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Delitzsch Schnaps im Rollator – diebische Seniorin aus Delitzsch muss in den Knast
Region Delitzsch Schnaps im Rollator – diebische Seniorin aus Delitzsch muss in den Knast
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00:16 23.05.2017
Das Amtsgericht Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Eilenburg/Delitzsch

Bärbel K. (Name geändert) betrat im Februar diesen Jahres den Supermarkt in der Dübener Straße in Delitzsch. Sie hatte einen Einkaufswagen dabei und ihren Rollator. Der Wocheneinkauf stand bei der 61-jährigen Delitzscherin auf dem Plan. Sie fuhr die Gänge ab und die gewünschten Waren landeten schnell im Wagen. Was sie aber nicht bemerkte war, dass sie mit dem Betreten des Marktes auch die ungeteilte Aufmerksamkeit einer Verkäuferin bekam. Und dieser Aufmerksamkeit wiederum ist es zu verdanken, dass Bärbel K. nun vor dem Eilenburger Amtsgericht stand.

Wiederholungstäterin

Warum fiel gerade diese Seniorin dem Personal auf? Dem äußeren Anschein nach hatte die Frau nichts Besonderes an sich. Sie hat eine untersetzte Figur, die Kleidung war altersgerecht, sie schien nicht hilfebedürftig. Nichts deutete eigentlich darauf hin, dass die Frau eine notorische Diebin ist. Doch auch in diesem Supermarkt hatte sie bereits lange Finger gemacht. Daran erinnerte sich nun die Verkäuferin und ließ sie deshalb nicht aus den Augen, auch trotz Hausverbots zunächst gewähren. Aber dann muss die Kundin offenbar doch etwas bemerkt haben.

Zwei Flaschen Schnaps

„Sie lief plötzlich Runden im Markt, war gute 20 Minuten unterwegs, passierte die gleichen Regale mehrfach ohne etwas herauszunehmen“, sagte die Verkäuferin jetzt als Zeugin vor Gericht aus. Auch wenn die 61-Jährige es offenbar geschickt anstellte, beobachtete die Verkäuferin dennoch, wie sie zwei Flaschen Schnaps im Wert von knapp acht Euro in ihren Rolli verschwinden ließ und dann so tat, als suche sie etwas.

Die Kassenfrau war vorgewarnt. Nachdem die Seniorin ihre Lebensmittel auf das Band gelegt und bezahlt hatte, wurde sie vom Personal zweimal gefragt, ob das alles sei. Zweimal bekamen sie ein klares Ja als Antwort. Daraufhin wurde Bärbel K. zur Seite genommen. Natürlich fand die Verkäuferin die nicht bezahlte Ware.

Schutzbehauptung

In der Hauptverhandlung am Eilenburger Amtsgericht tischte Bärbel K. dann ihre eigene Version auf. Eigentlich wollte sie mit Karte zahlen, doch sie fand sie nicht. Das Bargeld reichte, um die Lebensmittel zu bezahlen. Auf den Schnaps wollte sie aber nicht verzichten. Die Karte fand sie dann später wieder, als der Rolli durchsucht wurde. Sie wollte damit dann doch noch den Alkohol bezahlen. „Ich durfte es aber nicht mehr“, regte sie sich auf. Was folgte, kannte Bärbel K. bereits. Eine Anzeige wurde gefertigt.

Unbelehrbar

Die Staatsanwaltschaft sah das besondere öffentliche Interesse an einer Strafverfolgung und klagte Bärbel K. wegen Diebstahls an. Seit 2012 musste sich die Seniorin, die von Arbeitslosengeld II lebt, schon mehrfach wegen Diebstahls und Hausfriedensbruch verantworten. Sieben Verurteilungen gab es bereits. Die letzte datiert von Anfang des Jahres 2016. Dagegen ging Bärbel K. in Berufung. Die Berufungskammer am Landgericht Leipzig bestätigte aber das Urteil des Amtsgerichtes Eilenburg. Das hatte die Frau zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Kammer gab der Angeklagten auf den Weg, dass es ihr eine Warnung sein sollte und hegt die Hoffnung, dass Bärbel K. künftig ein straffreies Leben führe. Ausschlaggebend war auch das aufrechte Bereuen der Angeklagten.

Ohne Bewährung

Im aktuellen Fall beantragte Staatsanwalt Ronny Duckstein eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten, die nicht zur Bewährung auszusetzen sind. „Sie sind unbelehrbar, wahrscheinlich müssen Sie erst Hafterfahrungen sammeln, um zur Vernunft zu kommen“, sagte der Anklagevertreter. Doch genau die hatte die Frau schon. Weil sie eine Geldstrafe nicht bezahlen konnte, musste sie ersatzweise hinter Gitter. Geholfen hat es offenbar nicht.

Auch Amtsrichterin Carmen Grell hatte deutliche Worte für die Angeklagte: „Sie haben die Chance, straffrei zu bleiben, nicht genutzt.“ Bärbel K. muss nun für zwei Monate ins Gefängnis. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sah die Richterin nicht für gegeben an. Einziger Kommentar der Verurteilten: „Es tut mir leid. Aber es ist nun mal passiert, ich kann es nicht ändern.“ Sie hofft nun, dass sie der Haftantritt nicht vor dem Juni ereilt. Sie habe noch einiges zu regeln, sagte sie. Sie hat einen Ehemann zuhause.

Von Ditmar Wohlgemuth

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