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Schlossfest in Delitzsch macht Barockzeit lebendig

Vive le plaisir Schlossfest in Delitzsch macht Barockzeit lebendig

In den Barock entführte jetzt das Delitzscher Schlossfest „Vive le plaisir“. Zu sehen gab es viel – von prachtvollen Kostümen bis natürlich zu den Barockräumen im Schloss selbst. Dort wurde auch ein Theaterstück aufgeführt.

Die Hofdamen im Esszimmer des Schlosses

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Eigentlich stimmte alles: Die Temperaturen geizten nicht, sondern klotzten, der Festtag, der sonst am Internationalen Museumstag ist, aber in der vergangenen Woche mit dem Spargelhoffest in Kyhna kollidierte, war extra verschoben worden – und dennoch brauchte es seine Zeit, bis die Atmosphäre beim Delitzscher Schlossfest „Vive le plaisir“ festlich wurde. Es mochte an den dann doch wieder zu hohen Temperaturen liegen, am Buchsbaumzünsler, der die Aufmerksamkeit statt auf den Barockgarten auf sich gelenkt hatte oder am ewigen König Fußball. Am Sonnabend, dem Tag des DFB-Pokal-Endspiels, ging es jedenfalls auf den Schlosswiesen noch verhalten zu.

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Bilder vom Schlossfest in Delitzsch

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Dabei bot dieser Tag bereits einiges: Mittelalterliche Klänge drangen schon von oben heran, bog man an der Mauer entlang in die Schlossgasse ein. Hofdamen in aufwendigen Kleidern kamen entgegen, Herren mit weißen Perücken, auch abseits ihrer Pikeniervorführungen glänzend aufgelegte „Alte Schweden“ oder Musikschüler, die mitsamt ihren großen Instrumenten auf dem Rücken nach dem Festkonzert der Kreismusikschule „Heinrich Schütz“ aus dem Barocksaal strömten.

Auf dem Programmplan standen nachfolgend unter anderem eine modische Zeitreise mit dem „Hofdamencircle“ aus Dresden, Mitmachtänze mit dem Ensemble „Epochentanz“ oder auch eine Lesung von Christina Auerswald aus ihrem historischen Roman „Magdalenes Geheimnis“. Hierfür war sie eigens in ein Kostüm geschlüpft und zeigte sich erfreut und überrascht vom Delitzscher Publikum, das zum Teil in ebenso aufwendigen Gewändern auftrat.

Anschauliche Geschichte

Nicht anders die Mitarbeiter des Museums: Mathias Graupner etwa nahm die Besucher im Foyer in Empfang. In seiner Rolle als Wittumssekretär führte er durch das barocke Schloss. Die entwickelte sich zu keiner drögen Tour durch alte Gemäuer, sondern zur anschaulichen Geschichte, mit Kurzweil und einem Oberhofmarschall (David Leubner) in Unterhosen. Die Schauspielschüler der Theaterakademie Sachsen inszenierten in den historischen Räumen ein amüsantes Stück, ein Liebesabenteuer um Herzogin Henriette Charlotte von Sachsen-Merseburg (Lena Beltermann), die ihrem einfältigen Gatten (Max Henel) Hörner aufsetzt. Das von Sprecherzieherin Sabine Eichberg nach Anekdoten und historischen Belegen verfasste Stück, feierte bereits beim letzten Schlossfest mit anderer Besetzung Premiere.

Zusammenarbeit mit Theaterakademie

Geschichte wurde dadurch erlebbar. Nicht nur wie die Beinkleider heißen, die der Marschall auf Freiersfüßen zunächst entbehrte, konnten die Besucher lernen, sondern auch, dass ein schnöder Eintopf mit Kutteln auch unter hiesigen Adligen en vogue war, wenn er so am französischen Hof genossen wurde. „Das Museum ist eben auch ein Ort, wo man etwas lernen kann, soll und darf“, lächelte Museumsleiter Jürgen Geisler, selbst im Kostüm als Haus- und Hofmeister mit Zeremonienstab, wissend.

Daher war Geisler auch über den zweiten mit der Theaterakademie realisierten Programmpunkt erfreut: Für den kehrten vor dem Maskenball und abschließenden Feuerwerk am Sonnabend noch einmal die extraterrestrischen Besucher, die bereits bei der Nacht der Türme Delitzsch in Aufregung versetzt hatten, zurück. Den Außerirdischen und den anwesenden Kindern wurde nicht nur der höfische Tanz, sondern auch das Verhalten und die gegenseitige Wertschätzung am Hofe vermittelt.

Von Manuel Niemann

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