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Delitzsch Schnellere Asylbescheide zwingen Nordsachsen zu neuen Lösungen
Region Delitzsch Schnellere Asylbescheide zwingen Nordsachsen zu neuen Lösungen
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18:00 04.03.2016
Aslybewerber sollen auch in Nordsachsen schneller eine Arbeit nachgehen können (Symbolbild). Quelle: dpa
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Delitzsch

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will die Bearbeitung von Asylanträgen deutlich beschleunigen. Die nordsächsischen Auffangstrukturen für Ankömmlinge greifen dadurch zum Teil nicht mehr. Erste Anzeichen der neuen Situation seien seit dieser Woche spürbar, hieß es im Rahmen eines Netzwerktreffens in Delitzsch.

„In drei Aufnahmezentren des BAMF in Leipzig, Dresden und Chemnitz sollen täglich mehrere Hundert Anträge erfasst und etwa die Hälfte davon umgehend beschieden werden“, erklärte Roman Becker, Leiter des Sachgebiets Migration im Landratsamt. Eine Vielzahl von Asylsuchenden, etwa aus Syrien, bekämen ihre Aufenthaltsgenehmigung dann theoretisch binnen ein bis zwei Tagen. Das bedeute, dass zahlreiche Flüchtlinge gar nicht erst in die Obhut des Landkreises kämen, der sich um Unterbringung, Deutschkurse und erste Formalitäten kümmert.

Flüchtlinge bei Behördenwegen begleiten

„Wer als Asylsuchender anerkannt ist, fällt nicht mehr in unseren Zuständigkeitsbereich“, so Becker. Die Bewilligten müssen sich dann selbst eine Wohnung suchen, Verträge schließen, gegebenenfalls Hartz IV beantragen. In der Regel ohne Deutschkenntnisse. Weil das aus dem Stand heraus aber kaum zu schaffen sein dürfte, arbeiten Landratsamt, BAMF und Jobcenter unter Hochdruck an einem Konzept, einem sogenannten Übergangsmanagement. Die Ankommenden sollen auch künftig wenigstens auf den ersten Metern ihres neuen Weges begleitet werden.

Die Mitarbeit der Kommunen, daran ließ Roman Becker keinen Zweifel, wird mehr denn je gebraucht. Das Landratsamt prognostiziert für dieses Jahr eine Flüchtlingsquote von 2,5 Prozent, gemessen an der Gesamteinwohnerzahl der jeweiligen Stadt oder Landgemeinde. Im Vorjahr lag die Quote bei 1,5 Prozent. Benötigt würden viele Helfer an der Basis, die vor Ort unterstützen: Vereine und Privatleute, Schulen, Sozialarbeiter, Verwaltungskräfte, freie Träger.

Vertreter aus diesen Bereichen saßen am Donnerstag zusammen: Gedankenaustausch im Delitzscher Kirchgemeindehaus. Um sie an einen Tisch zu holen, hat der Landkreis bereits vor Jahren das Netzwerk Migration ins Leben gerufen. Zwei Arbeitsgruppen treffen sich regelmäßig, konzentriert auf die Gebiete Delitzsch-Eilenburg beziehungsweise Torgau-Oschatz.

Angespannte Grundstimmung

Diese Woche waren die Delitzsch-Eilenburger dran. Der Andrang im Saal: stark wie nie zuvor. Ein Indiz dafür, wie sehr das Thema Asyl inzwischen in den Vordergrund gerückt ist. Die schwierige Suche nach Wohnungen, Ärger mit Nachbarn, Verständigungsprobleme bei Arztbesuchen, logistische und bürokratische Hürden bei Deutschkursen – das waren Hauptthemen dieses Vormittags.

„Die Grundstimmung ist in den vergangenen Wochen spürbar angespannter geworden“, urteilte eine Sozialarbeiterin aus dem Bad Dübener Raum – bei Flüchtlingen wie auch bei denen, die mit ihnen zwangsläufig zu tun haben. Es herrsche einerseits Verunsicherung, zum anderen Verdruss über zum Teil lange Zeiten des Wartens, des Untätigseins. Der Bedarf an Bildung oder wenigstens Beschäftigung liege weit über dem Angebot.

80 Asylsuchende im Landkreis haben eine Arbeit

Immerhin: Etwa 80 Asylsuchende im Landkreis seien derzeit erwerbstätig, bezifferte Sachgebietsleiter Becker. „Tendenz steigend.“ Eine vergleichsweise kleine Zahl bei derzeit mehr als 2100 Flüchtlingen in Nordsachsen. 191 junge Leute besuchen aktuell den Unterricht in Integrationsklassen an Berufsschulzentren. Spezielle Klassen an Grund- und Oberschulen, in denen Deutsch als Zweitsprache gelehrt wird, gibt es im Landkreis inzwischen 15 mit insgesamt rund 200 Schülern.

Noch eine Zahl: Etwa 270 Menschen im Landkreis wurden vergangenes Jahr als Asylbewerber anerkannt. Eine Zahl mit Wachstumspotenzial, prognostizierte Roman Becker, weil der Anteil an Neuankömmlingen aus Kriegsgebieten steige, die Ankünfte aus sicheren Herkunftsländern hingegen rückläufig seien. Umso mehr rückt die Frage in den Fokus, wie all jene künftig empfangen und versorgt werden können, die bereits eine Aufenthaltsgenehmigung haben.

Von Kay Würker

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