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Rückkehr der Schuster-Heiligen - Altar der Marienkirche in Delitzsch restauriert

Rückkehr der Schuster-Heiligen - Altar der Marienkirche in Delitzsch restauriert

Für Delitzschs evangelische Kirchengemeinde ist er ein Kleinod von hoher ideeller Bedeutung, für die Restauratoren des Landesamtes für Denkmalpflege ein herausragendes Zeugnis spätgotischer Gestaltungskunst.

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Restaurator Manfried Eisbein verschraubt Unterbau und Mittelschrein. Die heiligen Schuster schauen ihm zu.

Quelle: Alexander Bley

Delitzsch. Seit Mittwoch ist der Altar der Marienkirche wieder am angestammten Platz. Mehrere Monate war er in Dresden, wurde gereinigt und konserviert. „Er hat sich merklich verändert. Vieles ist jetzt besser erkennbar“, konstatiert Pfarrer Stephan Pecusa.

Muskelarbeit war gefragt, als der Altar gestern eintraf. In Einzelteilen wurde er aus dem Transporter geladen, auf den steinernen Mensatisch gehievt, montiert, justiert. Drei Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege waren eigens mit angereist, packten zusammen mit Gemeindemitgliedern an. Für den Altar war es die letzte Etappe eines langen Kuraufenthaltes.

Eine Kur, die weniger von Muskel- als vielmehr von gründlicher Feinarbeit geprägt war. Der rund 500 Jahre alte Zeitzeuge galt als „konservatorisch gefährdet“, wie es Diplom-Restauratorin Annegret Michel ausdrückt. Zwar war er in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfach in Expertenhand, zuletzt 1988. Doch was damals als Heilmittel galt, erwies sich im Nachhinein als Fehlentscheidung. „Bei der letzten Restaurierung wurde der Kunststoff Polyurethan verwendet, der jedoch mit der Zeit weich wird und nicht dauerhaft hält“, erklärt Annegret Michel.

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Delitzsch. Für Delitzschs evangelische Kirchengemeinde ist er ein Kleinod von hoher ideeller Bedeutung, für die Restauratoren des Landesamtes für Denkmalpflege ein herausragendes Zeugnis spätgotischer Gestaltungskunst. Seit Mittwoch ist der Altar der Marienkirche wieder am angestammten Platz. Mehrere Monate war er in Dresden, wurde gereinigt und konserviert.

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Nun also der erneute Anlauf. In einem klimatisierten Atelier unterm Dach des Landesamtes wurden das Holz und die sogenannte Fassung – Grundierung, Farben und Vergoldung – gereinigt sowie lose Teile befestigt. Zuvor wurde dem Holzwurm zu Leibe gerückt, der sich mit Vorliebe am weichen Lindenholz der Schnitzereien gütlich tut. Sechs Wochen Stickstoffkammer standen auf dem Programm. Zudem galt es, Fehlstellen in der Farbgebung zu schließen. Allerdings nur in begrenztem Maße. „Wir wollen nichts hinzu erfinden oder verfälschen. Deshalb fehlen zum Beispiel auf der Rückseite mehrere Gesichter“, sagt die Diplom-Restauratorin. „Oberster Grundsatz ist die Achtung vor dem Original.“

Und so hat der Altar auch nicht die Anmut seiner ersten Jahre zurückerhalten. Das Silber ist weiterhin dunkel verfärbt; der Pressbrokat, einst bunt und glitzernd, wirkt stumpf. Um an diesen Stellen die frühere Optik zurückzuholen, hätte Alt gegen Neu ersetzt werden müssen. Ein Tabu.

Trotzdem hat das Kleinod viel Schönheit zurückgewonnen. Und es wird deutlich, was die Fachleute aus Dresden so fasziniert: „Dieser Altar vereint alles, was es an mittelalterlichen Fasstechniken gab“, schwärmt Annegret Michel. Er stecke voller Details. „Außerdem“, ergänzt Stephan Pecusa, „ist er nach derzeitigen Erkenntnissen der letzte in Deutschland erhaltene Altar einer Schuhmacher-Innung.“ Die Schuster-Heiligen Crispinus und Chrispinianus, die im Unterbau bei der Arbeit zu sehen sind, zeugen davon. Auch andere Innungen setzten sich in der katholischen Kirche mit solchen Seitenaltaren ein Denkmal. Allerdings begann bekanntermaßen vor rund 500 Jahren die Zeit der Reformation. Der Schuhmacher-Altar wurde um 1570 von der Stadt- in die Marienkirche gebracht, erlebte dort eine wechselvolle Geschichte, die im Rückblick selbst Historiker nicht mehr genau nachzeichnen können. Seinen heutigen zentralen Standort im Gotteshaus an der Marienstraße erhielt der Altar um 1960.

Dass er nun restauriert werden konnte, liegt an der guten, langjährigen Zusammenarbeit zwischen Delitzscher Kirchengemeinde und Landesamt. Nachdem 2007 zunächst der Altar der Stadtkirche Peter und Paul konserviert und gesäubert worden war, starteten die Dresdner in der Marienkirche mit einer Pilotarbeit an den Schreinflügeln, suchten nach passenden Restaurierungsmethoden. Kosten wurden geschätzt, Gelder akquiriert, eine Ausschreibung gestartet. Zwei freiberufliche Restauratorinnen kümmerten sich dann um Mittelschrein und Unterbau, die sogenannte Predella. Pfarrer Pecusa beziffert die Kosten auf rund 25000 Euro, gestemmt sowohl aus Mitteln der Ostdeutschen Sparkassenstiftung als auch aus Privatspenden.

Und damit nicht genug. Um doch noch einen Eindruck zu gewinnen, wie der Altar vor rund 500 Jahren ausgesehen haben könnte, arbeiten Experten des Landesamtes für Denkmalpflege derzeit an Nachbildungen. „Wir nehmen Holzbretter und empfinden Pigmentierungen oder die Technik der Radierungen auf Basis unserer Erkenntnisse 1:1 nach“, schildert Annegret Michel. „Auch das Labor der Kunsthochschule Dresden ist eingebunden, um damals verwendete Materialien zu analysieren.“ Die Kirchengemeinde soll die Probetafeln samt schriftlicher Dokumentation anschließend erhalten.

Stephan Pecusa freut sich – und ist in Gedanken weiter: Auch die wertvolle Kanzel in der Marienkirche müsse dringend restauriert werden, langfristig außerdem das Portal.

Kay Wuerker

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