Conny Kanik ist am heutigen Freitag in der Halle 5 der Leipziger Kulturfabrik nahe dem Connewitzer Kreuz auf der Bühne zu erleben. Im Rahmen der Premiere der neuen Reihe „Comedy Meets Music“, die ab Herbst laufen soll, wird auch das Erscheinen der neuen CD gefeiert. Es ist ihre zweite und sie trägt den Titel „Woran glaubst du“. Es hat sieben Jahre gedauert, bis sie nach ihrem ersten Album wieder Lust hatte auf die Erwachsenen-Lieder. Nun geht es ums Leben, um die Liebe, die verschwindet, aber auch wieder neu geschaffen werden kann. Ruhige Songs, die zwar leise, aber nicht melancholisch, sondern optimistisch sind. Und die gut und gern zur seelische Aufbauhilfe taugen. „Warm und ehrlich sollte es klingen und in erster Linie mir gefallen“, erklärt Kanik. „Dabei war es spannend zu sehen, wie viel man tatsächlich selber machen kann.“

Kess statt frech

Die Sängerin und Moderatorin Conny Kanik gibt es aber auch noch als „Kess“. Die hat ihren Auftritt jeweils mit dunkler Wuschelhaar-Perücke, gelber Sonnenbrille, Regenbogen-Holzperlenkette, rotem T-Shirt. Die „Abenteuer mit Kess“ begeistern Kinder. Die Texte sind natürlich etwas einfacher als für die großen. Der belehrende Zeigefinger wird erfolgreich vermieden, hier wird der Blickwinkel einer großen Freundin eingenommen, die alles mitträgt und mitmacht. Der Name geht auf die Kanik-Großmutter zurück: „Du bist nicht frech, sondern kess“, soll sie gesagt haben. „Ich mag selbst den Traumzauberbaum von Reinhard Lakomy“, sagt die Sängerin. Die Kess-Lieder heißen dann „Manchmal möchte ich schreien“, es gibt ein Anti-Schlaflied namens „Kissenschlacht“ und vor allem den „Tanzpirat“, welcher dem Album den Namen gab. Er schaut sich die Bewegungen seiner Mittänzer ab, erfindet Neues dazu, auf das der gemeinsame Motor in Gang und alles in Bewegung kommt. Denn das ist Hauptanliegen der Kess-Konzerte, die oft gemeinsam mit Ronny Fröde, als Tommy, und Markus Zimmermann bestritten werden. „Das ist meist das Schönste, wenn das Trio unterwegs sein kann“, findet Anja Kunick. Sie berät RudyWouldLikeIt im Management. Bei der Release-Party in Connwitz wird sie somit eher vor oder hinter der Bühne zu finden sein.

Heimat-Adresse

Mit Anja Kunick klärt sich jedoch die Frage, warum das RudyWouldLikeIt-Label, hinter dem die beiden heutigen Leipzigerinnen stehen, seine Adresse ausgerechnet in Lissa bekommen hat. Denn es ist ihr Heimatdorf. Hier leben die Eltern, hier gibt es den Garten, zwischen dessen Bäumen auch mal die Slackline gespannt werden kann, weil die sowieso immer im Kanik-Auto mitfährt. „Das ist gut für die Entspannung“, sagen die beiden. In Lissa spielte Anja Kunick sogar schon als Sechsjährige Fußball. Damals noch bei den Jungs. Denn ein Mädchen-Team gab es noch nicht. Sie hat später Sportmanagement studiert. Außerdem agierte sie als Schiedsrichterin. 88 Frauen-Bundesligaspiele standen unter ihrer Leitung. Als sie 2007 Schiedsrichterin beim Weltfußballverband FIFA wurde, pfiff sie elf A-Länderspiele und zahlreiche weitere im Europapokal. Sie leitete ebenfalls Oberliga-Partien der Männer. Bei der Fußball-WM in Brasilien organisierte sie als FIFA Media Officer die Pressearbeit, saß mit Manuel Neuer und Jogi Löw auf dem Podium. Mitglied im SV 90 Lissa, wo sie noch vor zwei Jahren fürs Ü30-Team im Tor aushalf, ist sie natürlich immer noch. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt sie. Mittlerweile ist sie wieder international unterwegs und bewertet für die UEFA, dem Europäischen Fußballverband, und den Deutschen Fußball-Bund als Schiedsrichter-Beobachterin die Leistungen ihrer ehemaligen Kollegen. Und sie war ab 2012 auch für zwei Jahre Geschäftsführerin beim Frauenfußballverein USV Jena. Für diesen Club schrieb Conny Kanik damals gerade die Hymne. So lernten sie sich kennen. Zwischenzeitlich sind sie schon gemeinsam für den SV 90 Lissa aufgelaufen.

Stadtrundfahrt und Bildungsprogramm

Dabei liegen Kaniks Wurzeln nur ein paar Kilometer von Lissa entfernt. Sie ist in Schkeuditz geboren, allerdings ging es bald nach Frankfurt an die Oder. Der Vater: Trainer für Profi-Radsportler. Als Teenager wurde sie nach Baden-Württemberg zwangsumgezogen. Sie sah sich als „Protest-Ossi“. Der Bungalow im Spreewald wurde immer behalten. So konnten nun dort auch die Aufnahmen fürs „Woran glaubst du“-Album entstehen. Und der gewisse Hall, den der Wintergarten erzeugte, „ist genau das, was mir gefällt“, stellt die Sängerin fest, bei der gerade viele spannende Projekte in Arbeit sind. Ob nun die Kinderstadtrundfahrt, bei der Känguru Sidney Kinder mit auf Hoop-on-Hop-off-Tour nimmt, oder ob es Auftragsproduktionen für die innovative Bildungsprogramme sind.

Aber warum soll das alles ausgerechnet Rudy mögen? Rudy war ein toller Typ und Angetrauter der Kess-Oma, so wird er beschrieben. Er hat zwar nicht in Lissa gelebt, sondern auf Rügen. Aber er hätte auch gut in den nordsächsischen Ort Lissa gepasst. „Als ein Selbermacher, einer aus der Generation ’Wir schmeißen nix weg, wir reparieren das’. Einer, der sich das Spielen verschiedener Instrumente selbst beigebracht hat. Einer, der alles so gut gemacht hat, wie er es eben konnte. Einer, der das Leben selbst angepackt hat und dem es deshalb gefallen hätte, was wir hier tun. Weil wir es einfach machen und auf den Weg bringen“, erklärt das Duo Kanik-Kunick.

Selber machen beim Musikvertrieb

Dieses Selber machen ist nun auch im Musikvertrieb angesagt. Während das erste Kanik-Album „Immer du“ noch bei Sony Music erschienen war, wird der Verkauf der CDs jetzt vom Lande aus organisiert. Klar, reich werden ist damit nicht angesagt. Selbst die großen Bands verdienen ihr Geld nicht mehr aus dem Plattenverkauf. Aber RudyWouldLikeIt funktioniert im Prinzip auch vom Garten aus, in dem jetzt gerade die Blütenblätter von den Kirschbäumen schneien. Und zum Baden im Tagebausee ist es auch nicht weit. Aus ihrer Kindheit hat Kunik noch die Geräusche im Ohr, die die Bagger machten, erzählt sie.

„Wir haben auf Künstlerseite unterschiedlichste Erfahrungen im Musikgeschäft gesammelt und auch Lehrgeld bezahlt. Nun nehmen wir das Zepter selbst in die Hand“, so das Credo. Conny Kanik und Anja Kunick wollen sich einen eigenen Pfad durch den Musik-Vertriebs-Dschungel schlagen. „Unsere Erfahrungen geben wir auch gerne weiter und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Künstlern, die nicht darauf warten, dass ihnen das große Glück von allein in den Schoß fällt.“

Von Heike Liesaus

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