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Delitzsch Schokoladenfabrik Delitzsch: Mitarbeiter hoffen, dass es weitergeht
Region Delitzsch Schokoladenfabrik Delitzsch: Mitarbeiter hoffen, dass es weitergeht
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16:21 28.09.2017
Wie geht’s weiter in der Schokofabrik Delitzsch? Kunden merken vom Verkauf erstmal nichts, die Produktion läuft normal weiter, die Jobs sollen erhalten bleiben. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

In Delitzsch verbreitete sich am Donnerstag die Nachricht vom Verkauf der Schokoladenfabrik über Mund-zu-Mund-Propaganda, Handy oder Facebook wie ein Lauffeuer. Auch erste Kommentare im Netz wie „Bleibt doch in der Familie, also halb so schlimm“ machten schnell die Runde. Ebenfalls in der Belegschaft im Delitzscher Werk sickerte die Neuigkeit peu à peu durch, wobei diese meist gelassen aufgenommen wurde. Solche Nachrichten treffe sie nicht zum ersten Mal. „Es gab immer mal Flauten“, berichtet eine Schichtarbeiterin aus der Produktion. Sieben Jahre ist sie im Werk und hofft, dass es weitergeht. Genaueres weiß sie noch nicht. „Aber es wäre schade, wenn das Werk geschlossen würde, denn ich arbeite gern hier und die Arbeit macht Spaß“, so die 45-jährige Delitzscherin. Natürlich habe man auch etwas Angst, aber sie lasse es rankommen, denn bisher sei es immer weitergegangen. Der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) ist optimistisch, dass es weitergeht und hofft, dass der Produktionsstandort nicht nur erhalten, sondern innovativ weiterentwickelt wird. „Die Rohstoffpreise sind hoch, der Absatz schwierig. Trotzdem sollen die Menschen auch zukünftig in den Genuss von Delitzscher Schokolade kommen. Seit vielen Jahrzehnten bestimmt unsere Schokolade den Geschmack in Deutschland mit. Mein Appell: Esst mehr Delitzscher Schokolade!“

Aktionäre kritisieren Lellé

Halloren-Chef Klaus Lellé war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch hatte er aber heftige Kritik seiner Aktionäre einstecken müssen, weil der bereits Anfang des Jahres erfolgte Verkauf von Delitzscher nicht früher bekannt gegeben wurde. Es wäre wohl besser gewesen, früher zu informieren, räumte Lellé laut Mitteldeutscher Zeitung auf der Versammlung ein. Entlassungen soll es in Delitzsch aber nicht geben, hieß es beim neuen Eigentümer. Die Zusammenarbeit mit Halloren werde fortgesetzt. Die bisherige Mutter könne den Standort weiter als „verlängerte Werkbank“ nutzen. Für Halloren ist der Ausstieg am Ende ein gutes Geschäft: bezahlt hatten die Hallenser 2008 nach eigenen Angaben „weniger als vier Millionen Euro“, erhalten habe sie von Hauptaktionär Darren Ehlert jetzt zehn Millionen, davon sieben Millionen in bar. Die restlichen drei Millionen entfallen auf die Übernahme von Schulden der Delitzscher.

Keine offiziellen Informationen

Die LVZ traf gestern eine Frau, die seit 35 Jahren in der Schokoladenfabrik arbeitet. Offiziell hat sie noch keine Informationen bekommen. Ein Bekannter habe sie aber gerade angerufen und erzählt, dass etwas über den Verkauf in der Leipziger Volkszeitung stehe. Geschockt ist sie nicht. „Wir müssen es nehmen, wie es ist. Nach der Wende haben wir so viel durchgemacht, das stumpft ab. Das Stammpersonal ist aber immer geblieben“, berichtet sie. Auch jetzt ist sie zuversichtlich. Das Werk habe viele Aufträge und suche ständig Leute für die Produktion. „Schwarz sehe ich nicht, Genaueres werden wir demnächst sicher erfahren.“ Die Wirtschaftschefin des Landkreises Nordsachsen hat die Neuigkeit in der LVZ gelesen. Uta Schladitz geht davon aus, dass es am Standort Delitzsch weitergeht. „Delitzsch ist ein sehr starkes Standbein, das verraten die Mitarbeiter- und Umsatzzahlen. Ohne Delitzsch, das ist meine Meinung, dürfte es für die Hallenser noch wesentlich schwieriger werden. Denn das würde eine Verkleinerung bedeuten. Ich gehe davon aus, dass es so wie bisher weitergeht“, so Schladitz. Die Leitung des Delitzscher Werkes war am Donnerstag nicht zu erreichen. Nach LVZ-Informationen wurden alle Verantwortlichen nach Halle in die Zentrale gebeten. Halloren wolle keine Mitarbeiter entlassen.

Delitscher Schokolade exklusiv für Halloren-Gruppe

„Delitzscher produziert ihre Produkte exklusiv für die Halloren Gruppe. Diese verkauft dann an eine Vielzahl von Kunden weiter“, schreibt die Ex-Mutter in ihrem Bericht an die Aktionäre. „Halloren erfüllt sämtliche für den Vertrieb der Produkte erforderliche Funktionen und trägt alle Kosten.“ Auch für 2017 soll sich trotz des zum 1. Januar 2017 erfolgten Verkaufs der Delitzscher Schokoladenfabrik hieran nichts ändern.“ Zudem sicherte die Ex-Mutter ihrer Ex-Tochter weiterhin „wichtige Unterstützung in den Bereichen Vertrieb, Einkauf, Produktentwicklung, Qualitätssicherung und Finanzen und Controlling“ zu. „Außerdem wird Halloren aufgrund der wechselseitigen Abhängigkeit der beiden Gesellschaften auch zukünftig bei Finanzierungssachverhalten und zur Sicherstellung der Bonität der ehemaligen Tochtergesellschaft zur Verfügung stehen.

Süßwarenbranche stabil

Die Deutsche Süßwarenindustrie beschäftigt bundesweit 50 000 Mitarbeiter. Diese Zahl ist stabil geblieben. Die Branche ist mittelständisch geprägt, die Exportquote liegt bei 51 Prozent. Rund 20 Prozent entfallen auf Märkte außerhalb der EU. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie: „Ein harter Konkurrenzdruck im nationalen Wettbewerb, Unsicherheiten im internationalen Wettbewerb, immer mehr staatliche Regulierungen und weiterhin hohe Rohstoffkosten belasten die Ertragslage vieler der über 200 industriellen Hersteller.“ Im vorigen Jahr lagen die Preise für Kakaobutter auf hohem Niveau, Butter, Vollmilchpulver und Zucker stiegen im zweiten Halbjahr 2016 deutlich an. Das lag unter anderem an einer anhaltend hohen Nachfrage aus Asien. Die größten Herausforderung stellt die volatile Situation auf wichtigen Rohstoffmärkten dar. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokolade in Deutschand liegt bei 9,7 Kilogramm, bei Zuckerwaren bei 5,8 Kilogramm.

Von Thomas Steingen, Frank Pfütze, Frank Johannsen

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