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Rund 100 Prozent Anschlussquote: Alles im Fluss beim Rackwitzer Abwasser

Rund 100 Prozent Anschlussquote: Alles im Fluss beim Rackwitzer Abwasser

Nach 21 Jahren Arbeit ist es vollbracht: Sämtliche Haushalte im Einzugsgebiet des Abwasserzweckverbandes Oberer Lober sind an die Kläranlage bei Zschortau angeschlossen.

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Die Kläranlage bei Zschortau ist die Endstation des Rackwitzer Abwassers. Und ein beliebter Tummelplatz für Vögel.

Quelle: Wolfgang Sens

Rackwitz. Lediglich zwei ehemalige Mühlengrundstücke in Lemsel und Kreuma liegen derart abseits, dass dort weiterhin dezentral geklärt wird. "Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt", bilanziert Verbands-Geschäftsführer Wolfgang Rühl. Gerade wurden die letzten Beitragsbescheide für Hausanschlüsse verschickt, nun ist dieses Thema abgehakt. Der Verband, der die Gemeinde Rackwitz, die Schkeuditzer Ortslage Wolteritz und einen Gewerbeanschluss am nördlichen Leipziger Stadtrand abdeckt, widmet sich nun fast ausschließlich um die Wartung und Instandhaltung seines Netzes.

Sorgenfrei ist der AZV Oberer Lober allerdings nicht. "Der Wasserverbrauch vor Ort liegt weit unter dem deutschen Durchschnitt, außerdem war die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren rückläufig", erklärt Wolfgang Rühl. Besonders die Schließung der Mittelschule in Zschortau habe in der Abwasserbilanz sehr negativ zu Buche geschlagen. Und so mancher Privathaushalt falle mit äußerst niedrigen Mengen auf. "Wenn eine Drei-Personen-Gemeinschaft nur drei, vier Kubikmeter jährliche Abwassermenge angibt, ist das fragwürdig." Hintergrund: Eine Reihe von Haushalten im ländlichen Raum nutzt Brunnen für die Versorgung mit Brauchwasser. Das spart Trinkwassergebühren - für die Menge an eingeleitetem Abwasser muss jedoch bezahlt werden. An dieser Stelle gebe es offenbar ein Leck in der Kalkulation.

Eine neue AZV-Gebührensatzung soll in dieser Sache nun klare Bedingungen schaffen. "Kann ein Haushalt die minimalen Abwassermengen nicht plausibel erklären, wird jetzt eine Schätzgröße angesetzt", sagt Rühl: 30 Kubikmeter pro Jahr und Person. Diese Größe orientiere sich am aktuellen Mittelwert im Verband, der bei 27 Kubikmeter pro Person liege. Die neuen Gebührenbescheide, die erstmals nach der im Vorjahr beschlossenen Satzung erstellt werden, gehen dieser Tage nach und nach in die Post. Wolfgang Rühl rechnet mit Anrufen.

Für den 62-jährigen Verbandschef ist die Satzungsänderung eine Sache der Gerechtigkeit. "Was der eine nicht zahlt, zahlt der Nachbar." Und die Kosten der Abwasserreinigung seien nunmal weitgehend mengenunabhängig. Der Betrieb läuft, so oder so. Wobei die Energiekosten ein Hauptbelastungsfaktor sind. Allein die Kläranlage nördlich von Zschortau koste monatlich rund 4000 Euro. Immerhin: In den vergangenen Monaten wurde dort in stromsparende Technik investiert. Unter anderem neue Kompressoren und ein modernes Pumpsystem wurden verbaut.

In den nächsten Jahren sieht sich der AZV Oberer Lober insbesondere vor der Aufgabe, die laufenden Kredite zu tilgen. Im Moment beträgt die Eigenkapitalquote 33 Prozent - es gibt noch einige Verbindlichkeiten bei den Banken. "Nach der Verbandsgründung 1993 wurde ein hohes Kreditvolumen aufgenommen. Als Eigenanteil für entsprechend umfangreiche Fördermittel", schildert Wolfgang Rühl, seit dem Jahr 2000 Geschäftsführer. Das Geld floss vor allem in den Ausbau. "95 Prozent des heutigen Netzes wurden neu gebaut, auch die Kläranlage." Nur das Kanalsystem im Rackwitzer Neubaugebiet sei unangetastet geblieben, weil es noch vergleichsweise jung war.

Aktuell zählt der AZV Oberer Lober etwa 1300 Haushalte zu seinen Kunden. Im Jahr 2013 wurden deren Gebühren erstmals in der Verbandsgeschichte leicht gesenkt - auf 2,82 Euro pro Kubikmeter im Volltarif und 2,21 Euro Grundgebühr. Damit ist zunächst bis 2017 bei den Rackwitzern alles geklärt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2015
Von Kay Würker

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