Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Schokoladenfabrik Delitzsch: Mitarbeiter hoffen, dass es weitergeht

Erste Reaktionen Schokoladenfabrik Delitzsch: Mitarbeiter hoffen, dass es weitergeht

Auf der Hauptversammlung der Schokoladenfabrik verkündete Vorstandschef Klaus Lellé nach neun Jahren den Rückzug aus Delitzsch. Die Hallenser geben den Anteil an den neuen Halloren-Großaktionär Darren Ehlert weiter. Delitzsch mit seinen rund 300 Mitarbeitern soll weiter für Halloren arbeiten.

Verkauft: Delitzscher Schokoladenfabrik.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. In Delitzsch verbreitete sich am Donnerstag die Nachricht vom Verkauf der Schokoladenfabrik über Mund-zu-Mund-Propaganda, Handy oder Facebook wie ein Lauffeuer. Auch erste Kommentare im Netz wie „Bleibt doch in der Familie, also halb so schlimm“ machten schnell die Runde. Ebenfalls in der Belegschaft im Delitzscher Werk sickerte die Neuigkeit peu à peu durch, wobei diese meist gelassen aufgenommen wurde. Solche Nachrichten treffe sie nicht zum ersten Mal. „Es gab immer mal Flauten“, berichtet eine Schichtarbeiterin aus der Produktion. Sieben Jahre ist sie im Werk und hofft, dass es weitergeht. Genaueres weiß sie noch nicht. „Aber es wäre schade, wenn das Werk geschlossen würde, denn ich arbeite gern hier und die Arbeit macht Spaß“, so die 45-jährige Delitzscherin. Natürlich habe man auch etwas Angst, aber sie lasse es rankommen, denn bisher sei es immer weitergegangen. Der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) ist optimistisch, dass es weitergeht und hofft, dass der Produktionsstandort nicht nur erhalten, sondern innovativ weiterentwickelt wird. „Die Rohstoffpreise sind hoch, der Absatz schwierig. Trotzdem sollen die Menschen auch zukünftig in den Genuss von Delitzscher Schokolade kommen. Seit vielen Jahrzehnten bestimmt unsere Schokolade den Geschmack in Deutschland mit. Mein Appell: Esst mehr Delitzscher Schokolade!“

Aktionäre kritisieren Lellé

Halloren-Chef Klaus Lellé war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch hatte er aber heftige Kritik seiner Aktionäre einstecken müssen, weil der bereits Anfang des Jahres erfolgte Verkauf von Delitzscher nicht früher bekannt gegeben wurde. Es wäre wohl besser gewesen, früher zu informieren, räumte Lellé laut Mitteldeutscher Zeitung auf der Versammlung ein. Entlassungen soll es in Delitzsch aber nicht geben, hieß es beim neuen Eigentümer. Die Zusammenarbeit mit Halloren werde fortgesetzt. Die bisherige Mutter könne den Standort weiter als „verlängerte Werkbank“ nutzen. Für Halloren ist der Ausstieg am Ende ein gutes Geschäft: bezahlt hatten die Hallenser 2008 nach eigenen Angaben „weniger als vier Millionen Euro“, erhalten habe sie von Hauptaktionär Darren Ehlert jetzt zehn Millionen, davon sieben Millionen in bar. Die restlichen drei Millionen entfallen auf die Übernahme von Schulden der Delitzscher.

Keine offiziellen Informationen

Die LVZ traf gestern eine Frau, die seit 35 Jahren in der Schokoladenfabrik arbeitet. Offiziell hat sie noch keine Informationen bekommen. Ein Bekannter habe sie aber gerade angerufen und erzählt, dass etwas über den Verkauf in der Leipziger Volkszeitung stehe. Geschockt ist sie nicht. „Wir müssen es nehmen, wie es ist. Nach der Wende haben wir so viel durchgemacht, das stumpft ab. Das Stammpersonal ist aber immer geblieben“, berichtet sie. Auch jetzt ist sie zuversichtlich. Das Werk habe viele Aufträge und suche ständig Leute für die Produktion. „Schwarz sehe ich nicht, Genaueres werden wir demnächst sicher erfahren.“ Die Wirtschaftschefin des Landkreises Nordsachsen hat die Neuigkeit in der LVZ gelesen. Uta Schladitz geht davon aus, dass es am Standort Delitzsch weitergeht. „Delitzsch ist ein sehr starkes Standbein, das verraten die Mitarbeiter- und Umsatzzahlen. Ohne Delitzsch, das ist meine Meinung, dürfte es für die Hallenser noch wesentlich schwieriger werden. Denn das würde eine Verkleinerung bedeuten. Ich gehe davon aus, dass es so wie bisher weitergeht“, so Schladitz. Die Leitung des Delitzscher Werkes war am Donnerstag nicht zu erreichen. Nach LVZ-Informationen wurden alle Verantwortlichen nach Halle in die Zentrale gebeten. Halloren wolle keine Mitarbeiter entlassen.

Delitscher Schokolade exklusiv für Halloren-Gruppe

„Delitzscher produziert ihre Produkte exklusiv für die Halloren Gruppe. Diese verkauft dann an eine Vielzahl von Kunden weiter“, schreibt die Ex-Mutter in ihrem Bericht an die Aktionäre. „Halloren erfüllt sämtliche für den Vertrieb der Produkte erforderliche Funktionen und trägt alle Kosten.“ Auch für 2017 soll sich trotz des zum 1. Januar 2017 erfolgten Verkaufs der Delitzscher Schokoladenfabrik hieran nichts ändern.“ Zudem sicherte die Ex-Mutter ihrer Ex-Tochter weiterhin „wichtige Unterstützung in den Bereichen Vertrieb, Einkauf, Produktentwicklung, Qualitätssicherung und Finanzen und Controlling“ zu. „Außerdem wird Halloren aufgrund der wechselseitigen Abhängigkeit der beiden Gesellschaften auch zukünftig bei Finanzierungssachverhalten und zur Sicherstellung der Bonität der ehemaligen Tochtergesellschaft zur Verfügung stehen.

Süßwarenbranche stabil

Die Deutsche Süßwarenindustrie beschäftigt bundesweit 50 000 Mitarbeiter. Diese Zahl ist stabil geblieben. Die Branche ist mittelständisch geprägt, die Exportquote liegt bei 51 Prozent. Rund 20 Prozent entfallen auf Märkte außerhalb der EU. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie: „Ein harter Konkurrenzdruck im nationalen Wettbewerb, Unsicherheiten im internationalen Wettbewerb, immer mehr staatliche Regulierungen und weiterhin hohe Rohstoffkosten belasten die Ertragslage vieler der über 200 industriellen Hersteller.“ Im vorigen Jahr lagen die Preise für Kakaobutter auf hohem Niveau, Butter, Vollmilchpulver und Zucker stiegen im zweiten Halbjahr 2016 deutlich an. Das lag unter anderem an einer anhaltend hohen Nachfrage aus Asien. Die größten Herausforderung stellt die volatile Situation auf wichtigen Rohstoffmärkten dar. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade in Deutschand liegt bei 9,7 Kilogramm, bei Zuckerwaren bei 5,8 Kilogramm.

Von Thomas Steingen, Frank Pfütze, Frank Johannsen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Delitzsch
Delitzsch in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 85,92 km²

Einwohner: 24.850 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 289 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04509

Ortsvorwahlen: 034202

Stadtverwaltung: Markt 3, 04509 Delitzsch

Ein Spaziergang durch die Region Delitzsch
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

12.12.2017 - 08:02 Uhr

Fußballer des SV Tresenwald Machern veanstalten wieder ihr traditionelles Hallenturnier für Nachwuchsmannschaften.

mehr
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr