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Schichtbeginn im Schienenfahrzeugwerk: Malaysische Schüler schnuppern Praxisluft

Schichtbeginn im Schienenfahrzeugwerk: Malaysische Schüler schnuppern Praxisluft

Es sei eine schwere Arbeit, aber sie mache ihnen Spaß, erzählen Ng Wai Yang und Wan Aiman, während sie im Bereich Fertigung Komponenten mit der Demontage von Radsätzen beschäftigt sind.

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Gunther Sroka (Zweiter von links) im Gespräch mit den Praktikanten.

Quelle: Thomas Steingen

Die beiden sind zwei von vier malaysischen Fachabiturienten, die bei EuroMaint in Delitzsch ein vierwöchiges Praktikum absolvieren. Jeden Tag stehen die 19- und 20-Jährigen um 5.30 Uhr auf, um pünktlich vom Studentenwohnheim in Leipzig-Lößnig zu Schichtbeginn um 6.30 Uhr in Delitzsch zu sein. Bis 14.45 Uhr erleben sie an der Seite ihrer deutschen Kollegen den Arbeitsalltag im Schienenfahrzeugwerk. Unter der Obhut von Werkstattmeister Jörg Barth durchlaufen sie in seinem Verantwortungsbereich Drehgestell- und Radsatzwerkstatt, wo sie selbst mit Hand anlegen können. "Nur Maschinen wie die Presse dürfen sie aus Sicherheitsgründen nicht bedienen", erklärt der Meister.

In den vergangenen drei Jahren haben insgesamt acht junge Malaysier bei EuroMaint in Delitzsch ein Industriepraktikum absolviert. Und auch diesmal ist Jörg Barth mit seinen Schützlingen sehr zufrieden. "Sie sind fleißig, engagiert, interessiert, neugierig und immer pünktlich", berichtet der 61-Jährige, der seit 44 Jahren im Werk arbeitet. Das bestätigen auch seine Schlosser in der Werkstatt. "Wir kommen gut mit den Jungs klar", sagt Gunther Sroka, als sich die vier Praktikanten um ihn versammelt haben.

Vieles ist für die Schüler völlig neu und spannend. Es gilt Vorschriften einzuhalten, es sind Sicherheitsschuhe und Arbeitskleidung zu tragen. "Auf die Kittelschürzen waren sie besonders scharf", erzählt der Meister. Aber auch die Verhaltensregeln oder die Verschwiegenheitsverpflichtung sind Dinge, die sie so noch nicht kannten. Deshalb fragen sie viel, denn sie sollen bei diesem Praktikum auch die deutsche Mentalität kennenlernen.

Seit drei Jahren durchlaufen Absolventen des German Malaysian Institute (GMI) ein Vorbereitungstraining auf ihr Fachhochschulstudium an mitteldeutschen Hochschulen in Leipzig. Organisiert und geleitet wird der Kurs von Wolfgang Zimmermann, der zwischen 1999 und 2004 das internationale Bildungszentrum in Zschortau geführt hat. Er arbeitet seit 13 Jahren mit dem malaysischen Partner zusammen und baut mit ihm eine Struktur auf, in der verstärkt malaysische Studenten an mitteldeutschen Hochschulen studieren werden. Zu den fachlichen Schwerpunkten gehören Maschinenbau, Mechatronik und Energie- und Umwelttechnik. Ng Wai Yang und Wan Aiman sowie ihre beiden Mitstreiter Syed Ahmad Safin und Amri Redhuan beginnen am 1. Oktober ihr Studium. Einer an der HTWK in Leipzig, je einer in Mittweida und Zittau und Amri Redhuan zieht es nach Kempten im Allgäu, weil er die Berge mag.

Das German Malaysian Institute ist eine Gründung der deutschen und malaysischen Regierung. "Ziel ist die berufspraktische Ausbildung in Malaysia zu fördern, da es dort ein berufliches Ausbildungssystem wie eine Lehre nicht gibt. So bildet das Institut in dreijährigen Kursen junge Menschen in technischen Berufen aus, die der deutschen Lehre entsprechen. Weil in den Kursen die Theorie überwiegt, sind wir froh mit Partnern wie EuroMaint Betriebe für den praktischen Teil zu haben", sagt Wolfgang Zimmermann. Zusätzlich zu der beruflichen Ausbildung bietet das GMI ein Fachabitur an, zweieinhalb Jahre Schule und danach Intensivkurs deutsch in Deutschland.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2015

Thomas Steingen

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