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Schilf-Alarm an Delitzscher Kosebruchteichen: Jetzt wird die Sense geschwungen

Schilf-Alarm an Delitzscher Kosebruchteichen: Jetzt wird die Sense geschwungen

In Delitzsch wächst die Sorge um den Zustand der nördlich der Stadt liegenden Kosebruchteiche. Der Wasserstand ist niedrig, Schilf wuchert, einer der drei Teiche ist so gut wie zugewachsen.

Delitzsch/Schenkenberg. "Viele Delitzscher wünschen sich aber, dass die Teiche ein Kleinod bleiben", sagte die Schenkenberger Ortsvorsteherin Gudrun Fritzsch (CDU) in der jüngsten Ortschaftsratssitzung, in der das Thema auf der Tagesordnung stand. Frank Mazur vom Sachgebiet Kommunalbau der Stadt konnte in der Sitzung zumindest vermelden, dass in diesem Jahr noch eine Schilfmahd erfolgen werde. Allerdings müsse 15 Prozent des Schilfes stehen bleiben, so ist es mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt abgesprochen. Die insgesamt rund 3,5 Hektar großen Teichflächen liegen in einem Landschaftsschutzgebiet. Alle Veränderungen obliegen deshalb der Zustimmung der Naturschutzbehörde. Dass die Stadt jetzt die Schilfmahd in Auftrag gegeben hat, wertete der Orschaftsrat als Teilerfolg, allerdings sei damit das Problem nicht gelöst, denn als Ursache für den starken Bewuchs wurde in der Diskussion der niedrige Wasserstand und in dessen Folge die Übersättigung des Wassers mit Nährstoffen benannt. Kritisiert wurde, dass die Überlaufstufen an den Teichen zu hoch eingestellt seien. Das will die Stadtverwaltung nochmals prüfen.

Gespeist werden die Teiche aus dem Werbener Graben. Von dort kommt offenbar aber zu wenig an. Früher hatten die Teiche noch einen anderen Zulauf. Wie die Arbeitsgemeinschaft Stadtchronik berichtet, baute man um 1930 auf den Wiesen zwischen Delitzsch und Schenkenberg eine Rieselfeldanlage (Grabensystem). Dorthin wurden vorgereinigte Abwässer aus der Stadt und von der Zuckerfabrik über Rohrleitungen gepumpt. Das Abwasser versickerte in dem Grabensystem und reinigte sich im Sand- und Kiesboden. Ein tiefergelegter Ableitungsgraben fing das gereinigte Wasser auf und leitete es zu den Fischteichen des Kosebruchs und dessen Überlauf zum Lober. Der Wohnungsneubau in Delitzsch-Nord, der sich über einen erheblichen Teil der Rieselfelder erstreckte, machte diese Form der Abwasserbehandlung später fast unwirksam. Zunehmend ungereinigtes Abwasser gelangte in die Kosebruchteiche. Das änderte sich erst mit dem Neubau der Kläranlage an der B 184. 1991 fertig gestellt, verfügt sie seit 1994 auch über eine biologische Reinigungsstufe. Somit gelangt nur noch Oberflächenwasser von den Feldern über den Werbener Graben in die Kosebruchteiche.

Das dritte Problem in diesen Gewässern ist der Schlamm. Ende der 1990er-Jahre wurde der westliche Teich geschlämmt. "Damals mit Geldern das Naturschutzes", berichtet Heike Weidt vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen (LPV), in dessen Regie das Vorhaben realisiert wurde. Heute gestaltet sich so etwas aufgrund strengerer Umweltschutzauflagen schwieriger. Weil Schlamm wie Sondermüll behandelt wird, muss er wie solcher entsorgt werden. Das treibt die Kosten in die Höhe. Ein früheres Angebot, was der LPV eingeholt hatte, wies für die Schlammentsorgung der Teiche Kosten in Höhe von 350 000 Euro aus. Für die Stadt stehe die Entschlämmung der Kosebruchteiche derzeit nicht im Fokus. "Schwerpunkt ist jetzt der Wallgraben", sagt Bauamtsleiter Karl-Hein Koch. Gudrun Fritzsch wünscht sich unter diesen Vorzeichen ein Projekt des Landkreises, mit dem schrittweise der ursprüngliche Zustand der Kosebruchteiche wieder hergestellt werden könne. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.11.2014
Thomas Steingen

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