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SPD-Spitzen aus Nordsachsen stärken Großkreis-Befürworter Wittig bei Klausur den Rücken

SPD-Spitzen aus Nordsachsen stärken Großkreis-Befürworter Wittig bei Klausur den Rücken

Zschölkau. Was für die CSU alljährlich im Januar Wildbad Kreuth ist, war für ranghohe Sozialdemokraten aus dem Landkreis Nordsachsen am Sonnabend das verschneite Zschölkau in der Gemeinde Krostitz.

. Mit Blick auf den Kreisparteitag am 13. März in Eilenburg trafen sich Kreisvorstandsmitglieder, Ortsvereinschefs und Fraktionsvorsitzende, um bei einer Klausurtagung die Arbeit inhaltlich zu ordnen und einem Personalgerangel vorzubeugen, das der SPD bis zuletzt drohte. Deshalb leitete das Treffen auch nicht Kreisparteichefin Liane Deicke, sondern eine Moderatorin von auswärts. Mit Erfolg, wie es hieß.

Nach den Diskussionen der vergangenen Tage war klar: Um das von Heiko Wittig, Vorsitzender der SPD/Grünen-Fraktion im Kreistag, entfachte Feuer namens „Großkreis mit dem Leipziger Land“ würde sich die Klausur-Runde kümmern müssen. Tat sie auch – und zwar überwiegend einmütig, wie Teilnehmer berichteten. Wittigs Vorstoß wird von fast allen Genossen im Großen und Ganzen mitgetragen. Bei diesem spannenden Thema war die Wahl der Moderatorin jedenfalls goldrichtig, denn mit Deickes Landtagskollegin Petra Köpping (SPD) saß die ehemalige Landrätin des Leipziger Landes mit am Tisch.

Wie berichtet, sieht der Löbnitzer Wittig angesichts des 25-Millionen-Haushaltsloches für den Kreis Nordsachsen keine wirkliche Überlebenschance. In der Beratung verwies er auf drei Wege, die aus dem Dilemma führen könnten: 1. Einsparungen im freiwilligen Bereich sowie Verkauf von wertvollen Beteiligungen und verstärkte Belastung der Kommunen; 2. Einsatz eines Amtsverwesers; 3. Auflösung der Landesdirektion Leipzig und freiwilliger Zusammenschluss mit dem Nachbarkreis Leipziger Land.

Weil Variante 1 das Problem nur aufschiebe, das letzte Tafelsilber koste und die eigentliche Ursache, die enorme Strukturschwäche, nicht behebe und weil Variante 2 die Zwangsverwaltung ohne jeglichen politischen Gestaltungsspielraum bedeute, bleibe nur Variante 3, erläuterte Wittig seinen Parteifreunden. „Es muss endlich eingesehen werden, dass die Bildung zweier schwacher Landkreise um die Stadt Leipzig herum ein Fehler war, den es zügig zu korrigieren gilt.“ Der Fraktionschef steht mit dieser Meinung in SPD-Kreisen nicht alleine da. „Es ist uns zwar klar, dass diese Forderung politisch im Moment noch nicht umsetzbar ist, aber der ökonomische Druck ist so groß, dass es bald dazu kommen wird“, zeigte sich Siegfried Schönherr, Vorsitzender der Delitzscher SPD-Stadtratsfraktion, überzeugt. „Durch eine Fusion wird aus der nordsächsischen Banane eine runde Sache.“

In puncto Personal sind die hiesigen Genossen, die – das ist längst ein offenes Geheimnis – zurzeit zwei Lager um die Protagonisten Deicke und Wittig bilden, offenbar auf dem Weg zur Wiedervereinigung: Zwar sagen sie erst einmal nicht, wer künftig das Sagen haben wird, doch sind sie in Zschölkau übereingekommen, dass der Vorstand verkleinert und neue Köpfe an die Spitze des Kreisverbandes gewählt werden sollen. Also weder Deicke noch Wittig auf der Pole-Position? Stattdessen ein lachender Dritter/eine lachende Dritte?

Doch alles schön der Reihe nach, schallte es gestern aus der SPD. Zunächst müsse die Basis in den Ortsvereinen entscheiden, dann, am 13. März, bestimmten 75 Delegierte die Details, hieß es aus Kreisen der Klausur-Besucher. Deicke selber ließ offen, welche Rolle sie, welche Fraktionschef Wittig künftig spiele. Namen nahm sie überhaupt nicht in den Mund. Was Spekulationen Nahrung gibt – und Jens Kabisch ins Spiel bringt. Der Schkeuditzer, der bei der Bundestagswahl als Direktkandidat unterging, wäre ein Mann für die Zukunft. Auf Anfrage der Kreiszeitung sagte er am Sonntag: „Natürlich würde ich im neuen Kreisvorstand gern tätig sein.“ Zu näheren Auskünften ließ auch er sich nicht hinreißen.

Kathrin Kabelitz/Dominic Welters

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