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Delitzsch Schlägerei in Delitzsch: Leipziger Landgericht verhandelt Überfall
Region Delitzsch Schlägerei in Delitzsch: Leipziger Landgericht verhandelt Überfall
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Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig/Delitzsch

Es war spät, als Toni M. sich mit Freunden und Bekannten vom Yoz in Delitzsch-Nord auf den Heimweg machte. Nach einem Abend, der es in sich hatte: Drei Ska- und Punkbands hatten im Jugendhaus in der Sachsenstraße aufgespielt, tschechische DJs ließen die Konserve rappeln. Also rundum gelungen die Veranstaltung. Gut gelaunt ging der Delitzscher Toni M. nach Hause, begleitet von etwa zehn Leuten. Doch was kurz nach 6 Uhr an diesem Morgen des 18. März 2012 folgte, bleibt in schlimmer Erinnerung – der Heimweg endete mit einem Schwerverletzten. Zunächst war es nur eine lautstarke Verbalattacke zwischen Toni M. und Sören D., der zur lokalen rechtsradikalen Szene gerechnet wird. Doch in der Mittelstraße stießen die Konzertgäste auf eine andere Gruppe, offenbar von Sören D. telefonisch herbeigerufen.

Ein Schrei: „Jetzt kommen die Nazis!“. Petr D., einer der Tschechen, erinnert sich noch gut daran. Am Montag erzählte er davon am Landgericht Leipzig – beim Prozessauftakt gegen sechs Männer im Alter von 26 bis 40 Jahren. Wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung sind sie angeklagt. Petr D. berichtete von zwei Schlägen, überfallartig, hart und brutal. Zwei Personen hätten ihn hinterrücks angegriffen. Mindestens einmal sei er von einem Schlagring im Gesicht getroffen worden. Angaben zu den Tätern kann der 36-Jährige kaum machen: Nur so viel, dass einer einen violetten Kapuzenpulli getragen habe.

Am Kopf blutend, schleppte sich der Pilsener bis zum Nordplatz. Im Krankenhaus wurde später festgestellt, dass das rechte Auge des Familienvaters schwer geschädigt ist. Zweimal musste er in Leipzig operiert werden, zweimal in seiner Heimat. Eine fünfte OP steht noch an, sie soll die Folgen der Verletzung abmildern. Seit jenem Morgen in Delitzsch ist Petr D. auf einem Auge fast blind. Fünf Prozent Sehkraft. Nur schemenhaft kann er rechts Konturen wahrnehmen. Dreidimensionales Sehen geht nicht mehr.

Der Überfall hatte in Delitzsch ein öffentliches Nachspiel. Bereits Tage später fand eine Demo gegen Rechtsextremismus statt, zudem wurde die Initiative „No Dancing with Nazis“ ins Leben gerufen.
Wer genau auf den Tschechen eingeschlagen hat, soll am Landgericht bis voraussichtlich Mitte Dezember geklärt werden. Ebenso, wer sich für die Schläge auf zwei weitere Personen zu verantworten hat. Die Attacke galt vor allem Toni M., dem Veranstalter des Yoz-Konzerts. Er konnte entkommen.

Vier der Angeklagten aus Delitzsch und Umgebung äußerten sich zu den Tatvorwürfen beim Prozessauftakt nicht.  Lediglich die Erklärung eines 34-jährigen Beschuldigten wurde von Rechtsanwalt Ingo Stolzenburg verlesen. Darin gibt der gebürtige Merseburger zu, dass er an der Auseinandersetzung beteiligt war, dabei aber niemanden geschlagen habe. Die schwere Verletzung des Tschechen bedauere er. „Damit habe ich nicht gerechnet und das auch nicht gebilligt“, verlas der Verteidiger. Den Tatvorwurf in vollem Umfang bestreitet dagegen ein 26-Jähriger aus der Gemeinde Wiedemar. Keiner der Tatzeugen habe ihn identifiziert. Weitere vier Zeugen werden am Freitag
gehört.

Alexander Bley

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