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Schön wird's, aber nicht knalle-neu"

Schön wird's, aber nicht knalle-neu"


Löbnitz. Bis Weihnachten wird die Patronatsloge, eine Art „VIP-Raum" in der evangelischen Löbnitzer Kirche für die einst hier dominierende Familie von Schönfeldt, konserviert und restauriert sein.

. Restmittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes sowie Eigenmittel der Kirchgemeinde und des Fördervereins zur Erhaltung der Kirchen im Kirchspiel Löbnitz machen es möglich, einen fünfstelligen Betrag zu investieren.

Italien liegt auch ein Stück in Löbnitz. Das findet jedenfalls Diplom-Restaurator Oliver Tietze seit er vor vier Jahren die Löbnitzer Kirche das erste Mal betrat. „Bei meinem ersten Besuch war ich richtig überrascht und dachte, da brauche ich ja gar nicht mehr nach Italien fahren." Inzwischen ist die Kirche, die erstmals im zwölften Jahrhundert als dreischiffige Backsteinbasilika Erwähnung fand, für den Leipziger Diplomrestaurator schon so etwas wie eine alte Bekannte. Dennoch klingt noch immer Begeisterung aus seiner Stimme, wenn er von den sehr guten Steinmetzarbeiten oder natürlich auch von der einzigartigen Bilderdecke, die er bereits restaurieren durfte, erzählt. Bis Weihnachten kann sich der Leipziger nun mal wieder öfter auf Miniausflug nach Italien machen. Denn für etwa drei Tage pro Woche hat er nun wieder seinen Arbeitsplatz in der Löbnitzer Kirche.

Die acht mal zwei Meter große Patronatsloge, die seitlich links über den Altar auf Pfosten steht, stammt aus dem Jahr 1693. „Doch schon damals wurde recycelt. So trägt die Hochzeitssäule die Jahreszahl 1586. Und auch die Renaissancefenster müssen aus einem anderem Gebäude sein", sagt Oliver Tietze. Und kommt gleich wieder ins Schwärmen. „Solche Mondglasscheiben im Eichenholzrahmen gibt es nicht mehr so oft." Er führt vor, dass sich das größtenteils erhaltene 500 Jahre alte Glas noch immer recht leicht zur Seite schieben lässt. Ja, die Schönfeldts wussten eben was gut ist, konnten ihre Loge sogar heizen. Betreten haben sie diese von außen über eine in einem Sakristei-Anbau eingebaute Treppe. „Dieser wurde in den 1930er-Jahren allerdings abgerissen."

Eine Behelfs-Leitertreppe führt nun vom Innern der Kirche in den Raum, der als Abstellkammer einfach viel zu schade ist. Doch bevor er beispielsweise von Bläsern oder für das szenische Kirchenspiel genutzt wird, wartet eine Menge Arbeit. Dabei lautet das Credo von Oliver Tietze: „Eine alte Dame kann man nicht zur jungen Frau schminken. Alter muss man respektieren." Und so werde beispielsweise die barocke Fassung auch nicht neu bemalt, sondern wieder belebt. Das mache auch deshalb Sinn, da das Ganze zu dem schönen Altar passen soll. „Schön wird‘s, aber eben nicht knalleneu", fasst es Oliver Tietze auf seine Weise zusammen. Zu kämpfen hat er dabei eher weniger mit Holzwurm und -pilz, die erstaunlich wenig Schaden angerichtet haben. Dafür hat die Restauration 1970/1971 Spuren hinterlassen. „Damals wurde so viel Farbe abgekratzt wie nur ging, sodass vom originalen barocken Eindruck oft nur eine Erinnerung zu sehen ist." Nur die beiden Wappen sind noch gut erhalten. Oliver Tietze: „Da wurde nichts dran gemacht und das ist das Beste." Und auch er werde hier nur konservieren, die Farbe, die locker ist, festigen.

Wer Oliver Tietze dabei und bei anderen Arbeiten zusehen will, ist übrigens ausdrücklich willkommen. „Ich fände es sehr gut, wenn die Löbnitzer einfach mal vorbeikommen. Denn die Kirche braucht und verdient mehr Beachtung."

Ilka Fischer

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