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Schlammturm im Delitzscher Park hat ausgedient, soll aber erhalten bleiben

Abwasserbeseitigung Schlammturm im Delitzscher Park hat ausgedient, soll aber erhalten bleiben

Über 100 Jahre versieht der Schlammturm im Delitzscher Stadtpark als Abschlagsbauwerk im Abwassersystem der Stadt seinen Dienst und hat in dieser Zeit für manches Unbehagen gesorgt, Jetzt hat er ausgedient. Der Abwasserzweckverband bindet die Einrichtung aus dem Netz aus. Als Denkmal bleibt er der Stadt aber erhalten, vielleicht sogar als kleiner Ausguck.

Über den Ablaufgraben vom Schlammturm zum Mühlgraben führt diese Brücke. Wenn der Graben verfüllt wird, ist die Brücke überflüssig und soll zu einem Weg umgebaut werden.

Quelle: Thomas Steingen

Delitzsch. Die Loberstadt Delitzsch, die sich auf touristischen Schildern an der Autobahn „Stadt der Türme“ nennt, könnte künftig um einen Aussichtsturm reicher sein. Gemeint ist der Juliusturm im Stadtpark – im Volksmund als Schlamm- oder Mäuseturm bekannt. Die zwar vage, doch durchaus mit gewisser Ernsthaftigkeit versehene Idee keimte vor Jahren auf, weil das Bauwerk seine bisherige Funktion im Abwassernetz der Stadt weitgehend verloren hat. Allerdings ist das Bauwerk in Süd-Nord-Richtung ein zentraler Durchfluss im Mischwasserkanalnetz. Laut Andreas Brauer, Technischer Leiter des Abwasserzweckverbandes Delitzsch (AZVD), erfüllt es noch seine Aufgabe als Kontrollschacht. Nach wie vor fließe Wasser durch den Turm, so Brauer. Eine andere Nutzung des Turmes hatte beim AZVD bisher noch keine Rolle gespielt, weil andere Aufgaben wichtiger waren. Jetzt will der Abwasserverband aber den Turm anfassen. Und nachdem der Verband seine Pläne in der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Stadtpark vorgestellt hat, erhält die Idee, den Juliusturm in eine Besucherattraktion zu verwandeln, neue Nahrung.

Kontrollschacht wird verfüllt

Der AZVD hat vor, den Mischwasserkanal, der in den Schacht führt als geschlossenes Rohr durch den Turm zu legen, sodass das Bauwerk nicht mehr für Kontrollzwecke benötigt wird. Diese Funktion soll künftig ein vorgelagerter anderer Schacht, der dafür ausgebaut wird, mit übernehmen. Um den Schacht im Turm ebenerdig verfüllen zu können, „muss jedoch die Abwasserleitung, die von der Heilpädagogischen Kindertagesstätte in den Turm führt, zirka vier Meter nördlich neben dem Bauwerk in die Hauptleitung eingebunden werden“, schildert Brauer. Je nach Witterung könnte das sogar noch dieses Jahr geschehen. Nicht mehr benötigt wird dann auch der Abflussgraben vom Turm in den Mühlgraben. Dieser wird verfüllt. Die im Abflussgraben endende Drainageleitung muss vorher bis zum Mühlgraben verlängert werden. Im Zuge des Verfüllens verschwindet dann auch die Brücke über den Graben. Die entstehende Lücke wird als Weg ausgebaut. All das will der AZVD nächstes Jahr in Angriff nehmen, wenn alle wasserrechtlichen Genehmigungen dazu eingeholt sind.

Turm bleibt als Denkmal erhalten

„Im Gesamtbild des Parks sollte der Turm mit seinem Denkmalcharakter aber erhalten bleiben“, kommentiert Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) die Pläne. Auf der Denkmalliste stehe er jedenfalls, sagt Jürgen Liebau von der Unteren Denkmalbehörde. Zu überlegen sei, so Wilde, ob sich der Turm als Ausguck, etwa für Kindergartengruppen, eigne.

Als Schlammfang und Überlauf wurde der Juliusturm 1903 im Zuge der Abwasserbeseitigung errichtet. Traurige Berühmtheit erreichte er immer wieder bei starken Niederschlägen. Viele Delitzscher erinnern sich an Zeiten, als der Schlammturm überlastet war. In der Folge verteilten sich grobe Überreste aus dem Abwasser entlang des Mühlgrabens im Park. Mit dem Bau des neuen Entlastungsbeckens in der Erzbergerstraße und des Speicherbeckens mit Drosselstufe am Gerberplan hat der Mäuseturm seine Funktion als Schlammfang verloren.

Von Thomas Steingen

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