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Delitzsch Droht den Notaufnahmen in Delitzsch und Eilenburg das Aus?
Region Delitzsch Droht den Notaufnahmen in Delitzsch und Eilenburg das Aus?
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00:37 07.05.2018
Die Unfallverletzten werden in der Rettungsstelle des Krankenhauses an die Notärzte übergeben. Quelle: Ralf Günther
Delitzsch

Das System der Notfallversorgung soll sich ändern. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen hat kürzlich mit einem Beschluss eine Reform auf den Weg gebracht, wonach etwa ein Drittel der Notaufnahmen wegfallen könnte. Betroffen seien bundesweit etwa 1120 Krankenhäuser. Etwa 600 Notaufnahmen sollen schließen. Der Bundesausschuss geht dennoch davon aus, dass die verbleibenden Notaufnahmen die Patienten auch weiterhin angemessen betreuen können.

Anerkennung als Notfallklinik

Die Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH (KKH) sieht dieser Entwicklung relativ gelassen entgegen. „Sowohl die Klinik Delitzsch als auch das Eilenburger Krankenhaus erfüllen die strukturellen Voraussetzungen für die Anerkennung als Notfallklinik“, heißt es auf Anfrage in einer Presseerklärung. Sigurd Hanke, ärztlicher Direktor und medizinischer Geschäftsführer der KKH, erklärte zudem, dass im Sommer der Landkreis Nordsachsen zur Pilotregion für ein neues Notfallsystem werde. An der Delitzscher Klinik wird eine sogenannte Portalpraxis angegliedert. „Eine von der Kassenärztlichen Vereinigung gewollte und praktisch beschlossene Portalpraxis, wie sie ab 1. Juli dieses Jahres in der Klinik Delitzsch betrieben werden soll, ist ohne dahinter stehende Notaufnahme nicht sinnvoll“, erklärte Hanke.

Kostendruck der Klinik senken

In der Portalpraxis sollen Patienten von niedergelassenen Ärzten im Bereitschaftsdienstsystem in den ambulanten Strukturen versorgt werden, die in den sprechstundenfreien Zeiten in die Notaufnahme kommen. Prinzipiell sollen damit die Notaufnahmen der Kliniken entlastet, der Kostendruck gesenkt werden. Studien gehen davon aus, dass etwa 30 Prozent der Patienten, die eine Notaufnahme aufsuchen, keine Notfälle sind. Regelungen, wonach Patienten, die in die Notaufnahme kommen, prinzipiell einen Eigenanteil vorab leisten, wurden von der Politik bislang abgelehnt, stattdessen ein anderes System favorisiert.

Die Portalpraxis soll die vorhandenen klinischen Strukturen entlasten. Stellt ein Bereitschaftsarzt beispielsweise einen Verdacht eines Herzinfarktes fest, kann der Patient auf kürzestem Weg einer Notfallversorgung im Krankenhaus zugeführt werden.

Bewährtes System in Thüringen

In anderen Bundesländern funktioniert dieses System offenbar schon gut. „In Thüringen hat es sich seit einigen Jahren bewährt“, bemerkte erst kürzlich der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen, Klaus Heckemann . Diese Bereitschaftspraxen sollen dann besetzt sein, wenn sie wirklich gebraucht werden, also in der Regel nicht in der Zeit von 22 bis 8 Uhr. Wer in der tiefen Nacht medizinische Hilfe in Anspruch nehme, sei in der Regel ein Notfall und in der dortigen Notaufnahme am Krankenhaus gut aufgehoben. Veränderungen gibt es auch im Bereitschaftsdienstsystem der niedergelassenen Ärzte. Sie sollen künftig größere Bereiche abdecken, auch die Dienste in den Portalpraxen mitfinanzieren. Dagegen wehren sie sich.

Penndorf: Falsches Signal

Was die Entscheidung des Bundesausschusses betrifft, hat Steffen Penndorf, kaufmännischer Geschäftsführer der KKH, eine klare Position: „Wenn die Politik wirklich motiviert ist, den ländlichen Raum zu stärken, sind flächendeckende Schließungen von Notaufnahmen das falsche Signal an die Patienten und Leistungserbringer im stationären Bereich.“

Von Ditmar Wohlgemuth

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