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SPD setzt auf drei Herren

SPD setzt auf drei Herren

Der Atem der großen Bundespolitik schwebte am Mittwochabend über der Nominierungsveranstaltung der nordsächsischen SPD für die Landtagswahl 2014 im Gasthof Sprotta.

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Nordsachsens SPD mit Jens Kabisch an der Spitze (Zweiter von rechts) schickt diese drei Herren in den Kampf um ein Landtags-Mandat: Andreas Geisler, Hagen Scheffler und Volkmar Winkler (von links).

Quelle: Kathrin Kabelitz

Sprotta. Die Unterschriften unter die Koalitionsverträge in Berlin waren erst ein paar Stunden gesetzt, da schwor Ursula Fritzsche vom Ortsverein Döllnitztal die 57 Genossen bereits darauf ein, dem Kontrakt in der bevorstehenden Mitgliederbefragung zuzustimmen. An diesem Abend aber waren die Antworten zunächst in einer anderen wichtigen Frage zu finden: Wer geht für die SPD 2014 ins Rennen um ein Landtagsmandat? Mit Andreas Geisler, Hagen Scheffler und Volkmar Winkler gab es pro Wahlkreis je einen Bewerber. Diese Herren wurden gewählt.

 

 

Im Wahlkreis 34 (Delitzsch, Krostitz, Löbnitz, Rackwitz, Schkeuditz, Schönwölkau, Wiedemar) tritt Andreas Geisler (47 Jahre, verheiratet, drei Kinder) an. Der Bäckermeister wohnt in Leipzig-Lindenthal, ist dort Ortsvorsteher und Gemeinderat. Acht Jahre war er Elternsprecher im Gymnasium Schkeuditz, bevor er gebeten wurde, zu helfen, den Kreiselternrat in Nordsachsen aufzubauen. Jetzt ist er Stadtelternratsvorsitzender in Leipzig. Bildungspolitik sehe er als einen Schwerpunkt an. Er kenne die Probleme des Landkreises gut. Nordsachsen sei in vielen Prozessen "abgehangen." Die Koordinierung zwischen Uni, Kammern, Schule funktioniere beispielsweise in Leipzig besser. Er setze sich für eine bessere Mobilität ein: "Wir wollen erreichen, dass jeder Schüler durch Vorzeigen seines Ausweises sachsenweit mit jedem öffentlichen Verkehrsmittel fahren kann." Ein weiteres Ziel sei, dass Schulsozialarbeit verpflichtend ins Schulgesetz aufgenommen wird, und so "jede Schule, die das will, einen Schulsozialarbeiter bekommt." Geisler wurde mit 61,4 Prozent der Stimmen gewählt.

Im Wahlkreis 35 (Bad Düben, Doberschütz, Dommitzsch, Eilenburg, Elsnig, Jesewitz, Laußig, Mockrehna, Taucha, Trossin, Zschepplin) kandidiert Hagen Scheffler (30 Jahre, ledig). Der Tauchaer absolvierte eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, war Schülersprecher und engagierte sich in der Jugend- und Auszubildenden-Vertretung. Er ist unter anderem Mitglied der Gewerkschaft ver.di. und Kreisrat. Schwerpunkte setzt er in der Gesundheits- und Arbeitnehmerpolitik und in der Jugendarbeit. "Ich möchte erklären, weshalb wir wieder eine sozialere und vernunftorientiertere Politik brauchen. Ich werde nicht versuchen, den Leuten auf Krampf einen Gemischtwarenkorb zu präsentieren, in dem auch der Letzte was finden möge, was ihn auch anspricht." Er halte es für wesentlich, dass sich die SPD auf Kernelemente fokussiere, vor allem auf jene, die die Partei einst von anderen demokratischen Volksparteien abgehoben habe. Scheffler wurde mit 89,5 Prozent der Stimmen gewählt.

Im Wahlkreis 36 (Arzberg, Beilrode, Belgern-Schildau, Cavertitz, Dahlen, Dreiheide, Liebschützberg, Mügeln, Naundorf, Oschatz, Torgau, Wermsdorf) heißt der Kandidat Volkmar Winkler (54 Jahre, verheiratet, Patchworkfamilie mit fünf Kindern). Winkler ist gelernter Gartenbauingenieur, qualifizierte sich später zum Diplom-Verwaltungs-Betriebswirt und Rechtsökonom. Er ist seit 24 Jahren Bürgermeister (seit drei Jahren in Mügeln), war Initiator von drei freiwilligen Gemeindefusionen, musste sich so vier Direktwahlen unterziehen, erreichte dabei Ergebnisse von 86 bis 96 Prozent: "Ich will so darlegen, wie schwierig es ist, aus einer laufenden Legislatur heraus für den Landtag zu kandidieren." Dafür habe er Gründe. "Ich sehe Gefahren für die Bürger im strukturschwachen Raum. Zur ungünstigen demografischen Entwicklung kommt Knappheit der Finanzen. Ich sehe mittelfristig den verfassungsmäßigen Grundsatz, gleichwertige Lebensverhältnisse in allen drei Räumen des Landes zu schaffen, kaum noch erfüllbar. Wir stoßen an Grenzen, werden mehr zum Verwalter als zum Gestalter. Wir sind gezwungen, Dienstleistungen der Daseinsvorsorge zu immer höheren Kosten auf die Bürger umzulegen." Diese Erfahrungen als Kommunalpolitiker wolle er im Landtag einbringen. Winkler wurde mit 78,9 Prozent der Stimmen gewählt.

Zwei Namen fehlten in den Kandidaten-Listen. Liane Deicke, seit zehn Jahren im Landtag, tritt aus privaten und familiären Gründen nicht wieder an. "Das war ihre rein persönliche Entscheidung und die akzeptiere ich", so Jens Kabisch. Die Krostitzerin hatte im Oktober das Amt der Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft übernommen. Ebenso nicht dabei: Heiko Wittig, der für Nordsachsen für den Bundestag kandidiert hatte, gegen Marian Wendt (CDU) aber unterlag. "Natürlich hätte man vermuten können, dass er jetzt für den Landtag antritt. Aber auch das ist seine Entscheidung. Heiko Wittig ist Fraktions-Chef im Kreistag, konzentriert sich auf die Vorbereitung der Kommunalwahlen und will die Stärke seiner Fraktion halten beziehungsweise ausbauen", so Kabisch. Im Übrigen gehört auch der 28-Jährige nicht zur Schar der Auserwählten: "Ich richte meinen Fokus derzeit auf die berufliche Entwicklung."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2013
Kabelitz, Kathrin

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