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Schmierer-Terror

Schmierer-Terror

In der Gemeinde Rackwitz kocht der Volkszorn hoch: Seit Jahren belasten Hinterlassenschaften von Graffiti-Sprayern die öffentliche Kasse, werden Gäste der Kommune von Schmierereien empfangen.

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Kontrastreicher Empfang am Eingang von Neuschladitz: Neben der Wohnpark-Werbung grüßen auf dem Ortsschild die Schmierereien von Sprühern.

Rackwitz. Unmut darüber wurde unter anderem zur jüngsten Gemeinderatssitzung laut. Bürgermeister Manfred Freigang (FWG) mahnte, die teilweise bekannten Täter mit Namen und Adresse zu benennen. Für Marina Kamm vom Ordnungsamt ist das Thema ein leidiger Dauerbrenner. „Wir haben im Vorjahr über 1000 Euro für neue Verkehrsschilder ausgegeben und im Jahr davor eine ebenso hohe Summe für Ortseingangsschilder. Doch die Tafeln sind bereits wieder zu 50 Prozent durch Graffiti und Aufkleber verunstaltet“, stellt sie fest. Vor allem Gebäude und Mauern entlang der Bahnstrecke seien massiv von Schmierereien betroffen – das Feuerwehrdepot, die Turnhalle, der Bahnhof selbst. Am alten Buswartehäuschen in der Bahnhofstraße hätten Schmierer Ende vergangenen Jahres sogar einen Baum abgesägt, um mehr freie Wandfläche zu haben.„Viele Täter kommen mit dem Zug von Delitzsch oder Leipzig und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind“, erklärt Marina Kamm. Doch so mancher Sprüher wohne auch vor Ort. Gerade habe sich wieder eine Gruppe etabliert, erkennbar an neuen Schriftzeichen vor allem im Neubaugebiet.„Wir stehen als Gemeinde diesem Treiben relativ machtlos gegenüber“, sagt Bürgermeister Freigang. „Es ist zwar zu vermuten, dass es sich bei den Sprühern um eine überschaubare Gruppe handelt, aber wir können nicht überall Kameras aufstellen.“ Das Ordnungsamt habe nur eine Angestellte und die juristische Handhabe sei ernüchternd. Wie Marina Kamm berichtet, seien in den vergangenen Jahren fast alle Verfahren gegen ertappte Schmierer eingestellt worden. „Mit der Begründung, dass es sich um Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen handele.“ Nur in einem Fall, als das Rathaus beschmiert wurde, habe der Täter Arbeitsstunden aufgebrummt bekommen, die er aber nicht in Rackwitz ableistete.Einwohner Hubert Wiesner machte sich am Donnerstagabend als Gast der Gemeinderatssitzung Luft: „Meines Wissens sind es oftmals Kinder, die hier mit der Spraydose zugange sind. Warum kann man die nicht greifen?“ Der Rackwitzer löste damit eine lange Debatte unter den Volksvertretern aus, die auch auf andere Arten von Vandalismus sowie auf illegale Müllentsorgung zu sprechen kamen. „Wir kommen an dieser Stelle nur weiter, wenn die Bürger Gesicht zeigen und die Täter, die teilweise sogar bekannt sind, anzeigen“, betonte Freigang. „Sie müssen mit Name und Hausnummer benannt werden.“Die Gemeindeverwaltung selbst kann lediglich die Entfernung der unangenehmsten Graffiti finanziell stemmen. „Vor allem an der Bahnstrecke versuchen wir, schnell zu reagieren“, berichtet die Ordnungsamtsmitarbeiterin. „Doch die Behandlung einer Wand von neun Quadratmetern kostet uns 700 Euro“, nennt sie ein Beispiel. „Meist kommen die Sprüher dann bald wieder.“Der Versuch, das Problem mit einem privaten Sicherheitsdienst in Griff zu bekommen, sei Ende 2009 aufgegeben worden. Der Erfolg fehlte.

Kay Wuerker

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