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Schönwölkaus Schaukästen sollen die Bürger auf Trab halten

Info-Politik Schönwölkaus Schaukästen sollen die Bürger auf Trab halten

Er ist nicht gerade die letzte Errungenschaft des Webzeitalters, auf dem Dorf aber unentbehrlich – der Schaukasten. Von Gemeinderats-Agenda bis zum Dorffest-Ablauf wird hinter Glas publik gemacht, was los ist. In Schönwölkau will man mit den PR-Oldies aber nicht nur informieren, sondern noch mehr erreichen.

Die Scheibe ist bei amtlichen Bekanntmachungen eben kein Touchscreen.

Quelle: Christine Jacob

Wölkau. Kein Touchscreen. Tasten zum Drücken, eine Maus zum Klicken? Scrollen? Fehlanzeige! Da hängt einfach nur Papier hinter Glas. Wer sich auf den Dörfern Schönwölkaus informieren will, steht schlicht und einfach an der Scheibe eines Schaukastens und schaut hinein, um zu erfahren, wann und worüber der Gemeinderat berät und welches Fest als nächstes ansteht. Einerseits steckt eine Bekanntmachungssatzung, anderseits in Schönwölkau auch größere Absicht dahinter: „Ich halte persönlich sehr viel von den Schaukästen, denn die Bürger der Ortsteile sollen im Dorf spazieren gehen und nicht nur Auto fahren“, sagt Schönwölkaus Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU). Mit den Kästen könne man die Bürger mobilisieren.

Für die älteren Einwohner seien die Kästen unentbehrlich. Sie stehen auch daher meist in der Nähe der Standorte der Verkaufswagen. „Auch wenn ich als Fremder in anderen Kommunen bin, schaue ich immer in die Schaukästen“, berichtet der 59-Jährige, „das kann natürlich auch berufsbedingt sein, um mich zu informieren, was in der entsprechenden Kommune aktuell ist. Auch die Polizei sucht weiter über ,Steckbriefe’ Personen – in anderen Bundesländern mehr als in Sachsen.“ Daher sei er sicher, dass der Schaukasten trotz Internet keine aussterbende Variante ist.

Zudem: In Schönwölkau hapert es seit Monaten an der Homepage. Die Gemeindeseite ist nicht mehr richtig gepflegt und verfügt über ein paar technische Fehler. Bis der Verwaltungspartner Krostitz alles ins Reine gebracht hat, der Auftrag soll raus sein, kann es noch dauern. Auch dafür sind die Schaukästen ein guter Ersatz beziehungsweise eine Ergänzung.

Schaukästen an fast 20 Standorten

Insgesamt 18 Schaukästen werden in Schönwölkau gepflegt. Sie stehen in allen elf Ortsteilen – zum Beispiel an der Kirche in Badrina, nahe des Feuerwehr-Gerätehauses in Hohenroda, am Sportlerheim in Wölkau, vor dem Rathaus, in Boyda am Dorfplatz, in Göritz am Teich. Der PR-Oldie wird in Schönwölkau wie auch in anderen nordsächsischen Kommunen regelmäßig und gemäß der Bekanntmachungssatzungen gepflegt. Mindestens sechs Tage vor einem Gemeinderat kommt die Agenda ans Schwarze Brett hinter Glas. Das übernimmt dann ein Beauftragter der Gemeinde, schildert Tiefensee. Ansonsten legt er selbst Hand an – im Durchschnitt alle 14 Tage. Der Politiker sieht darin einerseits die Chance, den Inhalt der Schaukäsen zu kontrollieren – denn mitunter wird einfach Zeugs an die Scheibe geklebt. Und er hat eine gute Gelegenheit, alle Ortsteile mal zu besuchen.

Einige Jahre haben die Schaukästen auf dem Buckel: Im Schnitt sind sie 25 Jahre alt. Vandalismus ist zudem nicht ausgeschlossen, findet sich auch mal Graffiti darauf. Bei drei der Info-Boxen mussten die Schlösser schon getauscht werden. Ein Schaukasten in Luckowehna wurde von Unbekannten angefahren und beschädigt. Das Ankleben von Mitteilungen außen am Kasten ärgert den Bürgermeister: „Dabei werden mit Paketband die Schaukästen erheblich beschädigt.“

Obwohl ein „nicht geringer Aufwand“ betrieben wird, um die Inhalte aktuell zu halten, will Tiefensee die Schaukästen weiter betreiben, solange er Bürgermeister ist. Es sei denn, der Gemeinderat beschließt eines Tages was anderes. Höchstens an der Zahl will der Bürgermeister was ändern: So könne im Neubaugebiet Wölkau ein zusätzlicher Kasten hinkommen. „Badrina mit vier Standorten bei einem Ortsteil mit 475 Einwohnern hat vielleicht einen zuviel“, meint Tiefensee.

Von Christine Jacob

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